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Irak droht mit "mesopotamischem Stalingrad"

Der Irak bereitet sich nach Angaben von US-Experten bereits auf einen möglichen militärischen Angriff der USA vor. Irakische Armee seit dem Golfkrieg aber geschwächt.

Rund um Bagdad würden Verteidigungsstellungen für das Militär gegraben, berichtet die „New York Times“ (Montagsausgabe) unter Berufung auf US-Militärexperten und Vertreter des Pentagon. Weiters habe die irakische Armee Luftabwehreinheiten innerhalb des Landes verlegt, um sie weniger angreifbar zu machen. Der Irak setze aber weniger auf eine konventionelle militärische Konfrontation sondern eher auf „bewaffneten Straßenkampf“, um einen Angriff der USA möglicherweise zu verhindern.

„Die Iraker wollen die USA davon überzeugen, dass sie mit einem mesopotamischen Stalingrad rechnen müssen“, erläutert Kenneth M. Pollack, Direktor für nationale Sicherheitsstudien im außenpolitischen Rat und ehemaliger CIA-Analyst gegenüber der „New York Times“. In einer direkten Konfrontation mit der US-Armee habe das irakische Militär keine Chance, dies habe die irakische Führung seit der Operation „Desert Storm“ vermutlich begriffen, meint Pollack. Daher wolle der Irak mit der Option des Straßenkampfs in den Städten den „politischen Preis“ für einen US-Angriff für die US-Regierung möglichst hoch schrauben.

Die irakische Armee sei durch das UNO-Embargo geschwächt und umfasse heute mit 350.000 Mann nur mehr ein Drittel der Stärke zum Zeitpunkt des Beginns des Golfkriegs. Sie setzt sich zusammen aus 17 regulären Armee-Divisionen und sechs Divisionen der Republikanischen Garde, der Elitetruppen von Staatschef Saddam Hussein. Die Hauptstadt werde von Sondertruppen der Republikanischen Garde, die etwa 15.000 Mann umfassen, verteidigt. Drei Divisionen der Garde, Hammurabi, Al Nida und Medina, seien kreisförmig um die Hauptstadt stationiert.

Nach Angaben aus US-Geheimdienstkreisen wurden die regulären irakischen Divisionen aus Angst vor einem Putsch gegen Saddam in einiger Entfernung der Hauptstadt Bagdad stationiert. Dadurch könnten sie auch keinen direkten Beitrag zur Verteidigung des Zentrums leisten. Die Moral der ordentlichen Soldaten ist nach US-Angaben „nicht sehr hoch“: Als der damalige US-Präsident Bill Clinton 1998 Luftangriffe gegen mutmaßliche Stätten von Massenvernichtungswaffen durchführen ließ, seien irakische Soldaten in großer Zahl desertiert.

Die irakische Luftwaffe umfasse laut US-Angaben nur mehr etwa 300 Kampfflugzeuge, die Hälfte der Stärke zur Zeit des Golfkriegs. Einige der Flugzeuge seien damals von irakischen Piloten in den Iran geflogen worden, um sie vor den Luftangriffen zu schützen, und nicht mehr zurückgegeben worden. Der Irak verfüge praktisch über keine Kriegsschiffe und könnte eine militärische Operation der US-Navy im Persischen Golf nicht stoppen. Die Zahl der Scud-Raketen sei unklar, nach Schätzungen könnte der Irak zwischen „einigen wenigen“ bis zu 40 Stück dieser Al-Hussein-Scuds mit einer Reichweite von 390 Meilen (rund 628 km) besitzen. Weiters verfüge der Irak über Al Samoud-Raketen mit einer Reichweite von 90 Meilen (145 km).

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