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Irak: Dutzende Tote und weitere Geiselnahmen

Im Irak hat kein Osterfriede geherrscht. Bei Gefechten zwischen Besatzungssoldaten und Aufständischen gab es Dutzende Tote. Eine Gruppe von sieben Chinesen wurde nahe Falluja entführt.

US-Militärsprecher Mark Kimmitt teilte am Montag mit, dass seit Anfang April im Irak 70 US-Soldaten und 700 Iraker umgekommen sind. Ein Waffenstillstand in der belagerten Rebellenhochburg Falluja hielt aber weitgehend. Zahlreiche ausländische Zivilisten wurden von den Rebellen entführt, um den Abzug der Besatzungstruppen zu erzwingen. Das Schicksal von drei japanischen Geiseln war weiterhin unklar. Zwei deutsche Sicherheitsbeamte kamen bei einem Rebellenangriff um.

Eine Gruppe von sieben Chinesen wurde am Sonntag nahe Falluja entführt, wie die amtliche Pekinger Nachrichtenagentur Xinhua am Montag berichtete. Die Männer im Alter zwischen 18 und 49 Jahren waren von Jordanien aus auf eigene Faust in das Land gereist. Am Samstag hatten Rebellen verkündet, sie hielten 30 Ausländer in ihrer Gewalt.

Ein Regierungssprecher in Tokio dementierte am Montag Berichte, dass die drei japanischen Geiseln in der Nähe von Falluja in Sicherheit seien. Die Entführer hatten die Japaner ursprünglich bis Sonntag umbringen wollen, wenn Tokio seine 550 Soldaten nicht aus dem Land abziehe. Ministerpräsident Junichiro Koizumi wies diese Forderung am Montag erneut vehement zurück.

Nach einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera haben andere Kidnapper am Sonntag acht Ausländer freigelassen: Drei Pakistani, zwei Türken und jeweils eine Person aus Nepal, Indien und den Philippinen. Man habe sich auf Bitten des Komitees Islamischer Geistlicher zu der Freilassung aller ziviler Gefangener entschlossen, erklärte ein Sprecher der Entführer in einer Videobotschaft. Ebenfalls am Sonntag wurde ein am 5. April in Nassiriya verschleppter Brite von seinen Entführern freigelassen, wie das Londoner Außenministerium mitteilte.

Zwei Beamte des deutschen Grenzschutzes wurden nach Angaben des Berliner Außenamts „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ auf dem Weg von der jordanischen Hauptstadt Amman nach Bagdad getötet. Die beiden Männer im Alter von 25 und 38 Jahren waren am Mittwoch in einem Konvoi unterwegs, als ihr Fahrzeug Medienberichten zufolge von Rebellen unter Raketenbeschuss genommen wurde. Ein Reporter der britischen Zeitung „Sunday Telegraph“ will die Leichen der beiden Deutschen gesehen haben.

In der seit fast einer Woche von US-Truppen belagerten Stadt Falluja beruhigte sich die Lage unterdessen. Eine am Sonntag vereinbarte Waffenruhe wurde weitgehend eingehalten. Bei einem Feuergefecht wurden zwei US-Soldaten verletzt und ein Rebelle getötet. Das blieb zunächst der einzige Zwischenfall. In der vergangenen Woche waren in Falluja nach Spitalsangaben 600 Iraker getötet worden. Ein Drittel der 200.000 Bewohner nutzte die Feuerpause zum Verlassen Fallujas. Der Befehlshaber der US-Truppen im Irak, Ricardo Sanchez, räumte im US-Fernsehen ein, ein Bataillon der irakischen Streitkräfte habe sich geweigert, in Falluja zu kämpfen.

Am Karsamstag kamen bei Gefechten nördlich von Bagdad mindestens 40 Iraker um. Allein am Sonntag starben sechs US-Soldaten, drei davon in Falluja und zwei bei einem Hubschrauberabsturz westlich von Bagdad. Ein Soldat erlag seinen Verletzungen bei einem Sprengstoffanschlag vom Samstag in Bagdad.

Mitglieder des irakischen Verwaltungsrats verhandelten indes weiter mit Anhängern des radikalen schiitischen Geistlichen Muktada el Sadr, dessen Miliz die Städte Kerbala, Kufa und Najaf weitgehend kontrolliert. Einer am Montag von der Bagdader Zeitung „El Shira“ veröffentlichten Umfrage zufolge rechnen 41 Prozent der Iraker mit einem Bürgerkrieg in ihrem Land. Eine andere Umfrage signalisierte am Wochenende mehrheitliche Zustimmung der Iraker für die Invasion der USA.

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi besuchte am Karsamstag überraschend die rund 3.000 im südirakischen Nassiriya stationierten italienischen Soldaten. Bei dem Blitzbesuch bekräftigte er seine Entschlossenheit, die Truppen im Irak zu lassen. US-Präsident George W. Bush räumte am Ostersonntag bei einem Truppenbesuch im US-Bundesstaat Texas „eine harte Woche“ im Irak ein.

Der britische Premierminister Tony Blair will Bush nach britischen Medienberichten vom Sonntag bei einem Treffen am Freitag dazu drängen, der UNO im Irak eine wichtigere Rolle zuzugestehen. Der spanische Parlamentspräsident Manuel Marin bekräftigte in einem Fernsehinterview am Montag die Entschlossenheit der neuen sozialistischen Regierung, die 1.300 spanischen Soldaten aus dem Irak abzuziehen, wenn die UNO dort nicht vor dem 30. Juni die Kontrolle übernehme.

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