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Irak: 50 Männern in Kopf geschossen

Im Nordwesten des Irak haben Bewaffnete offenbar Dutzende Menschen bei einem nächtlichen Angriff getötet. Allen Opfern in dem sunnitischen Viertel wurde in den Kopf geschossen.

Schiitische Polizisten in Zivil haben am Mittwoch in einem Racheakt in einem sunnitischen Viertel der nordirakischen Stadt Tel Afar ein Blutbad angerichtet und rund 50 Männer erschossen. Dies berichteten Medien in Bagdad und Augenzeugen. Die Polizisten, die nicht im Dienst waren, seien von Haus zu Haus gegangen und hätten willkürlich Männer durch Kopfschüsse getötet. Das Massaker in Tel Afar sei eine Antwort auf drei Auto- und Lkw-Bomben in Schiiten-Vierteln gewesen, bei deren Explosion am Vortag 51 Menschen ums Leben gekommen und 183 weitere verletzt worden waren. Die Anschläge wurden sunnitisch-arabischen Extremisten zugeschrieben.

Andere Quellen sprachen von 75 Toten. Die Zahl von mindestens 45 Erschossenen wurde von einem Krankenhausmitarbeiter genannt, das Massaker wurde von ranghohen Polizeikreisen mitgeteilt. Die Polizisten hätten außerhalb ihrer Dienstzeit zu Fuß sunnitische Wohngegenden durchstreift und dabei auf Bewohner und Häuser geschossen. Das Blutbad sei erst gestoppt worden, als Soldaten einschritten und ein Ausgehverbot über die gesamte Stadt verhängt wurde, hieß es weiter. Bis dahin seien die Polizisten zwei Stunden schießend durch die Viertel gelaufen.

Vergeltungsakt für Bombenanschläge

Bei den Toten handle es sich um Männer zwischen 15 und 60 Jahren. Den Polizeikreisen zufolge ging es um einen Vergeltungsakt für zwei LKW-Bombenanschläge am Dienstag, bei dem mindestens 63 Menschen getötet und 150 verletzt wurden. Allen Opfern sei in den Kopf geschossen worden, sagte ein Arzt der Nachrichtenagentur Reuters. Die Leichen läge vor dem Gebäude, weil im Krankenhaus nicht genügend Platz sei. „So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.“ Ein Arzt sagte der Nachrichtenagentur AFP, die 45 Leichen waren an den Händen gefesselt und trugen Augenbinden.

Tal Afar liegt rund 400 Kilometer nordwestlich von Bagdad. Die ethnisch und konfessionell gemischte Stadt 60 Kilometer westlich von Mossul, die von mehr als 200.000 Menschen bewohnt wird, ist mehrheitlich sunnitisch-turkmenisch. In ihr leben aber auch viele Kurden, arabische Sunniten und Schiiten. Nach einer Großoffensive des US-Militärs im September 2005 galt sie eine Zeit lang als eines der wenigen Beispiel für eine gelungene Befriedung im gewalttätigen Irak. Später brachen aber die alten Konflikte zwischen den Gruppen wieder auf.

In den Gebieten an der Grenze zu Syrien kämpft ein Bündnis von Stämmen gegen Einflüsse der Extremistenorganisation Al-Kaida. Der mehrheitlich kurdische Nordirak galt früher als weniger unruhig als andere Teile des Irak. Die Lage hat sich aber auch dort zunehmend verschlechtert.

Weitere Anschläge im Westirak

Bei zwei Bombenanschlägen im westirakischen Falluja wurden am Mittwoch nach Polizeiangaben acht irakische Soldaten getötet. Unbekannte zündeten die Sprengsätze nahe eines irakischen Kontrollpunktes. Kurz darauf seien drei Granaten auf einen nahe gelegenen US-Stützpunkt abgefeuert worden. Bei einem darauf folgenden Schusswechsel seien drei Zivilisten verletzt worden. Vom US-Militär lag zunächst keine Stellungnahme dazu vor.

Die Gewalt im Irak hat in jüngster Zeit zugenommen. In der Hauptstadt Bagdad haben die USA und die irakischen Sicherheitskräfte tausende zusätzliche Soldaten im Einsatz, um der Lage Herr zu werden und ein Abgleiten des Landes in den Bürgerkrieg zu verhindern, während in den USA die Ablehung der Irak-Politik so groß ist wie nie zuvor.

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