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Im Haischtall

Dass es im Mai so kalt sein kann, dass die Hände rauh werden und es am Riedbergsattel grad mal fünf Grad hat, sodass ich die Heizung im Auto aufdrehen musste, als ich mich auf der Rückfahrt vom Kleinen Walsertal befand, dessen Ureinwohner – man trifft die sonst gut versteckten „Önscher und Önscherinnen“ am ehesten in der Zwischensaison von Mitte März bis Mitte Mai – mich und noch gut 50 ZuhörerInnen am Vorabend einen sowohl literarisch, sprachlich, musikalisch und räumlich hervorragenden Walser Mundartabend in Mittelberg im „Haischtall“ fast am Ende des Tales, wo die Straße in einer Sackgasse mündet, erleben ließen, haben mir die Eisheiligen beschert.

Diesen verschachtelten Langsatz schreibe ich, weil er den verschlungenen Weg hin und zurück symbolisiert, also Form und Inhalt zugleich ist. Beim Rückweg von der alten Krone in Mittelberg nach Dornbirn wurde ich bei Fischen wegen Bauarbeiten an der Brücke gestoppt. Das trug mir und meiner angebissenen Butterbrezel am Vordersitz zwei ungewollte Umrundungen Obermaiselsteins ein. Leben heißt die richtige Umfahrung finden.

Das kalte Maiwetter und die Kälte der täglichen Nachrichten bilden Grund genug nachzusehen, was es mit den fünf Eisigen auf sich hat. Ich glaubte bisher, dass es nur drei sind. Nicht gerade ersprießliche Geschichten. Remember. Mamertus aus Lyon konnte Feuersbrünste stoppen, der Volk sagt: „Mamerz hat ein kaltes Herz“. Pankratius, „der alles Besiegende“ aus der Türkei, Servatius, der von einem Holzschuh Erschlagene aus Belgien, Bonifatius, der in siedendem Pech Hingerichtete aus Rom: „Pankrazi, Servazi und Bonifazi, sind drei frostige Bazi“, sagt der Volk, „und zum Schluss fehlt nie, die Kalte Sophie!“ Die Legende der jungfräulichen Märtyrerin Sophia von Rom lässt uns wissen: „Pflanze nie vor der Kalten Sophie!“ Drei Wochen danach kommt dann noch die Schafskälte. Halloo! Der 11. Juni soll ursprünglich das Datum für die Schafschur gewesen sein. Hm. Forget? Der Volk hält am Bauernkalender fest. Er ist nicht so absurd und unlogisch wie die Durchbohrung des Zanzenbergs durch die städtischen SchildbürgerInnen. Ich bin bereits dreimal beim Grünen Baum in die gesperrte Straße hineingefahren. Ärger. 7 Millionen, um in hundert Jahren ein paar Fischbächler zu retten. Forget. Aber sowas lässt sich nicht vergessen.

„Forget remember forget. Die Einen sagen, man muss vergessen können, die Andern sagen, man muss sich erinnern können. Frau Schwendinger sagt: Forget. Where is my hat?“ My head erinnert sich an die begabte 16-jährige Slammerin Ines Strohmaier im Haischtall ebenso gut wie an die „Wildbächle“-Variationen zum 100. Geburtstag des Walsers Wilhelm Fritz.

Ulrich Gabriel
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