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Ibiza-Drahtzieher packt aus: So einfach war es Strache reinzulegen

©YouTube
Der Organisator des Ibiza-Vidos meldet sich erstmals per Interview zu Wort.

Im "Standard" beteuert der in Deutschland inhaftierte Julian H., dass für das Video kein Geld geflossen sei und beklagt "konstruierte" Vorwürfe. Den Versuch, das Video zu verkaufen, bestätigt er aber. Außerdem will er die Hofburg vorab über die Veröffentlichung informiert haben. Dort wird aber dementiert. Bestätigt wird nur ein Mail mit "vagen Andeutungen", das man routinemäßig ad acta gelegt habe.

Der Sicherheitsberater Julian H. sitzt in Deutschland in Auslieferungshaft. Die österreichische Justiz ermittelt gegen ihn wegen Drogenhandels und Erpressung. Die Vorwürfe bezeichnet H. im Interview als "konstruiert" und verweist darauf, dass ein guter Teil der Überwachungsmaßnahmen vom Oberlandesgericht Wien aufgehoben wurde.

Wie es zu der Idee kam

Die Idee, den damaligen FP-Chef Heinz-Christian Strache mit verdeckten Aufnahmen aufs Eis zu führen, kam Julian H. nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Anwalt Ramin M. im Sommer 2016. Erste Versuche seien aber "amateurhaft" gewesen. Daher sei die Idee entstanden, über den Strache-Vertrauten Johann Gudenus und mit Hilfe einer falschen Oligarchennichte Zugang zum FP-Chef zu suchen.

Das Treffen in der mittlerweile berühmten Villa auf Ibiza empfand der Privatdetektiv nach eigenen Angaben zuerst als Fehlschlag: "Es war mehr das Gefühl von Misserfolg, weil es meine Ambition gewesen war, von Strache ein direktes 'Ich will das, dafür mache ich das' zu bekommen." Erstaunt habe ihn allerdings, wie unglaublich einfach es gewesen sei, Strache im Sommer 2017 in die Finca zu locken. Zumal Gudenus nach Angaben des Detektivs schon zuvor vor einer drohenden Videofalle gewarnt worden sei - und zwar aus dem Umfeld von VP-Chef Sebastian Kurz, dessen Partei wohl über einen Journalisten von den Plänen erfahren habe.

"Absurde Verschwörungstheorien"

Letzteres dementieren sowohl Gudenus selbst als auch die ÖVP. "Das sind absurde Verschwörungstheorien eines mutmaßlichen Kriminellen", heißt es dazu aus der ÖVP-Zentrale. "Ich wurde natürlich nie und von niemandem konkret vor dieser Videofalle gewarnt", versichert Gudenus gegenüber der APA. Allerdings habe es im Vorfeld der Nationalratswahl 2017 "ein eigenartiges Klima und Gerüchte" gegeben, "die an Strache und mich herangetragen wurden, dass diverse Fallen a la Silberstein gestellt werden könnten". Im Fall von Julian H. habe er dies aber ausgeschlossen, bedauert Gudenus. Auch beim Treffen selbst habe es keine Bedenken gegeben.

Gudenus "zu Tränen gerührt"

"Ansonsten bin ich zu Tränen gerührt", kommentiert Gudenus die Interviews mit H. und fügt ironisch hinzu: "Die Glaubwürdigkeit von diesem armen Hascherl bestreitet sicher niemand." Inhaltlich will der ehemalige Freiheitliche Spitzenpolitiker die Aussagen nicht weiter kommentieren, "da ich meine Infos von Anfang an mit den Ermittlungsbehörden geteilt habe".

Bestätigt wird von Julian H., dass der Anwalt Ramin M. versucht habe, das Ibiza-Video im Wahlkampf 2017 zu verkaufen - allerdings ohne Erfolg. Ziel sei gewesen, den von M. vertretenen Leibwächter Straches finanziell abzusichern, der bereits seit 2015 versucht habe, belastendes Material über den FP-Chef an den Mann zu bringen. Aus seinen Beständen stammen auch die Aufnahmen von Sporttaschen mit mutmaßlich aus Osteuropa stammendem Bargeld in Straches Auto. "Das Video wurde nicht verkauft", versichert H.

H. kontaktierte Van der Bellen

Bisher nicht bekannt war, dass H. im Vorfeld der Veröffentlichung des Videos die Präsidentschaftskanzlei kontaktiert hat. Die Präsidentschaftskanzlei bestätigte auf APA-Anfrage ein E-Mail, das aber nur "vage Andeutungen über eine bevorstehende Veröffentlichung zum Thema Korruption" enthalten habe - sowie den Hinweis, dass der Verfasser mit Repressalien rechne. Ein von H. ebenfalls behauptetes Treffen mit einem Mitarbeiter von Bundespräsident Alexander Van der Bellen bestätigte die Hofburg nicht. Davon sei "nichts bekannt". Das Schreiben habe man - wie in solchen Fällen üblich - "ad acta gelegt".

(APA)

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