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Hm hm hm

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel

Sprache im heutigen Sinn spricht der Mensch seit höchstens 125.000 Jahren, mindestens 40.000 Jahre. Nicht gerade lang. Wie auch immer, seit jeher hat der Volk sein Maul nicht gehalten. Als er der Sprache noch nicht mächtig war, hat er gerufen, geschrieen, gestöhnt, geseufzt, gejohlt, gejauchzt, gebrummt, gerülpst, geschmatzt, gepfiffen, geknurrt, geschnarcht, gepiepst, geröhrt, geheult, gegrunzt, ge‘hät und ge‘hmt. HÄ. HM. Daraus entwickelte der Volk die Sprache. Eines schönen Höhlentages muss er wohl plötzlich „ma“ gesagt haben, dann zweimal „ma“ und „Mama“ war geboren. Ma bedeutet alemannisch Mann. Mama setzt sich demnach aus zwei Männern zusammen. MaMa Eine Mama sind also zwei Männerstärken. Oder: Ein Mann ist erst die Hälfte einer Mama. Am Marktplatz, an der Bar, beim Schmalgespräch (smalltalk), an der Theke wird heute ge‘hät und ge‘hmt. Vor drei Wochen drangen mir in der zehntausend Jahre alten Bürser Schlucht mit ihrem urwaldähnlichen Baumbestand Ge‘hä, Ge‘hm und mehr ans Ohr. Ich wendete meinen Kopf in die Richtung, aus der die Laute kamen und sah an der Alvier eine Gruppe von großen Zweibeinern lautmalend herumkraxeln. Neandertaler? Es waren Holländer.
Der dänische Linguist Otto Jespersen nahm an, dass die Sprache im Ursprung kein erkennbares grammatisches System besaß. Sie habe am Anfang aus einzelnen Klangstücken bestanden, die jeweils eine komplette Situation erfassten, etwa „Kommt, lasst uns Mammut jagen“ (wiki). So eine Äußerung war nicht zerlegbar. Man konnte nicht einfach Mammut durch Antilope ersetzen, die anderem Worte gleich lassen und damit einen neuen Sinn bekommen. Wenn etwas weggenommen wurde, ergab das Ganze keinen Sinn mehr. Das „Mammutjagen“-Sprachklangstück gehörte zusammen und funktionierte nur als Ganzes. Herr Jespersen vermutete, dass es sich bei diesen frühen menschlichen Lautgebilden um Gesänge handelte, die mit der Zeit immer ausgefeilter wurden, Bedeutung bekamen und Wörter wurden. Es wäre einen Versuch wert, das heute auszuprobieren, zum Beispiel im Amt oder am Marktplatz, wo ohnedies Reste davon zu vernehmen sind.

Wenn Jespersen (1860 – 1943) Recht hätte, lernte der Mensch schon damals nach der Ganzheitsmethode, allerdings über Jahrtausende. Einen weiteren Gegenstand seiner „männlichen“ Forschungen bildete der Unterschied im Sprachgebrauch von Frauen und Männern. Jespersen vertrat die zu seiner Zeit nicht untypische These, dass Frauen eine einfachere Sprache benutzten. Ts ts ts. Seiner Ansicht nach würden Frauen kürzere Sätze bilden, hätten einen geringeren Wortschatz und einen weitaus einfacheren Satzbau. Hä? Hinzu komme eine angeborene Scheu vor derben Formulierungen. Hm hm hm. Was sagt Mama? „Ma!“

zanzen
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