HPV-Impfung ist zu teuer

Bregenz -   Während andere Länder die HPV-Impfung öffentlich finanzieren und bereits auf hohe Durchimpfungsraten bei jungen Mädchen verweisen können, müssen die Kosten in Österreich nach wie vor selbst aufgebracht werden. Gesundheitslandesrat ist gegen Einzelaktionen in Vorarlberg.

Seit gut zwei Jahren gibt es die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Doch während andere Länder die HPV-Impfung öffentlich finanzieren und bereits auf hohe Durchimpfungsraten bei jungen Mädchen verweisen können, müssen die Kosten in Österreich nach wie vor selbst aufgebracht werden. Macht bei drei Teilimpfungen immerhin knapp 600 Euro. Mit fünf Prozent fällt die Akzeptanz entsprechend niedrig aus. Primar Dr. Hans Concin, trotz eines nur 70-prozentigen Impferfolges ein Verfechter der HPV-Impfung, spricht von Resignation, hat in diesem Falle aber kein Verständnis für das „Diktat der leeren Kassen“.

Eine „soziale Frage“

Er selbst impfte bislang etwa 20 Mädchen und einen Buben. Auf das zustehende Impfhonorar würden die meisten Ärzte wegen der ohnehin schon hohen Kosten verzichten, so Concin. Er räumt ein, dass man in Vorarlberg den Gebärmutterhalskrebs dank Vorsorge „gut im Griff“ habe. Derzeit gibt es durchschnittlich 15 Neuerkrankungen pro Jahr. Aber: „Nicht alle Frauen nehmen diese in Anspruch“, betont der Gynäkologe. Darunter fallen vor allem solche aus sozial niedrigeren Schichten. Deshalb wäre die Bereitstellung der HPV-Impfung für Hans Concin auch eine soziale Frage. Mit der Impfung, die ab einem Alter von 12 Jahren verabreicht wird, könnten alle, zumindest jedoch mehr erreicht werden, glaubt Concin. Er verweist allerdings darauf, dass auch eine HPV-Impfung die Vorsorge nicht ersetzt. Dass Österreich die positiven Einschätzungen renommierter Gutachter zur Impfung negiert und stattdessen „um teures Geld“ die wirtschaftliche Evaluierung an ein kleines Privatinstitut vergeben hat, das als „eines von wenigen“ zu einem gegenteiligen Bescheid kam, hält Concin schlichtweg für Ignoranz. Erfolge in Form einer Reduktion von Gebärmutterhalskrebsvorstufen seien zwar erst in einigen Jahren zu erwarten. „Bei den Genitalwarzen, die ebenfalls von diesen Viren ausgelöst werden, ist es aber schon zu einem drastischen Rückgang gekommen, weil durch die Impfung die Infektionskette unterbrochen wurde“, berichtet Hans Concin von Erfahrungen aus Australien. Weil die Aufnahme der HPV-Impfung in das Impfprogramm auf sich warten lässt, haben Niederösterreich und das Burgenland einen Alleingang gestartet. In Niederösterreich wurde über die Krankenhäuser geimpft. Das Burgenland setzt zum zweiten Mal eine Schulimpfaktion um. Die Mädchen können sich durch einen Zuschuss der öffentlichen Hand um 90 Euro (statt 190,65 Euro) pro Dosis impfen lassen. Immerhin 17 Prozent der 11- bis 14-Jährigen haben letztes Jahr die Möglichkeit in Anspruch genommen. Für Landesstatthalter Markus Wallner stehen Einzelaktionen nicht zur Diskussion. Er hält sich an einen Landtagsbeschluss, laut dem Geld für die Impfung bei Aufnahme in den nationalen Impfplan bereitgestellt wird und sieht sich damit in bester Gesellschaft mit den übrigen Bundesländern. Wenngleich der Druck hierzulande aufgrund der hohen Vorsorgebeteiligung geringer ist, bedauert auch Wallner, dass es auf Bundesseite in der Frage der HPV-Impfung „null Bewegung gibt“.

Humane Papillomviren (HPV) infizieren Zellen der Haut- und/oder der Schleimhaut. Meistens verursachen sie keine Symptome. Einige der bislang über 100 bekannten HPV-Typen sind für die Entstehung von gewöhnlichen Hautwarzen (Papillomen) verantwortlich, zum Beispiel in Gesicht, an Händen oder Füßen. Zirka 30 HPV-Typen befallen indes vorrangig Geschlechtsteile und After. Je nach Virustyp kann eine Infektion mit diesen hauptsächlich sexuell übertragbaren Erregern zu harmlosen Genitalwarzen oder zu auffälligen Gewebeveränderungen an Gebärmutterhals, Vulva, Penis oder After führen. Die häufigste durch HPV hervorgerufene Krebserkrankung ist Gebärmutterhalskrebs.

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