Holocaust-Eklat - Williamson soll Funktionen niederlegen

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Die vom Papst beteuerte "volle Solidarität" mit den Juden "würde ich erst dann akzeptieren, wenn dieser Holocaust-Leugner zur Rechenschaft gezogen wird", sagte Knobloch heute, Freitag, dem "Münchner Merkur".

Die päpstliche Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson belastet weiterhin das Verhältnis zwischen den Juden und der Katholischen Kirche. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, forderte, dass Williamson “seine Funktionen als Kirchenmann, der ja dem Ausgleich verpflichtet sein sollte, nicht mehr wahrnimmt”.

Die Zurücknahme der Exkommunikation bedeutet aber noch nicht, dass die Kirchenmänner ihre Funktion als Bischöfe wieder ausüben dürfen.

Knobloch äußerte sich “erstaunt” über Williamsons Rehabilitierung. “Wir haben die Rede des Papstes in Regensburg über die Muslime gehört, dann eine weitere Erklärung zur Beurteilung der protestantischen Kirche, dann die Missionierung der Juden, die tridentinische Messe – und jetzt die Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners. Ich glaube nicht, dass das Zufall ist”, sagte die Zentralrats-Präsidentin. “Der Papst ist ein hoch gebildeter Mann. Er spricht das aus, was in der Kirche gedacht wird.”

Auf Fragen nach der Zukunft des Dialogs zwischen dem Vatikan und den Juden würdigte Knobloch die Einfühlsamkeit von Johannes Paul II., des Vorgängers von Papst Benedikt XVI. – dieser habe in seiner polnischen Heimat das Leid der Juden als Zeitzeuge miterlebt und dies auch gegenüber der jüdischen Gemeinschaft deutlich gemacht. “Papst Johannes Paul II. hatte alle Voraussetzungen, um das Gespräch mit den Juden aufzugreifen und wirklich sehr positiv anzugehen”, sagte Knobloch. “Ich vermisse jetzt die Weiterführung dieses Dialogs.”

Der Vatikan hatte am vergangenen Samstag die Exkommunikation von vier Bischöfen aus der erzkonservativen Bruderschaft Pius X. rückgängig gemacht – darunter auch die von Williamson. Das führte zu Spannungen mit jüdischen Organisationen, weil dieser in einem TV-Interview die Ermordung von sechs Millionen Juden in den Gaskammern der Nazi-Konzentrationslager bestritten hatte.

Papst Benedikt XVI. hatte sich am Mittwoch nachdrücklich gegen eine Leugnung des Holocaust gestellt und seine volle Solidarität mit den Juden bekräftigt. Die Vernichtung der Juden sei “ein Mahnmal gegen jedes Vergessen und Leugnen”, hatte der Papst am Mittwoch während der Generalaudienz in Rom gesagt und damit auf die internationale Kritik an der Rehabilitierung von Williamson reagiert.

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