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Indische Sicherheitskräfte stürmen jüdisches Zentrum in Bombay

Auch am zweiten Tag nach der Anschlagswelle mit mindestens 125 Toten in Bombay halten sich noch immer Terroristen mit einer nicht bekannten Zahl von Geiseln in der indischen Millionenmetropole verschanzt.

Indische Sicherheitskräfte begannen am Freitagmorgen mit der Erstürmung eines von den Terroristen besetzten jüdischen Zentrums. Bilder des indischen Fernsehens zeigten, wie Soldaten sich von Hubschraubern auf das Dach des Nariman-Gebäudes abseilten. Auch in dem Luxushotel “Oberoi Trident” sollen sich nach Berichten indischer Medien noch Terroristen mit bis zu 35 Geiseln verschanzt halten. Dagegen hätten Sicherheitskräfte die im “Taj Mahal”-Hotel gefangen gehaltenen Gäste befreit.

Insgesamt hatten die Terroristen am Mittwochabend mindestens zehn Ziele in Bombay mit Schnellfeuergewehren und Handgranaten angegriffen. Unter den 130 Todesopfern ist auch mindestens ein Deutscher. Über 320 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, darunter 22 Ausländer. Zu den Anschlägen hatte sich die bisher nicht in Erscheinung getretene muslimische Gruppe “Deccan Mujaheddin” bekannt.

Am frühen Freitagmorgen berichteten indische Medien von Explosionen und Schüssen rund um das von den Terroristen besetzte jüdische Zentrum im Nariman-Gebäude im Süden der Stadt. Terroristen hätten Handgranaten auf Sicherheitskräfte geworfen, die sich dem Gebäude genähert hätten, hieß es. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums werden in dem ultraorthodoxen Chabad-Lubawitsch-Zentrum zwischen zehn und zwanzig Israelis festgehalten, darunter der Rabbiner und seine Frau. Am Morgen begannen indische Spezialeinheiten, in das Gebäude vorzudringen. Aus Hubschraubern seilten sich Soldaten auf das Dach ab. Auch vom Boden aus rückten Soldaten auf das Gebäude vor.

Nach Berichten des Sender NDTV konnten Sicherheitskräfte die Terroristen aus dem “Taj Mahal” vertreiben. Lediglich ein verletzter Angreifer habe sich dort noch verschanzt, alle Hotelgäste seien aber in Sicherheit gebracht worden. Im “Oberoi Trident” hielten sich dem Bericht zufolge aber weiterhin rund 100 Menschen auf, von denen 35 in der Gewalt zweier Terroristen sein sollen. Nach Berichten des Senders CNN-IBN hätten die Terroristen nach der Erstürmung der Hotels regelrechte Kommandozentren in den Gebäuden eingerichtet.

Am Donnerstag nahm die Polizei nach Medienberichten in einem der belagerten Hotels drei mutmaßliche Terroristen fest. Darunter sei ein Pakistaner, berichtete die indische Nachrichtenagentur PTI am Abend. Die Männer sollen der in Pakistan ansässigen Rebellengruppe Lashkar e Toiba angehören, die die Unabhängigkeit Kaschmirs fordert.

Indiens Erzrivale Pakistan hat unterdessen die beispiellose Anschlagserie in Bombay verurteilt. Die indische Regierung hatte am Donnerstag ausländische Terrorgruppen für die Gewalt in der Finanzmetropole verantwortlich gemacht. Indien werde entschlossen dagegen vorgehen, wenn in Nachbarländern Angriffe vorbereitet würden, sagte der indische Ministerpräsident Manmohan Singh. Mit der Bezeichnung “Nachbarn” ist in der Regel Pakistan gemeint. Beobachter fürchteten, dass die Spannungen zwischen den beiden Atommächten nun wieder zunehmen.

Sollten keine angemessenen Maßnahmen ergriffen werden, um Angriffe in Indien zu unterbinden, werde dies seine Folgen haben, sagte der indische Regierungschef weiter. Pakistan sicherte daraufhin seine volle Unterstützung zu. In der Vergangenheit hat Indien mehrfach Pakistan vorgeworfen, in Indien agierende islamistische Extremisten unterstützt zu haben.

Zahl der Todesopfer nach Terrorserie stieg auf mindestens 130

Nach den Terrorangriffen von Bombay stieg die Zahl der Todesopfer laut Polizei auf mindestens 130. Dies teilte Bombays Polizeichef Hassan Gafoor am Freitagmorgen mit. Die Einsätze an den beiden Hotels und dem Jüdischen Zentrum dauerten jedoch noch an und die Opferzahl könne weiter steigen, fügte er hinzu. Mindestens neun Ausländer sind unter den Opfern. Bei den offenbar koordinierten Attacken hatten mehrere kleine Kampfgruppen am Mittwochabend die beiden Hotels, den Bahnhof, ein Krankenhaus, ein Restaurant und mehrere weitere Ziele der Millionenstadt angegriffen.

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