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I: Drei Verletzte bei Unabomber-Anschlag

Drei Personen sind am Sonntag bei der Explosion eines Sprengkörpers im Dom von Motta di Livenza, einer 8.000-Seelen-Gemeinde bei Treviso (Venetien), verletzt worden. Der Sprengkörper war in einer elektrischen Kerze versteckt.

Ein sechs Jahre altes Mädchen, das einen Knopf gedrückt hatte, um die Kerze anzuzünden, wurde an einer Hand und am Auge schwer verletzt. Das Kind befindet sich in einer Klinik und muss operiert werden.

Eine Frau, die dem Kind beim Anzünden der Kerze geholfen hatte, wurde am Gesicht leicht verletzt, berichtete die Polizei. Ein Pensionist musste wegen des Schocks der Explosion ins Spital eingeliefert werden.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Sprengkörper von einem unbekannten Kriminellen gelegt wurde, der seit Jahren den Nordosten Italiens mit Sprengkörperfallen terrorisiert und „Unabomber“ genannt wird. Anti-Terror-Einheiten, die seit Jahren nach dem Täter fahnden, sind in Motta di Livenza vor Ort, um Ähnlichkeiten zwischen diesem Anschlag und anderen zu finden, die der Sprengfallenleger in den letzten elf Jahren verübt hatte.

Das „Aktionsgebiet“ des Mannes umfasst die norditalienischen Provinzen Pordenone, Treviso, Udine und Venedig. Die Polizei tappt völlig im Dunkeln. Zuletzt hatte der Täter im Jänner eine Sprengfalle in ein Schokoladenei in Treviso gelegt. Dabei wurde niemand verletzt. Bisher ist kein Bekennerschreiben aufgetaucht. Zum ersten Mal hatte der Attentäter am 21. August 1994 zugeschlagen. Bei einem Volksfest in Sacile bei Pordenone explodierte eine Rohrbombe, die drei Personen verletzte.

Weitere Sprengkörper dieser Art gingen in den darauf folgenden Monaten vor einem Supermarkt in Pordenone in die Luft. Im Juli 2001 explodierte ein Nutella-Glas, das eine 35-jährige Frau gekauft hatte. Dabei kam glücklicherweise niemand zu Schaden. Am 4. Dezember 2002 explodierte ein Sprengkörper während der Weihnachtsmesse im Dom von Cordenons bei Pordenone. Keine Verletzte wurden gemeldet.

In Motta di Livenza hatte der Sprengfallenleger bereits einmal zugeschlagen. Am 2. November 2001 war eine Votivkerze explodiert, die eine 63 Jahre alte Pensionistin in einem Friedhof angezündet hatte. Die Frau erblindete wegen der Explosion.

Der neue Anschlag des italienischen Unabombers löste entrüstete Reaktionen aus. „Eine weitere Abscheulichkeit dieses erbärmlichen Feiglings“, kommentierte die Mutter der zehnjährigen Francesca, des bisher letzten Opfers des mysteriösen Sprengfallenbauers. In den Händen Francescas war im April 2003 unweit von Treviso ein Textmarker explodiert. Der Sprengkörper zerfetzte Francescas rechte Hand und verletzte das Mädchen am rechten Auge.

„Ein Wahnsinniger ist am Werk, vor dem wir alle machtlos sind. Sogar Kinder sind jetzt systematisch in seine Schusslinie geraten“, kommentierte ein Sprecher des Gemeinderats von Treviso den Vorfall. Er rief die Bürger auf, mit den Ermittlern bei der Suche nach dem Täter zusammenzuarbeiten.

Der italienische Reformenminister Roberto Calderoli, Spitzenpolitiker der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord, schlug ein Kopfgeld für Informationen vor, die zur Festnahme des rätselhaften Attentäters führen. Die Lega Nord rief die Bevölkerung auf, mit Spenden dazu beizutragen, das Kopfgeld zu sammeln.

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