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In den deutschen Milchstreit kommt Bewegung

In den Streit um die Milchpreise in Deutschland kommt nach tagelangen Protesten zunehmend Bewegung. Nach Lidl erwägt auch Rewe, die Preise anzuheben.

Andere Lebensmittelhändler und Diskonter darunter auch Branchenriese Aldi signalisierten Verhandlungsbereitschaft. Der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) und der Milchindustrie-Verband (MIV) wollten sich noch am Donnerstag zu einem neuem Gespräch treffen. Unterdessen protestierten deutschlandweit wieder Hunderte Bauern. Der BDM hat für den Nachmittag zu einer Großkundgebung in Berlin aufgerufen und der Bauernverband zu einem “Nationalen Milch-Aktionstag”.

Sollten sich tatsächlich neue Preise auf dem Milchmarkt bilden, werde sich auch die Rewe Gruppe marktkonform verhalten, erklärte Rewe-Sprecher Wolfram Schmuck am Donnerstag. Der Diskonter Lidl hatte am Mittwoch angekündigt, den Verkaufspreis je Liter Milch um 10 Cent und für Butter je 250-Gramm-Päckchen um 20 Cent zu erhöhen. Gültig werden soll die Preiserhöhung ab kommenden Montag.

Der Diskonter Aldi Süd erklärte sich zu neuen Verhandlungen bereit. Die Unternehmensgruppe wolle auf die Forderungen der Milchbauern und deren Verbände nach kurzfristigen Neuverhandlungen eingehen. Dabei orientiere sich der Konzern an den aktuell im Markt diskutierten Erzeugerpreisen.

Eine Sprecherin von Tengelmann erklärte, “wir beobachten das aktuelle Marktgeschehen und sind bereit für weitere Gespräche”. Das weitere Handeln werde sich “am Marktgeschehen orientieren”. Auch bei dem zu Tengelmann gehörenden Diskonter Plus sagte eine Sprecherin, “wir passen uns der Marktsituation an”. Grundsätzlich zu Gesprächen bereiterklärte sich Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka. “Wir werden uns am Markt orientieren und auch an marktwirtschaftlichen Prinzipien wie Angebot und Nachfrage”, sagte Sprecher Gernot Kasel.

Der BDM begrüßte die angekündigte Preiserhöhung von Lidl: “Das war ein wahnsinnig großes Signal, wir sind guter Hoffnung, dass auch viele andere folgen werden”, sagte ein Sprecher. Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, sagte im ZDF-Morgenmagazin, von Anbietern im Einzelhandel gebe es vielversprechende Signale. Nur der Marktführer halte sich bedeckt: “Wir haben von Aldi noch keine Signale.”

BDM-Vorstandsmitglied Martin Kugler merkte im NDR jedoch an, die Erhöhung der Verbraucherpreise um 10 Cent je Liter Milch reiche nicht aus, damit die Bauern auf die 43 Cent kämen, die sie von den Molkereien fordern. Die Bauern erhalten derzeit nach eigenen Angaben maximal 35 Cent je Liter Milch von den Molkereien.

Rund eine Woche seit Beginn des Milchlieferstopps wollten sich BDM und MIV noch am Donnerstag zu neuen Gesprächen zusammentreffen. Über Ort und Zeit sei jedoch Stillschweigen vereinbart worden, sagten beide Verbände. Am Mittwoch hatte auch die erste Molkerei dem anhaltenden Protest der Bauern nachgegeben. Die genossenschaftlichen Milchwerke Berchtesgadener Land – Chiemgau beschlossen zum 1. Juni eine Anhebung des Milchpreises auf 43 Cent je Kilo. Ein solches Vorgehen müsse jede Molkerei für sich selbst entscheiden, sagte MIV-Sprecher Michael Brandl. Solange der Einzelhandel jedoch nicht mitziehe, gehe ein solches Vorgehen nur zulasten der Molkereien, betonte er.

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