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Indien und Pakistan auf Friedenskurs

Sie lächelten sich an und reichten einander die Hand. Noch vor Kurzem wären solch freundlichen Gesten zwischen indischen und dem pakistanischen Präsidenten undenkbar gewesen.

Das erste Gespräch der beiden Spitzenpolitiker seit zweieinhalb Jahren am Montag in Islamabad brachte keinen Durchbruch, aber das war auch nie erwartet worden. Das gut einstündige Treffen an sich wurde bereits als Sensation gewertet. Noch vor zwei Jahren standen die beiden zutiefst verfeindeten Atommächte kurz vor einem neuen Krieg.

Doch seit dem Frühjahr entspannen sich die Beziehungen. Vajpayee ist nun erstmals seit fünf Jahren im Nachbarland. Um den seltenen Besuch nicht zu düpieren, montierten die Gastgeber an der Autobahn vom Flughafen in die Stadt sogar das Modell einer einheimischen Atomrakete ab. Nach drei Kriegen, zahllosen Scharmützeln und etlichen Toten sollen die Zeichen nun auf Frieden stehen. Die ganze Welt, vor allem aber Südasien, könnte aufatmen, sollte es wirklich dazu kommen.

So ist die Erleichterung über das Tauwetter bei dem bis Dienstag andauernden Gipfel der Südasiatischen Vereinigung für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) in Islamabad denn auch mit Händen zu greifen. Die Präsidentin Sri Lankas, Chandrika Kumaratunga, sagte an die Adresse der Erzrivalen: „Unsere Gebete und guten Wünsche werden in diesem historischen Moment in den indisch-pakistanischen Beziehungen mit ihnen sein.“ Dass SAARC seit der Gründung vor 18 Jahren so gut wie nichts erreicht hat, während Bündnisse wie die EU oder die südostasiatische ASEAN gewaltige Schritte zurücklegten, liegt maßgeblich am Dauerkonflikt der beiden größten Mitgliedstaaten.

Dabei hätte die Region Fortschritt bitter nötig. In Südasien, das rund ein Fünftel der Weltbevölkerung stellt, lebt nach Schätzungen die Hälfte aller armen Menschen weltweit. Indien und Pakistan finanzieren überdimensionierte Armeen, während in den beiden Ländern nicht mal jeder Zweite lesen und schreiben kann. „Unsere religiösen, sprachlichen, ethnischen und kulturellen Bindungen sind dauerhafter als die relativ neuen Barrieren politischer Vorurteile, die wir errichtet haben“, sagte Vajpayee nun beim Gipfel. „Wir sollten diese Bindungen erneuern, um Armut, Krankheiten und Hunger zu überwinden.“

Optimismus greift schon jetzt um sich. Musharraf sagte am Rande des Gipfels voraus: „Die Vergangenheit gehörte Europa, die Gegenwart Amerika, und die Zukunft wird Asien gehören.“ Vajpayee hat bereits die Vision von einer südasiatischen Wirtschaftsunion mit einheitlicher Währung. Bis das allerdings Wirklichkeit werden könnte, müssen Indien und Pakistan noch einen weiten Weg zurücklegen. Beim zentralen Konfliktthema, dem von beiden Ländern beanspruchten Kaschmir, ist trotz aller Entspannungsbemühungen noch längst keine Lösung in Sicht.

Doch Vajpayee und Musharraf haben spätestens mit ihrem Treffen deutlich gemacht, dass sie den eingeschlagenen Friedenskurs halten wollen. Beide beweisen Mut, nicht zuletzt deshalb, weil ihr bisher letzter Gipfel im August 2001 kläglich scheiterte. Vajpayees hindunationalistische Partei BJP muss sich in diesem Jahr außerdem Wahlen stellen, und Hindu-Hardlinern ist jede Aussöhnung mit Pakistan ein Dorn im Auge. Für Musharraf schließlich geht es nicht nur ums politische Überleben: Mutmaßliche muslimische Extremisten, für die in Sachen Kaschmir nichts verhandelbar ist, verübten im Dezember innerhalb weniger Tage zwei Attentate auf ihn.

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