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Irak: Gewaltspirale dreht sich weiter

Die Gewaltspirale im Irak dreht sich weiter. Bei Anschlägen auf Polizisten sind am Montagmorgen und in der vorangegangenen Nacht acht Polizisten ums Leben gekommen. In Mossul ist eine Autobombe detoniert.

Ein Polizist wurde am Morgen in Hilla getötet und vier weitere wurden verletzt, als Unbekannte das Feuer auf sie eröffneten, teilte die Polizei 100 Kilometer südlich von Bagdad mit. Die Beamten gehörten zu einer Streife, die eine Lebensmittelausgabestelle sicherte. Bei einem Anschlag in Bagdad waren am späten Sonntagabend sieben Polizisten ums Leben gekommen. Zudem habe es zahlreiche Verletzte gegeben, berichtete der arabische Nachrichtensender Al Jazeera. Die Autobombe sei neben einem Restaurant detoniert, in dem Mitglieder der Sicherheitskräfte zu Abend aßen.

Bei Bakuba eröffneten in der Nacht Unbekannte das Feuer auf eine Polizeistreife. Sieben Beamte wurden mit Verletzungen in das örtliche Krankenhaus gebracht, bestätigten Ärzte in der Stadt 60 Kilometer nördlich von Bagdad. Bei der Explosion einer Autobombe in der nordirakischen Stadt Mossul sind nach Angaben des US-Militärs fünf Zivilisten getötet und mindestens 15 verletzt worden. Ein Armeesprecher sagte am Montag, der Sprengsatz sei bereits am Sonntag detoniert. Das Auto mit der Bombe sei mit einem anderen Fahrzeug auf einer Brücke kollidiert. Bei der anschließenden Explosion seien zahlreiche weitere Autos zerstört worden. Über die Anschlagspläne des Fahrers war zunächst nichts bekannt.

In der irakischen Ortschaft Balad ist die Leiche eines enthaupteten Mannes entdeckt worden. Wie ein Sicherheitsbeamter am Montag im Krankenhaus von Tikrit berichtete, hatte der Mörder die Hände des Mannes vor der Enthauptung zusammengebunden. Das Opfer sei vermutlich türkischer Nationalität, hieß es. Ausweispapiere seien aber nicht bei ihm gefunden worden. Balad liegt rund 60 Kilometer nördlich von Bagdad. In der vergangenen Woche hatte eine Extremistengruppe im Irak die Enthauptung eines türkischen Lastwagenfahrers bekannt gegeben.

Die britische Regierung hat in Zusammenhang mit der möglichen Verlegung von Truppen aus dem Südirak zur Unterstützung der US-Streitkräfte Vorwürfe einer „Wahlhilfe“ für US-Präsident George W. Bush zurückgewiesen. „Wenn hier überhaupt von Wahlen gesprochen wird, dann geht es um die Vorbereitung der Wahlen im Irak“, sagte ein Sprecher von Premierminister Tony Blair am Montag in London.
In London wurde erwartet, dass Verteidigungsminister Geoff Hoon am Nachmittag vor dem Unterhaus bestätigt, dass Washington formell um militärische Unterstützung seiner südlich von Bagdad stationierten Truppen gebeten hat. Nach Medienberichten soll es den US-Streitkräften damit ermöglicht werden, ihre Offensive in der Rebellenhochburg Falluja zu verstärken.

Die US-Armee hat den am Freitag festgenommenen sunnitischen Chef-Unterhändler von Falluja, Khaled al Jumaili, freigelassen. Die Waffenstillstandsgespräche zwischen den Rebellen in Falluja und der irakischen Übergangsregierung seien abgesagt worden, sagte Jumaili dem arabischen TV-nachrichtensender Al Jazeera am Montag. „Wenn sie (die Amerikaner) ihre guten Absichten zeigen wollen, dann müssen sie die Luftangriffe stoppen (…) dies geschah aber nicht.“ Am Sonntag hatten sich US-Truppen mit Unterstützung der Luftwaffe neun Stunden lang Gefechte mit Aufständischen in Falluja geliefert. Die Waffenstillstandsgespräche zwischen Jumaili und der irakischen Übergangsregierung waren vorige Woche ausgesetzt worden, nachdem Regierungschef Iyad Allawi von der Stadt Falluja ultimativ die Auslieferung des Al-Kaida-Verbündeten Abu Mussab al Zarqawi gefordert hatte.

Der italienische Außenminister Franco Frattini hat in Washington einen Drei-Punkte-Plan zum Truppenrückzug aus dem Irak vorgelegt. Voraussetzung für die Rückkehr der 3000 italienischen Soldaten seien die für Anfang 2005 geplanten Wahlen, die Bildung einer legitimen irakischen Regierung sowie die „Präsenz arabischer Länder“ im Irak zur Stabilisierung des Landes. Diese Strategie solle Ende November bei der internationalen Irak-Konferenz in Ägypten beraten werden, berichteten italienische Medien am Montag über die Gespräche Frattinis in Washington.

Der polnische Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz sieht Fehler der von den USA geführten Koalition nach dem Einmarsch im Irak, die zumindest mitverantwortlich für die derzeitige von Gewaltakten gekennzeichnete Situation sind. „Die derzeitigen Aktivitäten von Aufständischen und Terroristen im Irak sind stärker als wir erwartet haben. Das ist zumindest teilweise auf Fehler der Koalition nach dem Einmarsch im Irak zurückzuführen“, sagte Cimoszewicz gegenüber dem Sonntagsmagazin der „New York Times“. Polen wolle nach den für Jänner 2005 geplanten irakischen Wahlen seine dort stationierten rund 2.500 Truppen reduzieren, erklärte der Außenminister. Dies werde jedoch auch von der Lage im Irak abhängen. 70 Prozent der polnischen Bevölkerung lehnten das militärische Engagement im Irak ab, bestätigte Cimoszewicz.

Der damalige Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Irak, General Ricardo Sanchez, hat nach einem Bericht der „Washington Post“ (Montag-Ausgabe) im vergangenen Winter gravierende Nachschubprobleme beklagt. In einem Brief an das Verteidigungsministerium habe Sanchez geschrieben, dadurch sei die Kampffähigkeit der US-Truppen im Irak gefährdet gewesen. Der Brief sei der Zeitung kürzlich zugespielt worden. Ein Pentagon-Sprecher bestätigte Sanchez’ Angaben, betonte aber zugleich, dass die Probleme inzwischen gelöst seien.

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