Irak: Demonstrationen gegen Najaf-Offensive

Tausende Schiiten sind in den irakischen Städten Basra und in Teilen von Bagdad am Donnerstag im Protest gegen die Offensive der US-Streitkräfte in Najaf auf die Straße gegangen.

In Najaf hatten US-Marines und irakische Truppen in der Früh einen militärischen Vorstoß zur Zerschlagung der bewaffneten Anhänger des radikalen Geistlichen Moktada al Sadr begonnen. Aus der Stadt setzte eine Massenflucht ein.

An der Demonstration nahmen auch bewaffnete Milizionäre, Geistliche und Vertreter der örtlichen Behörden teil. „Allawi ist ein Feind Gottes“, riefen Demonstranten in Kadhimiya. In Nassiriya und anderen Schiiten-Hochburgen war es in den vergangenen Tagen auch schon zu Demonstrationen gegen Allawi gekommen.

US-Marineinfantristen und Mitglieder der Mehdi-Miliz lieferten sich am historischen Friedhof von Najaf heftige Gefechte. Dort und bei dem angrenzenden Imam-Ali-Heiligtum hat sich der Schiiten-Prediger Al Sadr mit den meisten seiner Anhänger verschanzt. US-Panzer versperrten am Donnerstag alle Zufahrtstraßen zu dem Schrein, der als eine der heiligsten Stätten der Schiiten gilt. Zwei Panzer und vier Humvee-Geländewagen rückten etwa 500 Meter in Richtung des Heiligtums vor. Das US-Militär griff mit Kampfflugzeugen, Hubschraubern und Artillerie die Stellungen von Al Sadrs Anhängern an, die sich zu hunderten in der Nähe des Friedhofs eingegraben hatten. Sie erwiderten das Feuer mit Werfergranaten.

Bei der US-geführten Offensive gegen radikale Schiiten in Najaf sollen nur irakische Sicherheitskräfte die heiligen Stätten der Stadt betreten. „Wir haben strikte Anweisungen, dass nur Iraker die heiligen Stätten betreten sollen“, sagte ein Sprecher des irakischen Innenministeriums am Donnerstag nach dem Beginn der Offensive. „Wir wollen die Milizen (in dem Heiligtum) entwaffnen, die verhindern, dass normale Besucher die heiligen Stätten betreten können“, sagte der Sprecher. Auch das US-Militär teilte mit, der Schrein gehöre nicht zu den Zielen des Angriffs. Es wurde befürchtet, dass ein Sturm des Heiligtums durch US-Soldaten die schiitische Bevölkerung im gesamten Irak aufbringen könnte.

Der Regierungssprecher nannte die Gefechte eine kritische Machtprobe für die junge irakische Regierung. „Für uns ist das ein kritischer Test in der sehr frühen Phase unserer Regierung“, sagte er. „Er (Al Sadr) nutzt aus, dass unsere Streitkräfte noch nicht fertig ausgebildet sind.“ Diese wollten „diese Sache ein für alle Mal beenden.“ Al Sadr müsse selbst müsse entscheiden, ob er nicht lieber in die Politik des Landes einsteigen wolle. Al Sadr hat seine Anhänger aufgerufen, auch im Falle seines Todes oder seiner Gefangennahme weiter zu kämpfen. Über Lautsprecher teilten die US-Soldaten den Bewohnern der Stadt mit, dass die Offensive begonnen habe. „An die Bewohner von Najaf: Die Streitkräfte der Koalition vertreiben die Mahdi-Armee aus der Stadt“, hieß es auf Arabisch. Augenzeugen zufolge flohen tausende Einwohner aus dem Stadtzentrum.

Etwa 2000 US-Soldaten und 1800 irakische Sicherheitskräfte waren zuletzt um Najaf in Stellung gebracht worden. Die Stadt mit 600.000 Einwohnern liegt rund 160 Kilometer südlich von Bagdad und gehört zu den etwa sieben Orten, in dem der Aufstand der Schiiten – der größten Bevölkerungsgruppe im Irak – aufgeflammt ist. Das US-Militär hatte am Mittwoch angekündigt, den seit einer Woche anhaltenden Aufstand beenden zu wollen. Der Aufstand in Najaf ist der zweite seiner Art in den vergangenen vier Monaten.

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