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„Ich liebe es einfach, meine Grenzen voll auszuloten“

©Sams
Katharina Liensberger ist eines der heißesten Eisen im alpinen Skisport. Die Göfnerin über Erfolge und warum es mit dem Snowboarden nicht klappte.

Von Lisa Purin

WANN & WO: Wie hast du den Sommer verbracht?

Katharina Liensberger: Die Vorbereitung im Sommer in Ushuaia (Argentinien) fanden heuer bei sehr guten Schneebedingungen statt. Auch die anschließenden Trainingseinheiten in Saas Fee und auf den österreichischen Gletschern konnten wir bei viel Schnee absolvieren. Konditionell bereitete ich mich abwechslungsweise im Olympiazentrum Dornbirn und in Wien, während meiner gleichzeitig stattfindenden Zollausbildung, vor.

WANN & WO: Was erwartest du dir von der weiteren Saison?

Katharina Liensberger: Im ersten Schritt möchte ich natürlich an die letztjährige Saison anknüpfen. Wenn ich dieses Fundament erreicht habe, hoffe ich, mich stetig steigern zu können.

WANN & WO: Seit du drei Jahre alt bist, stehst du auf Skiern. War das Snowboardfahren nie ein Thema?

Katharina Liensberger: Ich hatte als Kleinkind mal ein Snowboard – allerdings nur für ganz wenige Versuche. Denn irgendwie ist es mir abhanden gekommen, Vielleicht musste das so sein. Somit war klar, dass ich bei den Skiern bleiben würde.

WANN & WO: Was macht für dich die Faszination am Skisport aus?

Katharina Liensberger: Es ist sicherlich der Spaß und die Begeisterung, jeden Tag etwas Neues zu erleben. So hat man viel Abwechslung im Alltag. Auch die Freude, in der Natur zu sein, macht es für mich aus. Ich liebe es einfach, meine Grenzen voll auszuloten.

WANN & WO: Wie emotional bist du auf der Piste? Gibt es hinter den Kulissen auch mal Auseinandersetz­ungen?

Katharina Liensberger: Wenn etwas nicht passt, schlage ich schon mal einen fordernden Ton an. Die eine oder andere Unstimmigkeit auf der Piste gibt es natürlich – Gott sei Dank! Denn eine konstruktive Kritik ist sehr wertvoll, um schlussendlich Fortschritte zu machen. Nur so kann ernsthaft, offen und faktisch diskutiert werden.

WANN & WO: Wie bewertest du die Missbrauchsaffäre im ÖSV?

Katharina Liensberger: Ich selbst kenne solche Fälle glücklicherweise absolut gar nicht. Was in der Vergangenheit war, gehört aus meiner Sicht aufgearbeitet – nur so kann Heilung passieren. Generell ist das Thema Gewalt eine riesige gesellschaftliche Herausforderung und beginnt bereits im Kleinkindalter, wo jeder gefordert ist, für einen achtsamen und respektvollen Umgang zu sorgen.

WANN & WO: Warum hast du dich nach deiner bestandenen Matura für eine Ausbildung beim Finanzamt entschieden?

Katharina Liensberger: Eine Herausforderung in der Schule und gleichzeitige Herausforderung im Sport war für mich immer eine gute Kombination. Beim Bundesministerium für Finanzen habe ich, in einem speziellen Rahmen als Spitzensportlerin, die Möglichkeit, die Zollausbildung zu absolvieren. Speziell im Frühjahr bedeutet dies neben meiner konditionellen Vorbereitung, eine andere und weitere Herausforderung sowie Abwechslung und finanzielle Absicherung.

WANN & WO: Was macht die Liebe? Bist du vergeben?

Katharina Liensberger: Mein Herz schlägt für den Skirennsport. Vielleicht bin ich ja ins Skifahren verliebt!

WANN & WO: Welches war dein bisher schwierigstes Rennen?

Katharina Liensberger: Jedes Rennen ist speziell und hat für mich persönlich eine einzigartige Story. Wenn ich an den letzten Slalom im Weltcup vor Olympia Pyeongchang in der Lenzerheide denke, da war die Anspannung schon extrem groß. Oder mein Debütrennen im Weltcup in der Flachau – als ich mit hoher Startnummer vor lauter Schneeflocken nur noch weiß gesehen habe – das hat sich wie ein „wilder Ritt“ angefühlt. Auch der diesjährige Saisonautakt in Sölden auf schwierigem Hang war nicht einfach.

WANN & WO: Für viele ist Sport ein Ausgleich zum Beruf. Wie kannst du abschalten?

Katharina Liensberger: Um meine Gedanken frei zu bekommen, spiele ich sehr gerne auf der Harfe. Seit ich klein war, zählte das Harfenspiel zu meinen Hobbys. Wann immer ich die Möglichkeit und Zeit habe, freue mich auf diesen tollen Augleich – leider allzu selten.

WANN & WO: Wie hältst du es mit Après-Ski?

Katharina Liensberger: Das kommt alles zu seiner Zeit (lacht).

WANN & WO: Im Sommer warst du in der Formel-1-Box von Red Bull. Kennst du Max Verstappen und Daniel Ricciardo persönlich?

Katharina Liensberger: Der Besuch in der Boxengasse von Red Bull war ein Riesen-Highlight für mich. Man steht inmitten eines hochmodernen Labors und der Bolide, also das Fahrzeug, vor dem man steht, erinnert eher an einen Düsenjet, als an ein Rennauto. Die extremen Bremspunkte der Piloten und der Speed, mit dem sie den Kurs bewältigen, sind atemberaubend! Einfach großartig, das Ganze einmal live erleben zu dürfen. Ganz kurz durfte ich Max Verstappen und Daniel Ricciardo sehen – für mehr blieb aber leider keine Zeit.

WANN & WO: Was bedeutet für dich Olympia?

Katharina Liensberger: Es ist ein großes Ereignis und unglaublich cool, wenn man dabei sein darf. Speziell die vielen verschiedenen Nationen, die mitmachen und der Spaß an der Sache stehen im Vordergrund. Außerdem ist es spannend, sich mit den anderen Athleten auszutauschen – der Olympia-Flair hat einfach was.

Wordrap

Skifahren: Liebe ich.

Weltcup: Motiviert mich.

Vorarlberg: Ist meine Heimat.

Blog/Social Media: Kann man mich finden.

Musik: Spiele und höre ich gerne, da kann ich zwischendurch immer wieder mal abschalten.

Freizeit: Macht Spaß! #metoo: Bewegt.

Sommer: Bedeutet Vorbereitung und Kraft tanken für die neue Saison.

Winter: Skifahren, Schnee – meine Lieblingsjahreszeit.

(Red.)

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