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In Szene gesetzt

©Darko Todorovíc
Keine aufgedrückten Stempel, jedoch individuelle Zitate finden sich in einem Einfamilienhaus in Schwarzach. Authentisch und unkonventionell rückt das Beleben der Räume in den Vordergrund, das Wohnen selbst wird zelebriert.
In Szene gesetzt

Prägnant puristisch hebt sich die olivgraue Kubatur mit der grobkörnigen Fassade vom umliegenden Baubestand des Hanges ab. Klare geometrische Grundformen, Flachdach sowie eine reduzierte Materialpalette verleihen dem Haus eine asketische Schlichtheit. Das Zurücktreten rein ästhetischer Gestaltungsprinzipien hinter den die Form bestimmenden Verwendungszweck, definiert das äußere Erscheinungsbild. Ganz nach dem Leitsatz „Die Funktion bestimmt die Form“, entwickelte sich das Haus von innen nach außen. „Ich wollte mit meiner Familie keine leere Gebäudehülle bewohnen, sondern zuerst das Innere mit allen Sinnen beleben und das Wohnen selbst zelebrieren“, so Bauherr Marco Spitzar. Konkrete Vorstellungen zum Raumprogramm gab es bereits: Ein gemeinsamer Arbeitsraum, eine für alle zugängliche Bibliothek, eine Küche mit Kaffeehauscharakter sowie eine zentrale Feuerstelle im Wohnbereich mit Blickbeziehung zum Wasser. Für diese Bauaufgabe war es daher besonders wichtig, einen Projektpartner zu finden, der sich mit offenen Augen und Ohren den gestalterischen und technischen Anforderungen stellte. Die Architekten Christian Albrecht und Timo Bereiter haben sich dem Vorhaben beherzt angenommen. Über ein Jahr dauerte der intensive Planungsprozess. Dazu wurden in regelmäßigen Treffen – meistens Freitagnachmittag mit „open end“ – Entwürfe besprochen, Ideen weiterverwoben und nach geeigneten Lösungen gesucht. „Marco hat oft eigene Zeichnungen oder Collagen mitgenommen, die bestimmte Vorstellungen zu einzelnen Räumen veranschaulicht haben. Diese Stimmungen und Ideen haben wir versucht, gemeinsam baulich umzusetzen“, erinnert sich Timo Bereiter.

Die Mühe hat sich gelohnt. So dezent sich das Haus von außen gibt, umso komplexer präsentiert sich das Gebäude im Inneren. Auf drei terrassenartig angeordneten Ebenen erstreckt sich ein für die Familie maßgeschneidertes Setting mit fließend wechselnden Kulissen. Allen gemein ist die Inszenierung des Alltäglichen, das „in Szene setzen“ von scheinbar Banalem. Oft sind es kleine Zitate in Form von Aussparungen und Nischen, selten große Gesten.

Die einzelnen Raumsequenzen werden durch verschiedene Materialisierungen thematisiert und gruppieren sich um die zentrale Erschließung im Inneren. Sowohl Treppen als auch Gänge sind in diesem Bereich aus geschliffenem Beton und ziehen sich wie ein graues Band durch das komplette Gebäude. Im Wohnbereich weitet sich sogar der dunkle Bodenbelag zungenartig bis zur skulpturalen Feuerstelle aus. Letztere ist auf allen vier Seiten geöffnet und ebenfalls aus Beton. Für warme Akzente fernab des Kaminfeuers sorgen Eichendielen sowie Einbaumöbel und die mit Leder bespannten Innenwände. Eine abgehängte Holzlamellendecke verschafft eine angenehme Akustik. Der vom Bauherrn gewünschte Kaffeehauscharakter wurde samt Tisch und Bank geschickt in einer Nische in der Küchenzeile verwirklicht. So auch die Bibliothek, die in Form eines über alle drei Geschoße verlaufenden Bücherregals gleichsam das Rückgrat des Hauses bildet.

Der Arbeitsbereich der Familie befindet sich im Untergeschoß und beherbergt Büro und Atelier. Durch einen separaten Zugang von außen, respektive auch durch die innere Erschließung, werden die Funktionen Wohnen und Arbeiten räumlich getrennt. Ebenso kennzeichnet die Materialisierung in dieser Etage einen Bruch: Der sichtbare Beton der Wände und Decken gibt sich roh und unverblümt, der Rahmenabdruck jedes einzelnen Schalungselements ist deutlich erkennbar. Um Raum und Kunstwerke zu beleuchten, wurden die Lichtschienen für die Strahler bereits während des Betoniervorgangs in die Decke eingelegt. Der dunkle Teppichboden wirkt schallbrechend und verhindert so ein Nachhallen im Raum. Somit kann in Ruhe gearbeitet werden.

Die Mühe und die vielen Arbeitsstunden haben sich gelohnt: Durch aktives Zuhören und Offenheit gegenüber der Bauaufgabe sowie durch gegenseitiges Vertrauen aller Beteiligten, konnte ein auf die Familie zugeschnittenes Refugium geschaffen werden. Das Haus überzeugt vor allem durch die Organisation der Raumsequenzen und die Liebe zum Detail.

Daten & Fakten

Objekt Wohnhaus Fink – Spitzar, Schwarzach
Bauherr Judith Fink, Marco Spitzar
Architektur Albrecht-Bereiter-Architekten, Dornbirn, www.albrecht-bereiter.com
Statik Erich Huster, Bregenz, Lauterach; Licht: Bernhard Burtscher, Raggal; Geotechnik: Geomac, Andelsbuch
Planung 9/2012–8/2013
Ausführung 9/2013–9/2014
Grundstücksgröße 821 m²
Wohnnutzfläche 228 m²
Keller 89 m²
Bauweise Massivbau gedämmt und verputzt; Stahlbetondecken; Flachdach; Garage: Stahlbeton, Heizung: Erdwärme
Besonderheiten Mit Leder bespannte Innenwände, vierseitig offene Feuerstelle; hoher Anteil an Einbaumöbeln
Ausführung Baumeister: Oberhauser & Schedler, Andelsbuch; Fenster: Böhler, Wolfurt; Spengler: Mathis, Altach; Verputz: Helmut Kalb, Dornbirn; Pool: Soltech, Lustenau; Möblierung: Lenz Nenning, Dornbirn; Böden: Peter Greussing, Bezau; Heizung/Lüftung: Walter Fink, Schwarzach; Elektro: Ludwig Metzler, Wolfurt; Betonböden: Lerbscher, Hard; Ofenbau: Müller, Ludesch; Metallbau: Glasteam Kilmitzer, Dornbirn

Leben & Wohnen – Immobilienbeilage der VN

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
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