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Hundertwasser: Die Liebe zur menschlichen Kreativität

Auf den Wellen starb er, unter einem Tulpenbaum liegt er begraben: Während einer Kreuzfahrt auf der Queen Elizabeth II. erlag der Künstler und Architekt Friedensreich Hundertwasser 2000 einem Herzversagen. Heute wäre er 80 geworden.

Bestattet wurde der Künstler nackt und ohne Sarg auf seiner Farm in Neuseeland. Dort – in einem Garten am anderen Ende der Welt – wurde der Wiener wieder Teil des von ihm beschworenen Kreislaufs der Natur.

Wie bei einer Spirale, seinem grossen Leitmotiv, drehte sich sein Leben gegenläufig um ihn selbst. Auf dem Weg nach Innen suchte der Fantast den Kern des Menschlichen und der Kreativität. Nach Aussen wirkte der Selbstdarsteller mit provokanten Auftritten und geschäftigem Marketing.

Zur Welt kam er am 15. Dezember 1928 als Friedrich Stowasser in Wien. Mit Glück überleben er und seine Mutter das Naziregime – viele ihrer jüdischen Verwandten werden deportiert und ermordet. Nach einer kurzen Visite an der Kunstakademie bildet er sich auf langen Reisen durch Europa und Nordafrika selbst zum Künstler.

Seine Werke zeichnet er fortan mit dem Pseudonym Friedensreich Hundertwasser. Seinen Vornamen bastelt er sich aus den beiden japanischen Schriftzeichen für Friedrich, die auch als «Frieden» und «reich» gelesen werden. Eine neue Vorsilbe für seinen Nachnamen findet er im russischen Wort «Sto», das Hundert bedeutet.

Enorme Popularität

Seine farbenprächtigen Bilder sind inspiriert von der Ornamentik des Wiener Jugendstils und der magischen Welt der naiven Kunst. Die immer wiederkehrenden Grundformen von Spirale und Labyrinth strukturieren seine Gemälde. Aus Wegen und Stegen spinnt Hundertwasser verträumte Zaubergärten – fast schon abstrakte Paradiese, in denen nur noch wenige Reste wie Häuser und Bäume in der Realität ankern.

Mit seinem unverwechselbarer Hundertwasser-Stil feiert er Erfolge bis nach Japan; dank einer geschickten Vermarktung erreicht er eine enorme Popularität. Der Tausendsassa gestaltet Poster, Briefmarken, Uhren und sogar Jetons für ein Spielkasino.

Der Ruhm ermöglicht es ihm, ab den 80er Jahren auch seine architektonischen Ideen umzusetzen. Zudem engagiert er sich für den Umweltschutz und menschenfreundliche Städte.

Häuser ohne Ecken und Kanten

In einem Manifest ruft er dazu auf, die moderne, rationale Architektur verschimmeln zu lassen, den seelenlosen Beton zu zersetzten und so der Natur zu übereigenen. Jeder Bewohner solle künftig das Recht erhalten, seine Wohnung und Umgebung frei zu gestalten. Hundertwasser verteufelt die «gottlose Gerade» und entwirft knallbunte Häuser ohne Ecken und Kanten.

Auf seinen Dächern sollen Bäume wachsen und Kühe grasen. Wuchernde Pflanzen überranken die Etagen und die welligen Fassaden zieren goldene Säulen und farbige Keramikbänder. Diese aussergewöhnliche Architektur erfreut sich beim breiten Publikum grosser Beliebtheit: Das Hundertwasserhaus in Wien zählt inzwischen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Praktische Umsetzung umstritten

Doch die Umsetzung seiner bisweilen esoterischen Fantasien in die Praxis ist auch umstritten: Seine Konzept erscheinen nicht immer schlüssig, und einige der Bauten wirken überschminkt. Das Wiener Kraftwerk Spittelau bleibt auch nach seinem Umbau eine konventionelle Müllverbrennungsanlage – nur eben mit einem hübschen Zwiebelturm.

Mit seinem Einsatz für die Umwelt und dem Ruf nach dem menschlichen Mass hat Hundertwasser jedoch früh wichtige Diskussionen angestossen. Und die Bilder seiner dunkelbunten Welt gehören längst zum festen Inventar der Nachkriegskunst. (apa/ap)

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