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Irak: Sunniten brechen Gespräche ab

Die größte Partei der Sunniten im Irak hat am Donnerstag die Gespräche zur Regierungsbildung mit Schiiten und Kurden abgebrochen.

Grund waren die Angriffe auf mehr als 90 sunnitische Moscheen im Irak nach dem Bombenanschlag vom Mittwoch auf eines der Heiligtümer der Schiiten, die goldene Moschee in Samarra. Die Gespräche zur Regierungsbildung blieben eingefroren, bis es eine Entschuldigung für die Übergriffe gebe, hieß es.

Die religiöse Vertretung der irakischen Sunniten gab der geistlichen Führung der Schiiten eine Mitschuld an der Eskalation der Gewalt zwischen den beiden Religionsgemeinschaften. Die Vereinigung der moslemischen Geistlichen weise bestimmten schiitischen Anführern wegen ihres Aufrufs zu Demonstrationen die Verantwortung zu, sagte ein Sprecher des sunnitischen Verbandes am Donnerstag.

Damit zielte die Vereinigung offenbar auf das schiitische Oberhaupt im Irak, Groß-Ayatollah Ali al-Sistani, der am Vortag unmittelbar nach dem Anschlag auf die Goldene Moschee in Samarra zu Protesten aufgerufen hatte. Sistani mahnte die Menschen allerdings zugleich, friedlich zu demonstrieren und untersagte ausdrücklich Übergriffe auf sunnitische Moscheen. Eine solche Kritik am wichtigsten Vertreter der Schiiten ist im Irak beispiellos und dürfte die Spannungen verschärfen.

Nach dem Bombenanschlag am Mittwoch auf die den Schiiten heilige Moschee in Samarra sind Dutzende Angehörige der sunnitischen Minderheit getötet sowie deren Moscheen angegriffen worden. Zur Eindämmung der anhaltenden Ausschreitungen verlängerte die Regierung das nächtliche Ausgehverbot in den Provinzen Bagdad und Salaheddin. Es gilt nun von 20.00 Uhr bis 06.00 Uhr. Trotz der verschärften Sicherheitsvorkehrungen wurde auch am Donnerstag wieder eine sunnitische Moschee in Baakuba angegriffen. In der Stadt wurden zudem bei einem Bombenanschlag acht irakische Soldaten getötet, wie ein Militärsprecher mitteilte. Mindestens zehn Menschen, unter ihnen auch zivile Bewohner, wurden verletzt. Der Anschlag richtete sich gegen einen irakischen Militärtrupp, der zu Fuß in der 55 Kilometer nordöstlich von Bagdad gelegenen Stadt unterwegs war.

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