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Hoffnung und Hilfe vermitteln

Bregenz - Vor zehn Jahren gründete Ehrentraud Hagleitner den Verein "Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter" (HPE).

Jetzt wollte sich die Vorsitzende eigentlich aus dieser Funktion verabschieden. Doch daraus wird nichts. Mittlerweile hat sie auch die Führung des Dachverbandes, dem alle Länderorganisationen angehören, übernommen. „Da im eigenen Land nicht mehr aktiv zu sein wäre unmöglich“, meint Ehrentraud Hagleiter mit einem Lächeln. Das Bleiben fällt ihr leicht. Denn: „Es gibt noch viel zu tun.“

Die 62-jährige Bregenzerin strahlt Herzenswärme aus. Doch hinter dem sanften Wesen verbirgt sich auch Entschlossenheit. Die zeigte sich, als eines der sieben Kinder manisch-depressiv wurde. Ehrentraud Hagleitner tut sich schwer, das Leiden zu beschreiben. Sie ringt nach den richtigen Worten. „Es ist eine Krankheit, die vor allem die Gefühlswelt eines Menschen stark beeinträchtigt“, erklärt sie dann.

Aber nicht nur das Leben des Betroffenen gerät aus den Fugen. Auch jenes der Familie verändert sich massiv. Da sind die eigenen Schuldgefühle und da sind die immer noch vorhandenen gesellschaftlichen Vorurteile, mit denen man lernen muss umzugehen. Auch Ehrentraud Hagleitner stellte die Erkrankung vor eine völlig neue Situation. Doch das Unabänderliche einfach hinnehmen kam für sie nicht in Frage. Sie suchte Unterstützung bei einer betreuten Angehörigengruppe. „Es tat unendlich gut, mit Leuten zu reden, die wussten, worum es ging“, erzählt Ehrentraud Hagleitner.

Engagiertes Team

Gleichzeitig wollte die Mutter ihrem Sohn signalisieren, dass er nicht alleine ist. „Man kann mit einer psychischen Erkrankung leben“, vermittelt sie Hoffnung. Bereitschaft von beiden Seiten vorausgesetzt. Aus ihrer Arbeit weiß sie, dass Angehörige oft ein Patentrezept erwarten. „Ein solches gibt es nicht“, stellt die Obfrau schlicht und einfach klar. Der Umgang mit psychisch Kranken sei ein längerer Prozess und auf den müsse man sich einlassen.

Der Verein will dabei helfen. Er betreut mehrere Selbsthilfegruppen, die auch ohne Mitgliedschaft zugänglich sind, vermittelt Einzel- und Gruppengespräche und organisiert Informationsveranstaltungen. Dabei kann Hagleitner auf ein engagiertes Team bauen.

Mehr Akzeptanz

Elf Frauen und ein Mann stehen ihr im Kampf um mehr Verständnis für psychisch Kranke zur Seite. „Frauen suchen eher den Austausch in schwierigen Situationen“, meint sie. Eine andere Begründung hat ihr Mann Willi parat. „Mütter spüren Veränderungen bei Kindern eben schneller“, glaubt er. Ehrentraud Hagleitner lässt beides gelten. Ihr ist der Einsatz für die Sache wichtig. Zum Vereinsjubiläum wünscht sie sich, dass psychische Erkrankungen von der Gesellschaft endlich als ein Teil des Lebens akzeptiert und Betroffene nicht mehr ausgegrenzt und als generell gefährlich angesehen werden. „Das ist noch sehr drinnen in den Menschen“, bedauert Ehrentraud Hagleitner.

ZUR PERSON

Ehrentraud Hagleitner

  • Geboren: 2. Oktober 1944 in Lauterach
  • Wohnort: Bregenz, verheiratet, 7 Kinder und 7 Enkel
  • Beruf: Hausfrau
  • Hobbys: Lesen, Schwimmen, Wandern
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