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Irak: 400 Todesopfer in einer Woche

Mit mehr als 400 Todesopfern ist im Irak eine besonders blutige Woche zu Ende gegangen. Allein bei dem Doppelanschlag in Tal Afar am Dienstag starben laut Innenministerium 152 Menschen.

Das Attentat ist damit jenes mit der zweithöchsten Opferzahl seit dem Einmarsch der USA in den Irak im März 2003. Insgesamt kamen im März 2078 Iraker gewaltsam ums Leben. Das sind 15 Prozent mehr als im Vormonat, wie das Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte. US-Präsident George W. Bush warnte in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache erneut vor den Folgen eines baldigen Truppenabzugs aus dem Irak. Die Regierung in Bagdad will Araber im Nordirak mit Geld und Land aus den Kurden-Gebieten aussiedeln.

Nach dem gegen Schiiten gerichteten Anschlag in Tal Afar rund 400 Kilometer nördlich von Bagdad war zunächst die Rede von 85 Toten und 200 Verletzten gewesen. Das Innenministerium erhöhte die Zahlen am Samstag auf 152 beziehungsweise 347. Der Bürgermeister der Stadt, Nadjim Abdullah, widersprach den Angaben jedoch. Dem Krankenhaus zufolge gebe es 83 Tote und 191 Verletzte. Die Zahl der Todesopfer könne sich noch auf 110 oder 120 erhöhen.

Der schlimmste Anschlag seit dem US-Einmarsch war der von Sadr City, einem Stadtteil Bagdads. Im November vergangenen Jahres waren in der Schiiten-Hochburg 202 Menschen getötet worden. Nach dem Attentat vom Dienstag kam es in einem Sunniten- Viertel von Tal Afar zu Racheangriffen schiitischer Polizisten in Zivil, bei denen mindestens 45 Sunniten getötet wurden, wie Innenministerium und Bürgermeister übereinstimmend sagten. Zuvor war von 70 Toten die Rede gewesen. Am Samstag kamen laut Sicherheitskräften bei mehreren Anschlägen im Land mindestens 22 Menschen ums Leben. Rund 60 seien verletzt worden. Allein in Sadr City tötete eine Autobombe fünf Menschen, 15 weitere wurden verletzt.

Trotz eines Sicherheitsplans, der Mitte Februar in Kraft trat, um die Gewalt in der irakischen Hauptstadt Bagdad einzudämmen, starben nach Angaben des Verteidigungsministeriums im März 272 Iraker mehr als im Februar. Unter den 2078 Getöteten seien 1869 Zivilisten gewesen. Durchschnittlich seien es täglich 67 Tote gegenüber 64 im Vormonat gewesen. Die Zahl getöter „Terroristen“ sank dagegen laut den Angaben des Ministeriums von 586 auf 481. Wie sich aus Veröffentlichungen des US-Verteidigungsministeriums ergibt, kamen im März auch 85 US-Soldaten und weitere Angehörige der Armee im Irak ums Leben.

US-Präsident George W. Bush sagte in seiner Rundfunkansprache vom Samstag, der von den Demokraten bestimmte Kongress habe Fristen „für die Aufgabe“ und den Rückzug aus dem Irak gesetzt, die „katastrophale Folgen“ für die Sicherheit in den USA haben würden. Der Kongress hatte vor gut einer Woche einen Kriegshaushalt verabschiedet, wonach der Truppenabzug im Irak bis September 2008 abgeschlossen sein soll. Der Senat verabschiedete vergangene Woche einen Haushalt, der für den Abzug eine Frist bis April kommenden Jahres setzt.

Die schiitisch dominierte irakische Regierung will Araber, die aus der von den Kurden beanspruchten erdölreichen Provinz Kirkuk im Nordirak wegziehen wollen, materiell entschädigen. Einen diesbezüglichen Beschluss fasste das Kabinett bereits Ende der Woche, verlautete am Sonntag aus Regierungskreisen in Bagdad. Die umstrittene Entscheidung könnte nach Ansicht von Beobachtern das Rücktrittsgesuch von Justizminister Hashim al-Shibli ausgelöst haben. Der sunnitische Politiker bestätigte dies nicht ausdrücklich, sondern erklärte am Samstag lediglich, dass er sich mit „gewissen Tendenzen in der Regierung“ nicht mehr identifizieren könne.

Das von Schiiten und Kurden getragene Kabinett unter Ministerpräsident Nuri al-Maliki beschloss demnach, dass umzugswillige Araber aus der Provinz Kirkuk 20 Millionen Dinar (12.000 Euro) und ein Stück Land erhalten. Den Plänen zufolge soll bis Ende des Jahres in einem Referendum darüber entschieden werden, ob die Provinz Kirkuk der kurdischen Autonomie-Region im Nordirak angeschlossen werden soll. Die Volksabstimmung ist auch in der im Oktober 2005 gebilligten neuen irakischen Verfassung vorgesehen.

Die Kurden begründen ihren Anspruch auf Kirkuk damit, dass diese Provinz mehrheitlich kurdisch gewesen war, bis unter der Diktatur von Saddam Hussein Zehntausende Angehörige dieser Volksgruppe von dort vertrieben und Araber aus dem mittleren und südlichen Irak an ihrer Stelle dort angesiedelt worden waren. Vor allem die sunnitischen Araber und die turkmenische Volksgruppe im Nordirak lehnen die Eingliederung des ölreichen Kirkuks unter direkte kurdische Kontrolle heftig ab. Viele, nicht nur die Türkei, sehen darin einen weiteren Schritt der nordirakischen Kurden auf dem Weg zu einem unabhängigen Staat.

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