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"Ich war hier lange eine schräge Nudel"

Schwarzach - Martin Gruber leitet sein Aktionstheater seit bald 20 Jahren. Kompromisse ist er schon als junger Absolvent der Schauspielschule nicht eingegangen.

Nachdem er feststellte, dass das, was sich auf den Bühnen so abspielt, „zu anachronistisch“ war, machte er sich kurzerhand selbstständig. 1989 hat er sein Aktionstheater in Dornbirn gegründet, ein Jahr später gab es bereits eine Dependance in Wien. Die wilde Truppe, die sich etwa üppiger antiker Stoffe annahm, sie aber dann sehr reduziert und mit wenig Personal auf die Bühne brachte, stieß nicht nur auf Gegenliebe. Der Sohn der Mundartdichterin Anna Gruber galt selbst in seinem familiären Umfeld lange Zeit als „schräge Nudel“. Nur der Mutter war der Weg rasch klar, den ihr Sohn beschritt.

Heute lacht Martin Gruber darüber. Jahr für Jahr wurden zwei oder mehr Produktionen umgesetzt, die Bregenzer Festspiele wurden auf ihn aufmerksam und engagierten ihn als Regisseur ebenso wie die Wiener Volksoper oder das Volkstheater.

Absorbieren ließ er sich von den großen Theaterinstitutionen nicht. „Die Sachverhalte und Texte immer wieder zu hinterfragen, ist das, was mich interessiert“, erläutert er seine Arbeitsweise. „Eine gewisse Nachhaltigkeit ist mir wichtig und die Persönlichkeit eines Schauspielers. Wo gibt es Abgründe, wo entfernt man sich von einer Attitüde, das sind die Fragen, die ich mir stelle.“ Als Regisseur und Theaterleiter arbeitet Martin Gruber gerne mit einem Ensemble, das längere Zeit unverändert bleibt. Die künstlerische und die soziale Kompetenz sind ihm wichtig, wenn er Schauspieler aussucht oder anwirbt. „Man kann nicht mit Leuten Theater machen, die man nicht mag.“

Aktionstheaterproduktionen haben immer eine außergewöhnliche Ästhetik, sind aber auch immer von einer intensiven Auseinandersetzung mit Sprache und einer Weiterentwicklung gekennzeichnet.

Grubers Experimentierwillen ging so weit, dass er einmal mit einer ganzen Blasmusikgruppe arbeitete.

Die österreichische Kulturpolitik ebnet Theatergruppen, auch wenn sie so bekannt sind wie das Aktionstheater, nicht unbedingt den Weg. Das Aufgeben war auch schon angedacht, doch letztlich blieb der Künstler bei seinem Grundsatz, seiner „persönlichen Realität gerecht zu werden“. Und er hat Mitstreiter. Darunter sind so namhafte Autoren wie Franzobel oder Gert Jonke.

Die neue Produktion des Aktionstheaters, „Die Cenci“, hatte gestern Abend im Bregenzer Festspielhaus Premiere und wird heute, 20 Uhr, erneut aufgeführt.

ZUR PERSON

  • Beruf: Regisseur
  • Geboren: 10. 6. 1967 in Bregenz, aufgewachsen in Dornbirn
  • Laufbahn: Gründung des Aktionstheaters im Jahr 1989, ein Jahr später mit Dependance in Wien, Regieaufträge am Volkstheater und an der Volksoper Wien, bei den Bregenzer Festspielen, an den Städtischen Bühnen Augsburg, beim Kurt- Weill-Festival in Dessau
  • Ausbildung: Schauspielschule
  • Wohnort: Dornbirn und Wien
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