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Hofberichterstattung: NDR-Bericht prangert Inseratenvergabe an

Vor allem Kanzler Faymann steht im Mittelpunkt der Kritik.
Vor allem Kanzler Faymann steht im Mittelpunkt der Kritik. ©APA
Rund 200 Millionen Euro pro Jahr fließen in Form von Inseraten vornehmlich in den österreichischen - sprich "Wiener " - Boulevard. Das haben Recherchen des NDR unter Berufung auf dossier.at ergeben. In Deutschland stellt man sich die Frage: "Inserate für freundliche Schlagzeilen"?

Politisch finanzierte Inserate fließen zum Großteil in den Boulevard-Bereich. Vor allem “Wiener” Medien wie “Österreich”, “Heute” und “Krone” profitieren davon. Dabei sind es nicht nur die “eigentlichen” politischen Inserate, die für Kritik sorgen: Auch Inserate, die etwa von staatsnahen Betrieben wie den ÖBB oder Asfinag geschaltet werden, stellen laut Medienexperten nicht selten Werbung für politische Persönlichkeiten dar. Gegen Kanzler Werner Faymann wurde diesbezüglich sogar schon von Seiten der Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Vorwürfe wurden schließlich fallengelassen. Was auch auf viel Unverständnis fiel.

Faymann/Fellner:

Auch das Ausland hinterfragt kritisch

Das NDR-Magazin Zapp thematisierte die politisch motivierte Inseratenvergabe in Österreich. Vor allem die Tatsache, dass Österreich das Amtsgeheimnis in der Verfassung verankert habe, bereite hiesigen Journalisten Probleme. Wie zu Informationen gelangen, wenn diese schlicht unter Verschluss sind? Selbst heikle Geschichten schaffen es kaum in die Schlagzeilen, da die Veröffentlichung gestoppt werden kann. Und wenn kritisch berichtet wird, werden Inserate storniert oder gar die Absetzung von Journalisten gefordert. “Es wurde schon recht unverblümt die Absetzung von Redakteuren gefordert, die kritisch über bestimmte öffentliche Unternehmen berichtet haben”, sagt Standard-Journalist Harald Fidler im Zapp-Interview.

Unsere deutschen Nachbarn verorten die Grundproblematik darin, dass es finanzielle Sicherheit im Austausch für angenehme Berichterstattung gebe. So habe die ÖVP im August 2013 beispielsweise nach einem Bericht über ein geheimes Schwarzgeldkonto im Magazin “News” die Inseratenschaltungen storniert.

Zapp-Magazin: Der NDR-Bericht

Es geht um Geld. Viel Geld.

Dass es sich dabei nicht um kleine Summen handelt, verdeutlicht ein Vergleich: Die öffentliche Hand in Deutschland, das ungefähr zehnmal so viele Einwohner hat, schaltet weniger Inserate in Zeitungen als Österreich. Das führe dazu, dass hierzulande nicht Innovation, sondern Treue zu politischen Akteuren gefördert werde, sagt etwa Florian Skrabal von “dossier.at“. Die Journalisten der Rechercheplattform haben sich vom mangelnden Informationsfluss und von finanziellen Abhängigkeiten nicht einschüchtern lassen, und untersuchten den politischen Einfluss auf die Gratis-Zeitung “Heute“. Skrabal und sein Team recherchierten aufwändig. Sie zählten alle Inserate von Parteien und öffentlichen Stellen. Im Zeitraum von 2004 bis 2014 ermittelten sie einen Wert von 84 Millionen Euro – ohne Berücksichtigung von Rabatten. Darüber wurde auf NDR-Anfrage von “Heute” keine Auskunft erteilt.

Bereits vor der Veröffentlichung drohte “Heute”-Herausgeberin Eva Dichand Skrabal & Co. mit einer Klage. In einer E-Mail an den NDR relativierte Eva Dichand: “Die Zahlen sind weit überhöht. Sie wurden nicht mit jenen anderer Marktteilnehmer verglichen”, so Dichand.

“Medienkorruption” und “Sumpf”

Auch Andreas Unterberger befasst sich äußerst kritisch mit der Praxis der Inseratenvergabe. Er selbst war lange Zeit im Journalismus tätig, darunter jahrelang als Chefredakteur der Zeitung “die Presse” und der “Wiener Zeitung”. Nun betreibt er einen journalistischen Blog und veröffentlicht seine Komentare auch auf Vienna.at. Sein Urteil über die Inserate ist klar: Es handle sich hierbei schlicht um “Medienkorruption”. Unterberger schreibt sich dabei gerne in Rage, spricht von “Sumpf” und “Bestechung”. “Mindestens zwei Zeitungen hätten ohne diese Inserate längst den Konkurs anmelden müssen”, so das Urteil Unterbergers.

Faymann / Heute – Inserate

Gibt es einen Ausweg?

Unterberger schlägt aber auch Lösungswege vor. Etwa, dass die Inhalte solcher Inserate zuvor vom Rechnungshof oder einer unabhängigen Kommission geprüft werden. Beispielsweise darauf, ob es sich um für den Bürger relevante Informationen handelt, die keine Assoziation zu einer Kampagne einer Partei erwecken. Denn die österreichische “Form der Bestechung scheinbar unabhängiger Medien durch Politiker mit Steuermitteln” sei einmalig unter westlichen Demokratien, und gehöre schlicht abgestellt.

(Red.)

Medientransparenz: So werben öffentliche Stellen. Diese Grafiken wurden von den Standard-Kollegen erstellt.



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