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„In den ersten sieben Jahren hatte ich keinen Türsteher“

"Ike" ist Geschäftsführer vom Mr. Johns.
"Ike" ist Geschäftsführer vom Mr. Johns. ©MiK
Mr. Johns Szene-Gastronom Ilker „Ike“ Sönmez im W&W Sonntags-Talk über Promis in der Bar, Nightlife und Erfolg.

WANN & WO: Was machst du heute an Silvester?

Ilker Sönmez: Wir haben geöffnet, bis der letzte Gast nach Hause geht. Danach sitze ich mit meinen Mitarbeitern zusammen, wir öffnen ein paar Flaschen und feiern nach getaner Arbeit unser eigenes Fest. Das ist als Gastronom nun mal so. Wir arbeiten, wenn andere feiern!

WANN & WO: 23 Jahre Mr. Johns in Dornbirn – was hat sich seither verändert?

Ilker Sönmez: Betrieblich eigentlich alles, bis auf die Bar ganz hinten. Die ist immer noch genau gleich wie vor 23 Jahren. Wir gehen mit der Zeit! Früher hatte man eine Bar fünf bis maximal zehn Jahre. Wenn ein Lokal einmal im Stillstand ist, dann bist du weg vom Fenster. Es ist alles so schnelllebig geworden, deshalb muss man agieren und sich laufend verändern, um am Puls der Zeit zu bleiben.

WANN & WO: Was ist dein persönliches Erfolgsrezept?

Ilker Sönmez: Ich kenne die ganzen Stärken und Schwächen meines Lokals, die versuche ich laufend auszumerzen. Man muss langfristig denken. Es ist wichtig, dass man nicht die wesentlichen Dinge verändert, sondern die Dinge wesentlich anders macht.

WANN & WO: Musstest du dich Anfangs beweisen?

Ilker Sönmez: Die anderen Gastronomen haben angeblich, als ich den Betrieb eröffnete, auf mich gewettet, wie lange ich es schaffe, mit meinem Lokal zu überleben. Das hat mich lange Zeit aufgeregt, aber jeder weitere Tag im Mr. Johns macht mich stolz.

WANN & WO: Bei dir gibt es Heineken aus dem Zapfhahn. Warum verkaufst du kein Vorarlberger Bier?

Ilker Sönmez: Am Anfang habe ich Fohrenburger ausgeschenkt, dann sind wir auf Mohrenbräu umgestiegen. Die Diskussion über Fohrenburger bzw. Mohrenbräu wird es in Vorarl­berg immer geben. Ich dachte mir, ach scheiß drauf. Eigentlich wollte ich einfach nur Bier verkaufen, die Diskussion war mir zu blöd. Seither verkaufe ich Heineken vom Fass. Privat trinke ich Corona aus der Flasche, denn ich bin ein typisches Flaschenkind (lacht).

WANN & WO: Dein Lokal bot das kälteste Heineken Europas an?

Ilker Sönmez: Früher definitiv, ja. Als das Bier noch relativ neu war, gab es für diejenigen, die das kälteste Heineken anboten, eine Reise nach Schweden zu gewinnen – mit der ganzen Crew. Unser Zapfhahn war umgeben von Eis und hatte einen speziellen Kühler eingebaut. Damit hatten wir das kälteste Bier Europas und sind mit dem ganzen Team nach Schweden ins Eishotel gereist.

WANN & WO: Wolltest du immer schon Gastronom werden?

Ilker Sönmez: Nein, aber ich wollte unbedingt selbstständig sein. Das war mein persönliches Ziel. Ich bin ein Hotel- und Restaurant-Mensch. Nach meiner Ausbildung an der Gastwirtfachschule bin ich da irgendwie immer wieder hineingerutscht – egal ob ich bei einem Freund in der Bar ausgeholfen habe, oder aber in einer Aprés Ski-Bar auf Saison gearbeitet habe. Eines Tages hatte ich dann die Idee: Ich eröffnete die erste Erlebnisgastronomie in Vorarlberg. So entstand das Tex-Mex – ein Restaurant mit Bar. Das gibt es allerdings schon 14 Jahre nicht mehr. Die Zeiten haben sich geändert.

WANN & WO: Wie entstand daraus die heutige Bar, die alle kennen?

Ilker Sönmez: Der Drang zur Bar war irgendwann so stark, dass wir etwas verändern mussten. Also haben wir alles umgebaut und uns den Gegebenheiten angepasst. Es kommen jedoch nach wie vor Gäste zu uns vorbei und fragen mich: „Wo ist der Mexikaner hin?“. Im zweiten Stock ein Restaurant zu führen ist sehr schwierig. Im Erdgeschoss zieht es dich einfach rein, im Keller zieht es dich automatisch die Treppe hinunter, aber in den ersten Stock musst du rauf laufen und in den zweiten auch.

WANN & WO: Wo bist du als Jugendlicher weggegangen?

Ilker Sönmez: Als Gastronom bist du überall. Wir waren öfters im Sternen beim Achrain, aber auch im Innauer. Nach der Arbeit will man noch irgendwo ein Bier trinken.

WANN & WO: Wie lässt sich dein Job mit Familie vereinbaren?

Ilker Sönmez: Ich bin jetzt zum zweiten Mal verheiratet und habe zwei wundervolle Mädels zuhause. Unsere Zwillinge sind erst acht Jahre alt, doch jetzt nehme ich mir auch die Zeit dafür. Meine Frau hat mich zum Glück in meinen „schlimmen Jahren“ kennengelernt. Zwanzig Stunden am Tag zu arbeiten ist hart, heute habe ich dafür Mitarbeiter. Die Party muss schließlich immer weitergehen!

WANN & WO: Welche ist die skurr­ilste Story, die es aus deinem Lokal zu erzählen gibt?

Ilker Sönmez: Ich habe das Gefühl, dass jedes Wochenende etwas Skurriles bei uns passiert (lacht). Es gibt natürlich positive und negative Geschichten. Was mich besonders schockiert hat, war Folgendes: Dass Männer Mal irgendwo in eine Ecke pinkeln ist nichts besonders. Wenn du allerdings eine junge Frau dabei erwischst, die gerade beim Hintereingang in die Hocke geht, dann weißt du erst einmal nicht wie dir geschieht. Aber wozu aufregen, ich habe ihr dann einen Wischmopp in die Hand gedrückt.

WANN & WO: Man munkelt im Ländle, dass man im Mr. Johns hin und wieder einem Promi über den Weg läuft?

Ilker Sönmez: Tatsächlich haben sich hier schon Berühmtheiten feiern lassen. Da wären etwa Christian Klien, Bushido, DJ Ötzi oder Stefan Raab. Oft kommen diese nach ihren Auftritten zu mir ins Lokal, doch die meisten trinken gemütlich ein paar Bier und wollen ihre Ruhe haben.

WANN & WO: Hat sich die Jugend in Vorarlberg im Vergleich zu damals verändert?

Ilker Sönmez: Ja klar! In den ersten sieben Jahre hatte ich nicht einmal einen Türsteher. Wenn es Stress gab, konnte ich das selbst regeln. Mit dem Jugendschutzgesetz musste ich aber einen einstellen. Die Leute sind viel aggressiver geworden – am Wochenende brauche ich drei Türsteher. Das ist brutal! Aber es wird den Jugendlichen durch Musikvideos, Computerspiele usw. auch so vorgelebt.

WANN & WO: Das Mr. Johns ist beim „Ist Lotta da?“-Projekt aktiv dabei. Hat sich auch hier etwas verändert?

Ilker Sönmez: Das Projekt ist wirklich toll und auch in Vorarlberg unbedingt notwendig. In meinem Lokal war das allerdings immer schon so: Die Frauen müssen sich hier wohlfühlen können, das ist verdammt wichtig. Mein Personal ist extra geschult. Die merken sofort, wenn in unserer Bar etwas passiert. Natürlich kann sich auch jeder an meine Leute wenden. Verhält sich ein Typ nicht korrekt, wird er mein Lokal nicht mehr von innen sehen.

Wordrap

Mr. Johns: Mein Leben.
Familie: Ganz wichtig.
Dornbirn: Super Standort.
Vorarlberg: Muss unbedingt wachsen.
Lieblingsgetränk: Corona – aber als Gastronom trinkt man alles!

Zur Person

Name: Ilker „Ike“ Sönmez
Geboren: 10. September 1970 in Feldkirch
Wohnt in: Altach
Hobbys: Zeit mit seiner Frau und seinen Zwillingen verbringen

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