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Irak: Trauer um Opfer der Massenpanik

Bagdad trauert um die fast 1.000 Opfer der Massenpanik: Die Menschen strömten am Donnerstag zu Trauerfeiern in der gesamten Stadt, andere suchten in den Krankenhäusern nach vermissten Angehörigen. Chronik |

Das Innenministerium gab die Zahl der Toten bei der Massenpanik vom Mittwoch mit mindestens 952 an. 815 Menschen wurden verletzt. Viele von ihnen sind in kritischem Zustand. Der irakische Präsident Jalal Talabani geht davon aus, dass die Massenpanik in Bagdad von „Terroristen“ provoziert wurde.

„Dieses abscheuliche Verbrechen, das sich gegen die Pilger des Imam Mussa al-Kasim (Musa al-Kazim) richtete, ist Zeichen der Rohheit von Terroristen, die Völkermord am irakischen Volk begehen“, sagte Talabani am Donnerstag in einer Rede an seine Landsleute. Der Präsident, ein Kurde, forderte die staatlichen Organe auf, eine unabhängige Untersuchung der „Versäumnisse“ einzuleiten, durch die noch mehr Menschen starben. Nach den Ereignissen vom Mittwoch müsse der Kampf gegen den Terrorismus und gegen extremistische Gruppen verstärkt werden, forderte Talabani unter Anspielung auf sunnitische Extremisten.

Der irakische Ministerpräsident Ibrahim al Jafaari besuchte das Krankenhaus Kadhimiya, in dem zahlreiche Opfer behandelt wurden. Er erklärte, die Nachbarländer Jordanien und Iran hätten ihre Hilfe angeboten. „Wir sind bereit, jeden Patienten ins Ausland zu bringen, der dort behandelt werden muss“, sagte der Regierungschef. Die Regierung rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Die Massenpanik war in einem schiitischen Pilgerstrom ausgebrochen, als die Menschen auf der Al-Aimah-Brücke nach Warnungen vor angeblichen Selbstmordattentätern in Panik gerieten. Auslöser war nach Berichten von Augenzeugen das Gerücht, das sich ein Selbstmordattentäter in der Menge befinden soll. Die Pilger wurden zu Tode getrampelt oder ertranken im Tigris.

Mehrere politische Organisationen machten Anhänger des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein und sunnitische Extremisten für das Unglück verantwortlich. Augenzeugen widersprachen und erklärten, Sunniten seien in den Fluss gesprungen, um Schiiten zu retten.

Andere Kritiker sagten, die Behörden hätten nicht schnell genug reagiert. „Dies ist das Ergebnis einer mangelhaften Arbeit des Innen- und des Verteidigungsministers, die viele Menschenleben gekostet hat“, sagte Baha al-Aaradji, ein schiitischer Abgeordneter mit Verbindungen zu dem radikalen Geistlichen Muktada al-Sadr. „Sie sollten vor dem Parlament stehen und befragt werden.“

In den Krankenhäusern der Stadt bemühten sich hunderte Menschen, ihre getöteten Angehörigen zu identifizieren. Viele Leichen lagen auf dem Boden vor der überfüllten Leichenhalle. Im Stadtteil Sadr City errichteten die betroffenen Familien gemäß der Tradition Zelte, um Beleidsbekundungen entgegenzunehmen.

Die Massenpanik löste weltweit tiefe Bestürzung aus. Zahlreiche Staaten, darunter die USA und der Iran, boten Hilfe bei der Versorgung der Verletzten an. Die EU, die NATO und der Iran machten Terroristen für die Tragödie verantwortlich. Die Massenpanik sei die „schockierendste und fürchterlichste Tragödie, die von Terroristen verursacht worden ist“, sagte der britische Außenminister Jack Straw im Namen der EU. Ihr Ausmaß übersteige die Vorstellungskraft. NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer erklärte: „Hunderte unschuldige Menschen starben, weil Terroristen im Irak Angst und Schrecken verbreitet haben“.

Papst Benedikt XVI. zeigte sich zutiefst getrübt. In einem Telegramm an den Nuntius in Bagdad sprach der Papst den zivilen und religiösen Behörden seine „tiefe Trauer“ aus. „Alle Menschen, die an den einzigen Gott glauben, sollen sich vereinen, um jegliche Form von Gewalt zu verwerfen. Sie sollten zusammenarbeiten, damit auf dem stark belasteten irakischen Boden wieder Frieden herrschen kann“, betonte der Papst. Er wolle dafür beten, damit im Irak wieder „ein Klima von Versöhnung und gegenseitigem Vertrauen“ hergestellt werden kann.

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