Irak: Anschläge vor Schiiten-Pilgerfest

Begleitet von Anschlägen sind im Irak am Montag hunderttausende Schiiten zu einer religiösen Feier in die Stadt Kerbala gepilgert. Tausende Sicherheitskräfte haben nach Angaben der Polizei dort Stellung bezogen.

Damit die Gläubigen in ihrer heiligen Stadt vor Übergriffen sunnitischer Extremisten geschützt werden.

Auf der Strecke zwischen der Hauptstadt Bagdad und Kerbala wurden acht Menschen bei der Explosion zweier Autobomben getötet. Beim zuvor letzten großen Schiiten-Fest vor knapp drei Wochen starben in Bagdad mehr als 1.000 Pilger, nachdem Gerüchte über unmittelbar bevorstehende Selbstmordanschläge eine Massenpanik auf einer Brücke über den Tigris ausgelöst hatten.

Mindestens zweieinhalb Millionen Schiiten seien bereits bis Montag früh in Kerbala eingetroffen, sagte der Polizeichef der Stadt, Karim al-Hasnawi. Am Abend wollten die Gläubigen am Euphrat den Geburtstag des von den Schiiten verehrten Imam Mehdi feiern – ein Nachkomme des Propheten Mohammed.

Vor Beginn des Festes wuchs die Sorge vor weiteren Anschlägen. In der vergangenen Woche starben in Bagdad und Umgebung mehr als 250 Menschen, nachdem der Anführer der Extremistenorganisation Al Kaida im Irak, Abu Musab al-Zarqawi, den Schiiten den Krieg erklärt hatte. Vorausgegangen war eine Offensive der irakischen Armee gemeinsam mit US-Truppen in der nordirakischen Stadt Tal Afar. Dort vermuteten die irakische und die US-Regierung eine Hochburg der Extremisten, die die von Schiiten und Kurden geführte Regierung des Irak stürzen wollen.

Am Montag starben bei den Anschlägen in den Städten Mahmoudiya und Latifiya sieben Polizisten und ein Zivilist. Zwei Polizeibeamte seien zudem verletzt worden, teilte die Polizei weiter mit. Es war zunächst nicht klar, ob die Anschläge im Zusammenhang mit dem Schiiten-Fest standen. Bei den Feierlichkeiten Ende August war schon vor der Massenpanik auf die Gläubigen geschossen worden. Sieben Menschen starben. Im März 2004 waren rund 180 Schiiten bei Anschlägen auf religiöse Feiern in Kerbala und Bagdad getötet worden.

Aus Sorge vor Selbstmordanschlägen ist Kerbala bereits seit Freitag für Autos gesperrt. Am Montag blieben die meisten Geschäfte in der Stadt geschlossen, während Bewohner Essen und Getränke an die zumeist zu Fuß gekommenen Pilger verteilten. Die örtliche Polizei warnte jedoch vor dem Verzehr, weil sie fürchtete, Extremisten könnten einige Lebensmittel vergiftet haben. Kerbalas Polizeichef Hasnawi sagte weiters, die Zahl der Pilger sei in diesem Jahr noch deutlich höher als in den Jahren zuvor. „Wir glauben, es könnte sich dabei um einen Ausdruck von Trotz handeln.“

Die Sunniten machen nur rund 20 Prozent der Iraker aus, waren bis zum Sturz Saddam Husseins aber die dominierende Bevölkerungsgruppe. Die Sunniten befürchten, dass die neue Verfassung des Irak ihren Einfluss weiter beschneiden wird. Im Vorfeld des für Mitte Oktober geplanten Referendums über die Verfassung hat die Gewalt im Land zugenommen.

Unterdessen wurde in der südirakischen Stadt Basra ein irakischer Mitarbeiter der „New York Times“ erschossen aufgefunden. Zuvor sei er von maskierten Männern aus seinem Haus verschleppt worden, teilten Angehörige und Ärzte mit. Es ist das zweite Mal binnen zwei Monaten, dass in Basra ein Journalist getötet wurde.

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