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"Ich werde zum Dhaulagiri zurückkehren"

Wien - Die oberösterreichische Alpinistin Gerlinde Kaltenbrunner bereitet sich derzeit auf ihre bevorstehende Expedition auf den 8.611 Meter hohen K2 im Karakorum-Gebirge vor.

Am 13. Juni bricht die 36-Jährige gemeinsam mit Ehemann Ralf Dujmovits und einem Kamera-Team Richtung Pakistan auf. Im Gespräch mit der APA sprach sie über die K2-Reise, darüber wie sie das Lawinenunglück am Dhaulagiri in Nepal, bei dem zwei spanische Kletterkollegen starben und Kaltenbrunner knapp mit dem Leben davon kam, verarbeitet hat und über neue Pläne.

APA: Frau Kaltenbrunner, wie gut haben Sie sich erholen können von den Strapazen und Erlebnissen am Dhaulagiri?
Kaltenbrunner: Ich merke, dass es mir wieder ganz gut geht. Körperlich hat mir sowieso nichts gefehlt, da war ich eigentlich eh nicht angeschlagen. Vom Kopf her merke ich, dass es jetzt besser wird, dass ich Abstand kriege. Jetzt geht es ja bald los zum K2, ich schaue nach vorn und versuche das Geschehen am Dhaulagiri hinter mir zu lassen.

APA: Haben Sie schon mal was ähnlich Dramatisches erlebt wie am Dhaulagiri?
Kaltenbrunner: Nein, so noch nie. Ich war schon ein paar Mal unmittelbar dabei, wenn jemand abgestürzt ist. Dass ich selber so drin stecke und nur ganz knapp raus komme, war jetzt zum ersten Mal.

APA: Es muss doch sehr schwer sein, zwei Bergkameraden wie die beiden Spanier am Dhaulagiri tot zurücklassen zu müssen?
Kaltenbrunner: Das kann man nicht beschreiben. Das sind wirklich sehr, sehr schwere Momente. Man will das am Anfang gar nicht wahrhaben. Das ist natürlich tragisch, obwohl wir ja alle wissen, dass so etwas passieren kann. Aber wenn es dann tatsächlich geschieht, ist es sehr schwer.

APA: Verändert einen solch ein Erlebnis als Bergsteiger?
Kaltenbrunner: Die Beziehung zu den Bergen verändert es nicht. Es ist mir aber wieder bewusst geworden, wie wunderschön, aber auch wie mächtig die Natur ist. Die Leidenschaft zum Bergsteigen ist nach wie vor ganz intensiv da. Wie ich weggegangen bin vom Dhaulagiri, habe ich mir schon gedacht, das war jetzt ein sehr negatives Erlebnis, aber irgendwann werde ich sicher wieder zu ihm zurückkehren.

APA: Geht man die Dinge am Berg nun anders an, wird man vorsichtiger?
Kaltenbrunner: Ich bin vorher schon sehr vorsichtig gewesen und werde es auch weiterhin sein. Die Lawine am Dhaulagiri habe ich wirklich nicht voraussehen können. Ich habe nicht fahrlässig gehandelt, sondern habe an dem Punkt mein Zelt aufgestellt, wo jeder Bergsteiger sein Zelt hinstellt, weil dies der sicherste Platz ist. Ich werde weiterhin sehr vorsichtig sein, ich weiß aber, dass trotzdem immer ein Restrisiko bleiben wird.

APA: Der Südtiroler Extrem-Bergsteiger Hans Kammerlander hat zu seinem 50. Geburtstag gesagt: „Von den Extrembergsteigern, die sich auf höchstem Niveau bewegen, wird nur rund die Hälfte 50 Jahre alt, das ist eine erschreckende Zahl.“ Ist man sich der Gefahren am Berg immer bewusst oder verdrängt man solche Tatsachen?
Kaltenbrunner: Es ist mir schon bewusst, dass immer Gefahr da ist, wenn man auf einen Achttausender geht. Wenn ich aber am Berg bin, blende ich das schon völlig aus und konzentriere mich auf das, was dort in dem Moment ist. Das heißt nicht, dass ich unvorsichtig bin, sondern hochkonzentriert.

APA: Was ist Ihre Motivation beim Bergsteigen, dass Sie Ihr Leben so riskieren?
Kaltenbrunner: Das hat man einfach in sich. Das ist für mich mein Leben, das war es von Anfang an. Als Kind schon haben mich die Berge fasziniert, und das ist immer intensiver geworden. Ich lebe das schon die längste Zeit und glaube, dass ich das wirklich bis an mein Ende machen werde. Es gibt so viele Momente, die dann alles andere vergessen lassen. Es ist nicht nur der Berg als solches faszinierend, sondern auch der Aufstieg, also die Herausforderungen, die Schwierigkeiten, die man zu bewältigen hat. Das alles zusammen erfüllt mich einfach und für das lebe ich. APA: Nach all den Erlebnissen am Dhaulagiri: Wie schwer belastet Sie das hinsichtlich der K2-Expedition?
Kaltenbrunner: Ich glaube, dass ich das Erlebte bis zum Abflug zum K2 wirklich hinter mir lassen kann. Ich möchte das vorher abschließen und versuche, mich beim K2 wirklich nur auf den Berg zu konzentrieren.

APA: Der K2 gilt als schwierigster Berg der Welt? Was macht ihn so anspruchsvoll?
Kaltenbrunner: Allein die Höhe von 8.611 Metern ist schon enorm. Ohne künstlichen Sauerstoff ist der Berg sehr schwierig zu besteigen. Dann ist der K2 vom Technischen her sehr anspruchsvoll. Das ist steile Kletterei bis zum Gipfel rauf. Dann kommt noch hinzu, dass er vom Wetter her sehr anfällig ist. Im Karakorum wechselt die Witterung sehr schnell, es kann innerhalb einer Stunde arg schlechtes Wetter einbrechen. Da muss man enorm aufpassen.

APA: Die K2-Reise wird ja etwas ganz Besonderes, nicht nur des Berges wegen, sondern auch weil Sie zusammen mit ihren Mann Ralf und einem Kamera-Team unterwegs sind?
Kaltenbrunner: Genau, es ist für mich das erste Mal, dass ein Kamera-Team mit dabei ist. Die zwei Kameraleute sind sehr gute Bergsteiger, mit einem davon waren wir auch schon ein paar Mal auf Expedition. Es sind also gute Freunde, das war für mich Grundvoraussetzung, dass ich mich darauf einlasse.

APA: Was für ein Film soll das werden?
Kaltenbrunner: Geplant ist ein Kinofilm. Es geht um den K2 und auch um die nächsten Achttausender. Der K2 ist jetzt einmal der Anfang. Mal sehen, was daraus wird.

APA: Wie schaut der Aufstieg am K2 aus?
Kaltenbrunner: Zunächst werden wir uns an einem anderen Berg akklimatisieren. Am K2 haben wir dann nicht die Normalroute geplant, sondern die Cesen-Route links vom Abruzzi-Grat. Das ist sehr steil, aber von der objektiven Gefahr her womöglich sicherer wie der Normalweg. Wir werden auf dem Weg zum Gipfel sicher drei Mal biwakieren müssen. Ich denke schon, dass es sehr schwer wird, aber ich hoffe, dass es gut geht.

APA: Wie groß ist das Zeitfenster am K2?
Kaltenbrunner: Von Anfang Juni bis Mitte August ist die beste Zeit. Wir hoffen, dass wir es bis Anfang August geschafft haben, denn den Rückflug haben wir für 7. August geplant. Das lässt sich aber auch verschieben. Es hängt halt sehr stark von den Verhältnissen am Berg ab.

APA: Medial wird ja doch ein wenig aufgebauscht, welche Frau als Erste alle 14 Achttausender schafft. Interessiert Sie das oder lässt Sie das kalt?
Kaltenbrunner: Ich halte das total fern von mir, weil ich da einfach keinen Wettkampf sehe. Es wird von den Medien aber immer wieder so dargestellt. Zum Beispiel hat die Italienerin Nives Meroi ja jetzt auch ihren neunten Achttausender-Hauptgipfel bestiegen. Sie hat wie ich neun Haupt- und einen Achttausender-Vorgipfel geschafft. Da wird dann aber geschrieben, sie hat jetzt zehn Achttausender bestiegen. Das ärgert mich nicht, aber ich finde es einfach schade, dass nicht richtig darüber berichtet wird. Das geht dann halt auch nicht einfach so an mir vorbei, und ich denke mir, soll ich da jetzt was sagen? Aber eigentlich ist es ja völlig wurscht, denn ich möchte mich auf mein Bergsteigen konzentrieren.

APA: Ist für dieses Jahr, also nach der Expedition zum K2, noch was geplant?
Kaltenbrunner: Vorerst gilt für mich nur der K2. Aber im Hinterkopf haben wir schon noch was. Aber allerdings erst im Dezember, Jänner. Ich möchte gerne eine Winterbesteigung des Makalu (8.463 Meter hoher Berg in Nepal, Anm.) versuchen. Ich habe ja den Berg schon bestiegen im Jahr 2001. Das ist einer der wenigen Achttausender, der noch keine Winterbesteigung hat. Schauen wir mal, ob wir das vielleicht schaffen.

Kaltenbrunner gab Fischer bei Besuch Wander

Tipps für Bergwanderungen und Glückwünsche für die nächste Alpintour standen im Mittelpunkt des Besuchs von Alpinistin Gerlinde Kaltenbrunner bei Bundespräsident Heinz Fischer. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Ralf Dujmovits traf die 36-jährige Oberösterreicherin am Mittwochvormittag in der Präsidentschaftskanzlei in Wien ein. Geplaudert wurde vor allem über die bevorstehende Tour auf den K2, den zweithöchsten Berg der Welt (8.611 Meter).

Vor knapp einem Monat wurde Kaltenbrunner beim Besteigen des Dhaulagiri in Nepal von einer Lawine verschüttet. Während die 36-Jährige sich selbst aus den Schneemassen befreien konnte, starben zwei ihrer Begleiter aus Spanien. Im Gespräch mit dem Bundespräsidenten widmete sich die Alpinistin vor allem ihren Zukunftsplänen: Gemeinsam mit Ehemann Dujmovits und einem Kamerateam bricht die Oberösterreicherin kommenden Mittwoch ins Karakorum-Gebirge zum K2 auf.

Mit auf den Weg gab Fischer der Bergsteigerin einen kleinen Buddha-Talisman, der Kaltenbrunner auf der langen Tour „viel Glück“ bringen soll, so ein Mitarbeiter der Präsidentschaftskanzlei. Der Bundespräsident holte sich außerdem Insider-Tipps fürs Bergwandern, dem er in seiner Freizeit sehr intensiv nachgehe.

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