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Irak: Trotz Waffenruhe Gefechte

Trotz einer vereinbarten Waffenruhe haben sich in der irakischen Stadt Kufa US-Soldaten und Milizen des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al Sadr am Freitag neue Gefechte geliefert.

Dabei wurde nach Angaben von Ärzten vor Ort ein Iraker getötet. Die Besatzungstruppen im Irak gaben den schiitischen Milizen in Kufa Schuld an den neuen Feuergefechten. Bei einem Angriff am Vormittag seien zwei Soldaten verletzt worden, sagte eine US- Militärsprecherin am Freitag in Bagdad.

Augenzeugen erklärten dagegen, die Kämpfe hätten begonnen, nachdem US-Soldaten auf eine Gruppe von Irakern geschossen hätten, die auf dem Weg zum Freitagsgebet in der Moschee von Kufa gewesen seien. In der von Al Sadr am Vortag unterzeichneten Vereinbarung, die der junge Prediger mit schiitischen Mitgliedern des Regierungsrats formuliert hatte, verpflichtete sich die Miliz zum Verlassen der beiden Städte, falls sich auch die Besatzungsarmee aus Najaf und Kufa zurückzieht. Ein Führungsmitglied der „Mahdi-Armee“, das seinen Namen nicht nennen wollte, erklärte, seine Miliz wolle sich an die Waffenruhe halten. Die Besatzungstruppen hätten die Einwohner von Kufa jedoch provoziert.

Nach dem Vorwurf einer Beteiligung polnischer Soldaten an Folterungen im Irak wies der Sprecher der 6.200 polnischen Soldaten, Oberstleutnant Robert Strzelecki, die Vorwürfe zurück und erklärte am Freitag: „Ich bin völlig sicher, dass polnische Truppen keine irakischen Häftlinge misshandelt haben.“ Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski sprach von unbestätigten Enthüllungen, die offenbar nicht ernst zu nehmen seien. Polen werde die Regierung in Washington um eine Erklärung bitten.

Nach amerikanischen Ermittlungsprotokollen, die der Nachrichtenagentur AP vorliegen, sollen Häftlinge von polnischen Soldaten geschlagen worden sein, ehe sie den Amerikanern übergeben wurden. Zwei Gefangene seien von polnischen Truppen verletzt worden, sagte demnach der US-Feldwebel Antonio Monserrate, der an den Verhören irakischer Häftlinge beteiligt war. Ein Geheimdienstmitarbeiter sagte aus, dass sich viele Häftlinge über physische Gewalt von Seiten der Koalitionsstreitkräfte beklagt hätten. Die Ermittlungen der US-Streitkräfte ergaben auch weitere Informationen über die Beteiligung von Angehörigen des amerikanischen Militärgeheimdienstes. Diese werden voraussichtlich in die anstehenden Militärprozesse gegen angeklagte US-Soldaten einfließen.

Bei der Freilassung von Häftlingen aus dem Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad sind unterdessen amerikanische Soldaten aus angrenzenden Häusern beschossen worden. Der Konvoi von 13 Bussen kam zum Stillstand, die Soldaten suchten Deckung. Verletzt wurde niemand. Hunderte von Menschen umringten die Busse und führten ihre Angehörigen nach Hause. Es war schon die zweite umfassende Freilassungswelle seit Bekanntwerden des Folterskandals Ende April. In dem umstrittenen Gefängnis werden noch 3.000 bis 4.000 Häftlinge festgehalten. US-Präsident George W. Bush hat den Abriss des Gebäudes und einen Neubau angekündigt.

Bei einem Raketenangriff auf ihr Fahrzeug sind zwei japanische Journalisten und ihr irakischer Dolmetscher im Irak getötet worden. Der Wagen sei offenbar am Donnerstagabend zwischen Mahmudiya und Litifiya rund 30 Kilometer südlich von Bagdad beschossen worden, sagte der Leiter des örtlichen Krankenhauses von Mahmudiya am Freitag. Bei den getöteten Japanern handelt es sich um einen 61-jährigen erfahrenen Kriegsreporter und seinen 33 Jahre alten Neffen. Drei am Dienstag verschleppte Reporter des US-Fernsehsenders NBC wurden unterdessen am Freitag wieder freigelassen.

In der irakischen Schiitenstadt Najaf ist am Freitag auf das Auto eines gemäßigten Predigers geschossen worden. Der Wagen von Scheich Saddredin al Kubbanshi sei nach dem Freitagsgebet im Ali-Mausoleum beschossen worden. Unklar war zunächst, ob Kubbanshi verletzt wurde. Die Schüsse wurden am Nordeingang des Mausoleums abgegeben, wo sich mehrere Milizionäre des radikalen Schiitenführers Al Sadrs aufhielten. Kubbanshi ist der Vertreter der größten Schiitenpartei, des Hohen Rates für die Islamische Revolution (SCIRI), in Najaf.

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