Hitler und die Drogen

©Screenshot Reuters
Der deutsche Schriftsteller Norman Ohler attestiert in seinem neuen Buch "Der totale Rausch - Drogen im Dritten Reich" Adolf Hitler und seiner Wehrmacht massiven Drogenkonsum.

Die Nazis zeichneten in ihrer Propaganda gerne das Bild vom sportlichen, naturnahen und abgehärteten Deutschen. Wenig bekannt ist allerdings, dass damals in Deutschland der Drogenkonsum weit verbreitet war. Schon vor der Nazi-Zeit war der Gebrauch von starken Drogen weitaus weniger von Tabus und Strafgesetzen eingeschränkt als heute.

Doping für den Führer

Auch der Führer des Reiches, Adolf Hitler, war vor den Versuchungen moderner Drogen nicht gefeit. Der Schriftsteller Norman Ohler studierte die Aufzeichnungen des Leibarztes von Hitler, Theo Morell, und war von deren Inhalt überrascht. Offensichtlich, so Ohler, sei es Hitler eher um Doping und weniger um Gesundheit gegangen. Aus den Aufzeichnungen des Arztes gehe hervor, dass die bevorzugte Behandlungsmethode die Spritze gewesen sei.

“Die Tage die er beschrieben hat, das sind über 800, da hat er elfhundert Mal eine Spritze gesetzt. Also mehr als eine pro Tag. Wenn man sagen würde, dass Hitler süchtig war, dann könnte man auf jeden Fall zunächst mal feststellen, dass er morellsüchtig war. Hitler ist morgens aufgestanden und dann kam erst mal der Morell und hat ihm eine Spritze gesetzt, damit er sozusagen, so wie wir eine Tasse Kaffee trinken, überhaupt aus den Federn kam.”

Im Rausch in die Vernichtung

Was zunächst mit Vitaminspritzen begann, steigerte sich zu Beginn des Krieges zu einem Doping mit Steroiden. Im Sommer 1943 ist in den Aufzeichnungen der erste Einsatz von Eukodal verzeichnet, einem auf Opium basierenden Präparat, dass wie Heroin wirkt.

Zu gleicher Zeit häufen sich die Niederlagen der Wehrmacht an der Ostfront, im Luftkrieg, im Atlantik und in Nordafrika. Der Schriftsteller sieht einen wenig medizinischen Zusammenhang. Gezielt vor Besprechungen mit den Generälen, so hält Morell fest, sei das Eukodal zum Einsatz gekommen.

“Wenn man Eukodal, 0,2 Gramm in die Vene gespritzt bekommt, dann geht es einem extrem gut, und dann kann mann eine Lagebesprechung mit Generälen, die einem gerade erklären wollen, dass der Krieg verloren geht, locker überstehen, denn es geht einem so gut, dass man auch diese Generäle natürlich überzeugen kann, dass die etwas nicht sehen, was man selbst sieht.”

Ohler glaubt nicht, dass aufgrund seiner Darstellung Geschichte umgeschrieben werden müsse. Die totale Niederlage des Dritten Reiches müsse nicht anders oder neu erklärt werden, denn Ohler habe sich auf Dokumente bezogen, die längst in der Forschung Eingang fanden.

(Reuters)

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