Schwul im Heer? #gaysoldier Fabio Egger aus Dornbirn

Rekrut Fabio Egger ist bekennend homosexuell und spricht mit VOL.AT über seinen Grundwehrdienst.
Rekrut Fabio Egger ist bekennend homosexuell und spricht mit VOL.AT über seinen Grundwehrdienst.
Im VOL.AT-Interview spricht der Jungsoldat über seine Homosexualität, Kameradschaft und ob es im Österreichischen Bundesheer Vorurteile gibt.

Homosexualität, ein Tabuthema in der Truppe? Mitnichten, Fabio Egger beweist das Gegenteil. Der Dornbirner Rekrut ist bekennend homosexuell und absolviert seinen Grundwehrdienst im Tragtierzentrum Hochfilzen. Im Gespräch mit VOL.AT spricht er über seinen Antrieb, den Dienst an der Waffe zu verrichten und mit welchen Vorurteilen er zu kämpfen hat: "Mich hat das Bundesheer immer schon gereizt, diese Kameradschaft zu erleben. Und ich wollte mir selbst ein Bild machen."

"Viele Vorurteile ausgeräumt.
Auf beiden Seiten"

Der Messestädter geht offen mit seiner Homosexualität um und zieht eine positive Bilanz über seine Zeit beim Österreichischen Bundesheer: "In der Truppe wird man als Mensch angesehen, unabhängig von Religion, Hautfarbe oder sexueller Orientierung. Natürlich gab es auch Kameraden, die überrascht reagiert haben. Vielleicht haben sie erwartet, dass ich geschminkt und mit Handtäschchen auftauche. Der Umgang war aber offen und wir haben auch viele Vorurteile ausgeräumt. Auf beiden Seiten."

Auf Social-Media präsentiert sich Fabio Egger als #gaysoldier.

Mit Rekrut Lukas Tusch hat Fabio einen Bregenzer Kameraden an seiner Seite, der ebenfalls über den Grundwehrdienst in Hochfilzen spricht und wie die Truppe auf ihren homosexuellen Kollegen reagiert hat.

"Rekrut Egger zeigt die klassischen soldatischen Tugenden"

"Rekrut Egger erfüllt die Anforderungen an einen Tragtierführer zur vollsten Zufriedenheit. Neben den klassischen soldatischen Tugenden setzt er das Erlernte ausgezeichnet um, hat die notwendigen Tugenden der Konsequenz, des Einfühlungsvermögens, Zuneigung, Verständnis, Vertrauen und Geduld gegenüber unseren Tragtieren", zeigt sich Offizier Hauptmann Rene Auer vom Militärkommando Salzburg von den Leistungen des Dornbirners beeindruckt.

Presseoffizier Hauptmann Rene Auer vom Militärkommando Salzburg.

Im Hochfilzner Tragtierzentrum des Stabsbataillon 6 werden die Rekruten zu Tragtierführern ausgebildet. Die Einheit hat den Auftrag, in allen Einsatzarten und taktischen Verfahren bei besonders schwierigen Geländebedingungen, wie zum Beispiel im Gebirge, bei Inlands- und Auslandseinsätzen durch den Einsatz von Tragtieren alle Verbände und Einheiten des Österreichischen Bundesheeres zu unterstützen.

Gelebte Toleranz im Bundesheer

"Beim Bundesheer spielt weder die politische oder die religiöse Ausrichtung eine Rolle noch die sexuelle Orientierung oder das Geschlecht. Es zählt einzig und alleine die Leistung. Und sonst nichts", konstatiert Oberst Mag. Michael Bauer, Pressesprecher des Ministeriums für Landesverteidigung, auf VOL.AT-Anfrage.

Oberst Mag. Michael Bauer, Pressesprecher des
Ministeriums für Landesverteidigung.

Oberst Bauer führt fort: "Die Kritik, wonach das Bundesheer homophobe Tendenzen hätte, kenne ich nur von Personen, die weder einen Wehrdienst geleistet haben noch Angehörige des Bundesheeres sind. Die Tatsache, dass dies auch Rekrut Egger bestätigt, ist wohl das stärkste Argument. Ich kenne auch keine derartigen Beschwerden bei der parlamentarischen Bundesheer-Kommission; bei dieser kann sich jeder Soldat – auch anonym – beschweren. Bei welcher Organisation ist dies noch möglich? Ich kenne keine."

"Ein völlig anderes Bundesheer"

Das Bundesheer ändere sich natürlich; genauso wie sich auch die Gesellschaft ändere; es würden sich ja auch die Ausbilder ändern, die genau aus der Mitte dieser Gesellschaft kämen: "Das Bundesheer, in dem ich 1986 eingerückt bin, ist ein völlig anderes als das Bundesheer des Jahres 2021", schließt der Presseoffizier.

(VOL.AT)

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