Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

„Humor auf Kosten anderer ist ein absolutes No-Go!“

Im Vorjahr feierte der Comedian aus Rankweil sein 20-jähriges Kabarettjubiläum.
Im Vorjahr feierte der Comedian aus Rankweil sein 20-jähriges Kabarettjubiläum. ©MiK
Kabarettist Markus Linder im Talk über eine viel zu brave Jugend, eine wilde Nacht samt Flucht aus dem Opal und seine „Tirolisierung“.

von Joachim Mangard/Wann & Wo

WANN & WO: Was war der letzte gute Witz, den du gehört hast?

Markus Linder: Ich muss gestehen, ich habe keinen auf Lager. Oft komme ich in ein Gasthaus und werde gefragt, ob ich einen guten kenne. Das muss ich leider immer verneinen, weil ich sie mir einfach nicht merken kann.

WANN & WO: Wir sind hier in deinem Stammlokal, dem Rankweiler Mohren. Was wäre denn für dich ein gutes Stammtischthema?

Markus Linder: Differenzierung. Ich bin kein Fan der aktuellen Polarisierung. Es gibt viel mehr als Schwarz und Weiß, oder Trottel und Gutmensch. Die Wahrheit ist viel komplexer. Ich hoffe, dass sich die Gesprächskultur der Menschen wieder verbessert und dass man genauer und differenzierter hinsieht.

WANN & WO: Spielen diese Themen auch bei deinen Programmen eine Rolle?

Markus Linder: Durchaus. Auch wenn ich mich weniger als einen gesellschaftskritischen Kabarettisten sehe. Meine bevorzugte Ausdrucksform ist die Musik-Comedy – Slapstick und skurril, mit Helge Schneider als meinem großen Vorbild.

WANN & WO: Wie hast du deine Jugend in Erinnerung?

Markus Linder: Ich war in meinem ganzen Leben ein Spätstarter und wurde noch mit 17 rot, wenn mich ein Mädchen angesprochen hat (schmunzelt) – zur allgemeinen Belustigung meiner Schulkollegen. Ich habe immer neidvoll auf die Zündapp-Mopeds meiner Klassenkollegen geblickt, wenn ich mit meinem Fahrrad anrollte. Entgegen der allgemeinen Meinung war ich ein unglaublich braves Kind, Einser-Schüler und Klassenbester. Obgleich ich die anderen immer abschreiben ließ, also schon früh mit einer sozialen Ader gesegnet.

WANN & WO: Wurde dir dein kabarettistisches Talent in die Wiege gelegt?

Markus Linder: Meine Eltern waren ja bekannte Kabarettisten. Als ich vier Jahre alt war, begannen sie mit ihrer Show bei den Wühlmäusen. Bei uns wurde geprobt und es war immer was los. Wir hatten eine ausgesprochen glückliche Kindheit.

WANN & WO: Wann hast du dich entschieden, eine professionelle Künstlerkarriere einzuschlagen?

Markus Linder: Zuerst wollte ich eigentlich Diplomat werden, nach einem Jahr Jus-Studium bin ich dann aber in Richtung Lehramt umgestiegen. Ich entstamme ja einer Dynastie von Lehrern und Pfarrern. Nach dem Abschluss meiner Zweige Deutsch, Latein und Geschichte bekam ich aber in Tirol keine Stelle. Erneut folgte eine Spätzündung und ab dem 1. Jänner 1990 entschied ich mich für meine künstlerische Laufbahn.

WANN & WO: Welche Rolle spielt Musik in deinem Leben?

Markus Linder: Glücklicherweise haben mich meine Eltern damals „gezwungen“, eine klassische Musikschulausbildung zu machen. Dafür bin ich ihnen heute noch dankbar. Improvisation war immer schon ein zentrales Thema für mich, ich habe gerne autodidakt meine Lieblingsplatten von den Stones oder Clapton nachgespielt. Anfangs wollte ich auch klar eine Musikkarriere einschlagen.

WANN & WO: Tschako und der kleine Prinz – welche Erinnerungen hast du an jene Zeit?

Markus Linder: Gegründet von Hannes Rothmeyer und produziert von W&W-Macher Harald Kloser waren wir u.a. sieben Jahre lang intensiv auf den Bühnen dieses Landes unterwegs. Von Tschako habe ich viel gelernt. Unsere Version von „Der kleine grüne Kaktus“ schaffte es sogar ins ZDF-Hauptabendprogramm. Tschako meinte anschließend, dass uns sieben Millionen Zuschauer gesehen hatten. Leider gab es im Anschluss nur drei Zuschriften, und davon waren zwei negativ (schmunzelt). Ich kann mich auch noch gut an einen Auftritt im Opal erinnern. Werner Brugger hatte uns für einen Auftritt um zwei Uhr nachts gebucht. Unsere „Techno-Version“ vom „Kaktus“ fand wenig Anklang und nachdem die ersten Wurfgegenstände der Bühne entgegen flogen, mussten wir fluchtartig den Club verlassen (schmunzelt).

WANN & WO: Wie schwierig ist es auch aus finanzieller Sicht, sein Leben der Kunst zu verschreiben?

Markus Linder: Oft war es nicht einfach und es bedarf enormer mentaler Stärke. Besonders hervorheben möchte ich hier meine Frau Sabine, die mit mir seit mittlerweile 21 Jahren alle Höhen und Tiefen meistert und mir immer mit Rat und Tat zur Seite steht.

WANN & WO: Was macht die Arbeit eines Kabarettisten so spannend oder auch speziell?

Markus Linder: Als Musiker steht man öfters im Hintergrund, als Kabarettist, auch mit meinem familiären Background als „Sohn der Wühlmäuse“, begibt man sich zentral ins Scheinwerferlicht. Anfangs war es für mich eine Mutprobe, die ich aber nie gescheut habe. Allein auf der Bühne zu stehen, bedeutet auch, individuelles Programm zu machen. Sonst verliert man seine Authentizität.

WANN & WO: Worüber kannst du lachen, worüber macht man keine Witze?

Markus Linder: Alleine lache ich oft, über alle möglichen, alltäglichen Dinge. Aus meiner Beziehung mit Sabine schöpfe ich tagtäglich Inspiration für mein Programm. Keinen Spaß verstehe ich, wenn es über Herabwürdigung oder Demütigung von Menschen geht. Der Humor auf Kosten anderer ist ein absolutes No-Go!

WANN & WO: Hast du Tipps gegen Lampenfieber?

Markus Linder: Bestmögliche Vorbereitung und Konzentration vor dem Auftritt. Vor einer Show brauche ich eine halbe Stunde alleine in der Garderobe, in der ich mich voll und ganz aufs Programm fokussiere – wie ein Skirennläufer wedle ich mein Programm im Vorfeld durch. Disziplin ist ebenfalls ein entscheidender Faktor in der Karriere, auch wenn es mal nicht so läuft. Aufgeben ist keine Option. Selbstvertrauen muss man sich erarbeiten.

WANN & WO: Hat sich der Humor in deiner 20-jährigen Laufbahn verändert?

Markus Linder: Ich bewege mich kaum auf politischer Ebene, also kann ich da nicht viel Veränderung erkennen. Ich würde auch nicht sagen, dass die Vorarlberger mehr oder weniger Humor hätten. Auch hat sich die Konkurrenz im Unterhaltungsbereich gewandelt. Im hintersten Sibratsgfäll ist man mittlerweile auf dem selben Stand wie in Wien.

WANN & WO: Du lebst ja in Axams. Wie unterscheiden sich die Tiroler von den Vorarlbergern?

Markus Linder: In meiner persönlichen Wahrnehmung sind die Tiroler traditionsbewusster und kerniger – der Bauernbund ist eine Macht. Die Vorarlberger sind pragmatischer, nüchterner und auch eine Spur weltoffener. Meine Frau als Tirolerin sagt aber oft, dass sie mich glücklicherweise ein wenig „tirolisiert“ hat. Umgekehrt hat das leider nicht funktioniert (schmunzelt).

WANN & WO: Welche Rollen haben Frauen in deinem Leben gespielt?

Markus Linder: Zuallererst stand meine Mutter als starke Frau im Vordergrund, sie hat mich maßgeblich geprägt, auch als „Grande Dame“ des Vorarlberger Kabaretts, die ohne Scheu auf der Bühne stand. Vor meiner Sabine hatte ich drei langjährige Beziehungen, ich bin aber nie von einer Partnerschaft in die nächste geflüchtet. Sabine hat mich definitiv verändert, ohne dass ich dabei aber das Gefühl hatte, mich verbiegen zu müssen. Couch und Coach – sie fängt mich auf und ist auch der strategische Kopf in unserer Firma. In der Szene geht der Ruf, dass wenn man von mir was will, sich zuerst mit Sabine gut stellen muss.

WANN & WO: Was hat sich für dich nach deinem Engagement als TV-Pfarrer in „4 Frauen & ein Todesfall“ verändert?

Markus Linder: Als Ministrant in der Basilika und durch meine Verwandtschaft kam ich schon früh mit der institutionellen Kirche in Kontakt – deshalb konnte ich mich von Beginn an gut mit der Rolle identifizieren. Mit dem fortlaufendem Erfolg der Serie steigerte sich auch mein Bekanntschaftsgrad, man wird auf der Straße erkannt. Außerdem macht es Spaß, diese skurrile Rolle eines Vorarlberger Geistlichen, der auch mal mit der Institution hadert, zu verkörpern.

WANN & WO: Aktuell bist du mit Hubsi Trenkwalder mit „Doppelbuchung“ unterwegs. Was darf sich das Publikum erwarten?

Markus Linder: Es ist unser zweites Programm mit viel Musik, skurrilen Geschichten und kreativen, humorvollen Covers. Hubsi ist mit einem tiefschwarzen Humor gesegnet, ich glaube, wir ergänzen uns bestens.

WANN & WO: Bist du eine echte Rampensau?

Markus Linder: Erst wenn ich auf der Bühne stehe. Im Privatleben bin ich eher ein ruhiger Typ, während der Show kann ich den Schalter umlegen. Und dann werde ich zur echten Rampensau.

Die aktuelle Ausgabe der Wann & Wo lesen Sie hier!

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • „Humor auf Kosten anderer ist ein absolutes No-Go!“
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen