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Hotellerie investiert beherzt

Jüngste Projekte in Vorarlberg kommen der Experten-Richtschnur schon sehr nah. Die "VN" erkundigten sich über die konkreten Investitionen.

1500 Euro pro Quadratmeter bzw. 150.000 Euro für Zimmer mit 100 Quadratmetern „Bruttogeschossfläche“, also einschließlich anteiliger Restaurant-, Wellness-, Gang-, Lift- und sonstiger Flächen im Hotel: Diese „Investitions-Richtschnur“ für 4-Stern- und noch noblere Häuser legte letzte Woche im „VN“-Gespräch Tourismus-Consulter Dr. Otmar Michaeler als Voraussetzung dafür, um auch als Urlaubsdestination Vorarlberg auf ca. 300 Vollbelegstage jährlich zu kommen.

90 Prozent Auslastung

Die „VN“ erkundigten sich gestern bei heimischen Hoteliers, die zuletzt viel Geld für ein qualitätsvolles Upgrading ihrer Häuser in die Hand genommen hatten, wie nahe sie dieser Experten-Vorgabe bei ihrem konkreten Investment gekommen sind. Ellen Nenning, Chefin in der Bezauer „Gams“, die ihr „Genießer- und Kuschelhotel“ vor zwei Jahren mit besagtem Tourismusberater projektiert hatte, ließ sich 24 neue Suiten, die 1000 m2 Wellnessbereich „Da Vinci Spa“ plus die Adaption des Romantik-Restaurants gut 3,2 Mill. Euro kosten. Das „Blütenschloss“ verzeichne schon jetzt 90 Prozent Auslastung, bestätigte Nenning, die sich gestern überzeugt zeigte, „mit konsequenter Kundenpflege 300 Vollbelegstage in absehbarer Distanz zu erreichen“.

Wilma Fink, Hausherrin im Lustenauer „Krönele“, wird im Dezember 2007 nach Zubau-Inbetriebnahme die Zahl ihrer Gästezimmer auf 75 mehr als verdoppelt haben. Da ihr Haus vor allem unter der Woche stark von Geschäftspublikum frequentiert ist, erzielt sie schon heute 270 bis 275 Vollbelegstage – recht viel mehr sieht sie auch nach der Erweiterung fürs erste, standort- und publikumsstrukturbedingt, nicht umsetzbar. Pro Zimmer-Quadratmeter hat sie 1000 Euro investiert, ohne Küchen-, Restaurant- und (nicht erneuerte) Wellnessfläche anteilig einzurechnen. Allein in Küchengeräte investierte sie 2006 über 120.000 Euro.

Mit 200 Tagen schon top

Rund 950 Euro je Quadratmeter hat Toni Simma allein in die Zimmer des geschmackvoll erneuerten und vergrößerten Hotels „Adler“ in Au investiert. Auch in diesen Quadratmeter-Preis sind weder die Kosten für den Wintergartenzubau im Restaurant noch jene für den teils erneuerten Wellnessbereich eingerechnet. 300 Vollbelegstage bezeichnet er trotz der enormen getätigten Investitionen als „frommen Wunsch“: „Mit 200 Vollbelegstagen sind wir bei den best ausgelasteten Häusern der Region, auf dieser Basis müssen wir etwa 20 Jahre veranschlagen, bis unsere Investitionskosten mit dem Gast wieder hereinverdient sind“, rechnete Simma vor.

700.000 Euro hat Thomas Rhomberg von der „Krone“ im Hatlerdorf in Erwerb und Adaption einer Liegenschaft visa-vis vom Stammbetrieb investiert. Er weist darauf hin, dass zwischen dem Investitionsaufwand eines Businesshotels in der Stadt und eines Ferienhotels z. B. mit anspruchsvoller Wellness-Infrastruktur enorme Schwankungsbreiten gegeben sind: „Deshalb sind wir bei unserem neuen ,GartenhotelÑ – 10 der 14 Zimmer öffnen direkt ins Grüne – auch klar unter diesem Michaeler-Limit geblieben“, verdeutlichte der

„Krone“-Hausherr. Mit fast 70 Prozent Auslastung im Jahresschnitt sei er in seiner Situation fast am Limit angelangt: Das neue Bettenangebot lasse sich allenfalls mit neuen Kulturgästen und auch der Reisebusklientel „geringfügig nach oben schrauben“ (Rhomberg).

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