Irak: 17 Tote bei Anschlägen

Bei einer Serie von Anschlägen auf sunnitische und schiitische Gläubige während der Freitagsgebete sind im Irak erneut mindestens 17 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden.

Die Anschläge richteten sich gegen vier sunnitische Moscheen im Großraum von Bagdad sowie ein schiitisches Gotteshaus in der nordirakischen Stadt Sinjar.

In Bagdad wurde außerdem ein sunnitischer Geistlicher entführt, wie der Leiter der für sunnitische Moscheen und Heiligtümer zuständigen Behörde, Ahmed Abdul Gafur al-Samaraie, sagte. In einer Predigt forderte er die Regierung auf, die schiitischen Milizen aufzulösen, die für viele Bluttaten gegen Sunniten verantwortlich gemacht werden. Seit dem Sturz Saddam Husseins im April 2003 seien 181 sunnitische Imame getötet worden, so Samaraie.

Ministerpräsident Nuri al-Maliki will nach eigenem Bekunden die Milizen allmählich auflösen und die Kämpfer in die regulären Sicherheitskräfte integrieren. Konkrete Vorschläge dazu enthielt sein kürzlich vorgestellter nationaler Versöhnungsplan allerdings nicht.

Irakische Soldaten nahmen am Freitag nach einem heftigen Schusswechsel einen militanten Führer der Schiiten gefangen. Bei dem Gefecht im Bagdader Elendsviertel Sadr City seien neun „feindliche Kämpfer“ getötet und 34 verwundet worden, verlautete aus Behördenkreisen. Die Schießerei begann nach US-Angaben, als die zur Verhaftung des Verdächtigen anrückenden irakischen Soldaten unter Feuer genommen worden seien. Der Verdächtige habe mehrere militante Zellen in Bagdad geleitet, die die Koalitionsstreitkräfte mit Autobomben und am Straßenrand versteckten Sprengsätzen angegriffen hätten.

Auch nahe der südirakischen Stadt Hilla wurde US-Angaben zufolge in einer gemeinsamen US-irakischen Militäraktion ein Regionalkommandant einer schiitischen Miliz gefangen genommen.

Die japanische Armee zog die ersten 38 von rund 600 Soldaten aus Samawa im irakischen Süden ab, wie aus dem Militär verlautete. Nach japanischen Medienberichten wurden die Soldaten nach Kuwait verlegt.

Ein wegen Vergewaltigung und mehrfachen Mordes an irakischen Zivilisten angeklagter früherer US-Soldat plädierte indes auf nicht schuldig. Der 21-jährige Steven Green erschien am Donnerstag (Ortszeit) vor einem Gericht in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky. Er wird beschuldigt, Mitte März eine 25 Jahre alte Irakerin vergewaltigt und erschossen sowie drei Mitglieder ihrer Familie getötet zu haben. Der Vorfall ereignete sich nahe Mahmudiya rund 30 Kilometer südlich von Bagdad. Im Falle eines Schuldspruchs droht Green die Todesstrafe.

US-Präsident George W. Bush sagte am Donnerstagabend (Ortszeit) im US-Nachrichtensender CNN, man werde mit den Vorwürfen „sehr transparent und offen“ umgehen. Wenn die Vorwürfe gegen den 21-Jährigen zuträfen, handle es sich um „ein abscheuliches Verbrechen“. Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat vor dem Hintergrund des Falles angekündigt, die geltende Immunität ausländischer Soldaten in seinem Land überprüfen zu wollen.

Bei der US-Armee laufen bereits mehrere Ermittlungsverfahren gegen Soldaten, die Zivilisten oder Häftlinge getötet haben sollen. Allein im Juni wurden mindestens zehn Soldaten in zwei Fällen des Mordes an unschuldigen Zivilisten angeklagt.

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