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Hunger-Katastrophe in der Sahelzone - Küberl: "Die Hölle auf Erden"

Die Hungerkatastrophe in der Sahelzone: Vor allem Kinder sind notleidend.
Die Hungerkatastrophe in der Sahelzone: Vor allem Kinder sind notleidend. ©AP
Die Dürre- und Hungerkatastrophe in der Sahelzone nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. Mittlerweile sind 13,4 Millionen Menschen betroffen, das Krisengebiet umfasst eine Fläche von deutlich mehr als zwei Millionen Quadratkilometern. Die Hilferufe der internationalen NGOs werden immer lauter, auch Caritas-Präsident Franz Küberl spricht im APA-Gespräch von einer Situation, die "der Hölle auf Erden" gleicht.

Besonders in Mali scheint sich die Lage zuzuspitzen: “Als wäre eine Dürre-Katastrophe nicht genug, leiden die Menschen dort auch unter einer politischen Katastrophe.” Und wenn ein erfahrener Helfer wie Küberl von einer “unübersichtlichen humanitären Situation” im vom Bürgerkrieg gebeutelten Norden des 1,2 Millionen Quadratmeter großen Landes spricht, lässt sich in etwa erahnen, wie nahe die Opfer dem Abgrund bereits sind. “Es wäre wahnsinnig wichtig, einen Hilfskorridor zu öffnen. Zur Zeit ist Hilfe fast nicht möglich.”

“Hoffen, dass sich die Krise nicht ausweitet”

Und wäre das alles nicht genug, kämpfen Opfer und Helfer zusehends gegen die enormen Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln und Treibstoff. Küberl: “Auch die Versorgung mit Wasser wird immer schwieriger. Das ganze ist eine Entsetzlichkeitsmultiplikation.” Die Dürre reicht mittlerweile bis in den Senegal, wo von Norden die Wüste auf das Land mit Meereszugang “drückt”. “Wir hoffen dennoch, dass sich die Krise nicht ausweitet.”

Obwohl bei Katastrophen von solchen Ausmaßen für Einzelschicksale normalerweise kaum Platz ist, hebt der Caritas-Präsident vor allem jene 640 Flüchtlinge hervor, die im Niemandsland zwischen Mali und Algerien festsitzen. Es handelt sich um Frauen, Männer und Kinder, die entweder auf dem Weg nach Europa gestrandet, oder nach ihrer Abschiebung aus Europa wieder im absoluten Nichts gelandet sind. Auch diesen Menschen zu helfen, stehe auf der To-Do-Liste ganz oben: “Das ist wirklich ein von allem verlassener Ort.”

Österreich leistet Beitrag

Aber Küberl wäre nicht Küberl, wenn er in all dem Elend nicht auch Hoffnung sehen würde. “Wir bemühen uns, alles, was nur irgendwie geht, in den betroffenen Ländern besorgen. Es gibt eine Menge von sehr handfesten Programmen. Die Caritas Österreich wird im nächsten halben Jahr mithelfen, 30.000 Menschen vom Hunger zu bewahren.” Dafür wurden 435.000 Euro aus dem Katastrophenfonds locker gemacht, was aber nur ein Anfang sein kann. Insgesamt erreicht die Hilfe des internationalen Caritas-Netzwerks in den nächsten Monaten über eine halbe Million Menschen.

Doch Katastrophenhilfe im Großen Stil kostet viel Geld: 546.000 Millionen Euro wären notwendig und sind erbeten worden – 343 Mio. Euro sind bereits eingetroffen. Küberl: “Es geht hier nicht um Summen, die die Welt an den Rand des finanziellen Abgrunds bringen. Aber die Staaten lassen sich halt sehr lange bitten.” Das Drama dabei ist, dass gerade im aktuellen Fall der Sahelzone Zeit ein ganz entscheidender Faktor sein kann. “Mangelernährung hinterlässt Spuren oft ein ganzes Leben lang, das ist eine Art Zusatzverelendung”, so der Caritas-Direktor, der diesbezüglich Kritik übt: “Man hat weltweit immer noch zu wenig klare Strategien, wie man in Entwicklungs- und Katastrophenhilfe zusammenarbeitet.”

Die Republik Österreich steuert übrigens 1,5 Mio. bei. “Das ist ein erster Schritt, und ich stehe nicht an, Außenstaatssekretär Wolfgang Waldner dafür zu danken. Ein zweiter Schritt sollte aber schon noch folgen”, so Küberl, der an die potenziellen Spendern appellierte: “Bedenkt, dass ihr in einem sehr wohlhabenden Land lebt, in dem es möglich ist, dass viele soziale Probleme gelöst und entschärft werden können. In der Sahelzone erleben die Menschen hingegen gerade die Hölle auf Erden.” Die Katastrophe in Afrika dürfe nicht überhört werden: “Hunger macht apathisch, man stirbt leise.”

(APA)

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