"Ich bin so gern ein Nackedei"

©VMH/Andreas Uher
Fußach/Hard - Oben ohne oder ganz Adam und Eva. Hüllenloses Baden in Vorarlberg.
Hüllenloses Baden in Vorarlberg

Elmar Luger kennt sich aus. Auf über 30 Jahre nudistische Vergangenheit blickt der Dornbirner zurück. Sein zweites Wohnzimmer mit blauem Himmel und Sonne als Decke hat er im FKK in Fußach/Hard. „Ich finds einfach nur schön. Wir sind hier eine große Familie. Und die saubersten Menschen.“ Gerne gesellt sich „Puma“, wie Luger genannt wird, zu Elmar, Dolores, Fredy, Vreni und Jack. Auch sie sind alles andere als eine Zielgruppe der Bademode-Industrie. Sie scherzen und plauschen, trinken Kaffee und faulenzen. So wie Gott sie schuf. „Eine Vorarlberger Arbeitskollegin hat mich auf das FKK in Fußach aufmerksam gemacht. Ich war vorher eigentlich kein Nacktbader. Doch als ich zum ersten Mal herkam, wussten meine Partnerin und ich sofort: Hierher kommen wir öfter“, erzählt der Sarganser Fredy.

Die Atmosphäre

Susanna und Emanuel, beide 42, kommen seit drei Jahren ins FKK. „Bei meinem ersten Besuch war ich schon noch etwas schüchtern. Doch jetzt? Es gibt doch nichts Natürlicherers“, verrät Susanna unter zustimmendem Nicken ihres Freundes. An einer der drei Grillstellen brutzeln sich Bruno und Martina ihre Fleischspieße. „Diese Atmosphäre“, schwelgt Martina, „ist einfach einmalig. Du hast Gesellschaft oder ziehst dich zurück. Was immer du willst. Man kennt sich hier und schätzt sich.“ Der gekleidete Bademeister Thomas Hartmann hört das und gibt ein breites Grinsen frei. „Reinlichere Gäste mit mehr Disziplin kannst du dir gar nicht vorstellen. Für einen Bademeister gibt es keinen lockereren Job als diesen hier.“

Ein bisschen nackt

Zumindest ein bisschen nackter als die Badeordnung erlaubt – das gönnen sich viele Damen in öffentlichen Freibädern. Der Kompromiss heißt oben ohne. Freilich nicht immer ohne Widerstand. „Es kann schon vorkommen, dass sich andere Badegäste darüber aufregen. Aber dann verweise ich die Damen halt an den Spitz der Liegewiese. Dort stört es dann niemanden“, berichtet Günter Gschliefner, Betriebsleiter beim Strandbad in Hard. Was ihm auffällt: „Klagen über Oben-ohne-Baderinnen kommen fast ausschließlich von anderen Frauen. Ich denke, dass da schon etwas Neid im Spiel ist. Denn jene, über die geklagt wird, sind meistens sehr attraktiv“, schmunzelt Gschliefner. Genauso sieht das auch Kollege Ewald Jartschitsch im Parkbad Lustenau. Der sich in diesem Zusammenhang an eine lustige Episode erinnert. „Früher kamen gerne Tabledancerinnen vom Sporthotel zu uns. Die sind dann auf der Mauer direkt beim großen Schwimmbecken gesessen. Oben ohne. Da hagelte es Proteste. Natürlich nur von anderen Frauen.“

Kaum Anzeigen

Anzeigen wegen unsittlichem Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit gibt es freilich selten. „Wir kommen auf nicht einmal eine Anzeige jährlich“, berichtet Klaus Marent von der Seepolizei Hard. Was beim Baden erlaubt ist und vor allem was nicht, regelt das Vorarlberger Sittenpolizeigesetz, das den Gemeinden große Kompetenzen einräumt. Gehandhabt wird das Gesetz sehr tolerant. Und das in einem Land, das noch Mitte der 60er-Jahre wegen sittlicher Unbotmäßigkeit den damals populären Twist-Tanz verbot . . .

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