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Indien: Unbekannte Gruppe bekennt sich

Einen Tag nach der Anschlagsserie in Neu Delhi mit über 60 Toten hat sich eine bisher unbekannte Gruppe zu den drei Bombenattentaten bekannt.   | Extremisten bekennen sich | Schwere Anschläge in Indien

Die Gruppe, die sich Inquilab (Revolution) nannte, meldete sich am Sonntag bei mehreren Journalisten in der Sommerhauptstadt Srinagar des indischen Teils von Kaschmir. Der Sprecher der Organisation, Ahmed Yar Gaznavi, sagte den Reportern, die Gruppe wolle „Anschläge dieser Art“ so lange fortsetzen, bis Indien seine Soldaten aus Kaschmir abziehe und „seine unmenschlichen Aktivitäten“ dort stoppe.

Die Fernsehsender berichteten, Inquilab sei eine Splittergruppe der militanten pro-pakistanischen Organisation Lashkar-e-Taiba. Ein Polizeisprecher sagte dagegen, der Polizei sei eine solche Gruppe nicht bekannt. In der zwischen Pakistan und Indien umstrittenen Grenzregion Kaschmir kämpfen seit 1989 rund ein dutzend Rebellenorganisationen gegen die indischen Truppen.

Unterdessen nahm die Polizei mehr als 20 Verdächtige fest. Die Behörden riefen den Notstand aus und schlossen alle Märkte in der Stadt. Die drei Explosionen auf zwei belebten Märkten und vor einem Bus kosteten mindestens 61 Menschen das Leben, 188 weitere wurden teilweise schwer verletzt.

Die Polizei erklärte am Sonntag, sie suche nach einem Mann, der in einem Bus keine Fahrkarte bezahlt und beim Aussteigen eine schwarze Tasche zurückgelassen habe. Der Busfahrer und ein Kontrolleur untersuchten die Tasche und warfen sie aus dem Bus, kurz bevor sie explodierte. Beide wurden verletzt. Die Behörden setzten eine Belohnung von 100.000 Rupien (1.800 Euro) für Hinweise auf die Täter aus.

Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh berief eine Sondersitzung des Kabinetts ein. Die Bomben sollten kurz vor den Festtagen Unruhe in der Bevölkerung stiften, erklärte Singh im Fernsehen. Die Täter würden damit jedoch keinen Erfolg haben. Indien werde den Terrorismus entschlossen bekämpfen.

Die erste Explosion erschütterte am frühen Samstagabend (Ortszeit) einen belebten Markt in der Innenstadt von Neu Delhi, als viele Menschen für das Hindu-Fest Diwali in der kommenden Woche einkauften. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers kamen 18 Menschen ums Leben, 60 wurden nach Polizeiangaben verletzt. Wenige Minuten später ereignete sich eine zweite Explosion in der Nähe eines Marktes im südlich gelegenen Viertel Sarojini Nagar. Hier wurden mindestens 43 Menschen getötet, wie Innenminister Shivraj Patil erklärte. Die dritte Detonation traf den Bus im Stadtteil Govindpuri, neun Menschen wurden verletzt.

Unabhängige Terrorexperten hatten nach den Anschlägen erklärt, die Art der Anschläge deute auf die in Pakistan ansässige muslimische Organisation Lashkar-e-Taiba hin, die in Kaschmir kämpft. Aus Polizeikreisen verlautete, derzeit werde untersucht, ob die Täter den Sprengstoff RDX einsetzten, den auch einige Gruppen in Kaschmir verwendeten.

Die Europäische Union verurteilte die Anschlagsserie in Neu Delhi. „Ich bin entsetzt über diese scheußlichen Angriffe auf unschuldige Zivilpersonen“, erklärte der außenpolitische EU-Repräsentant Javier Solana in Brüssel. Nichts könne solchen Terrorismus rechtfertigen, und die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice versicherte, man stehe im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite Indiens. Der chinesische Präsident Hu Jintao verurteilte in einem Telegramm „Terrorismus in jeder Form“. Auch die noch amtierende deutscheBundesregierung hat am Sonntag die Bombenanschläge scharf verurteilt.

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