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Hisbollah-Chef in der Öffentlichkeit

Der Führer der radikal-islamischen Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, ist am Freitag erstmals seit dem Libanon- Krieg wieder in der Öffentlichkeit aufgetreten.

Bei einer Großkundgebung seiner Bewegung in Beirut lehnte er vor hunderttausenden Anhängern eine Entwaffnung seiner Organisation ab. Zugleich wandte er sich gegen die Aussage der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, das deutsche Marinekontingent im Libanoneinsatz diene der Sicherheit Israels. Nasrallah war vor mehr als zwei Monaten im Libanonkrieg untergetaucht.

„Der Widerstand ist heute stärker als je zuvor“, sagte Nasrallah in seiner mehr als einstündigen Rede. Die Hisbollah („Partei Gottes“) habe einen „historischen und strategischen Sieg“ über Israel errungen. Seine Bewegung verfüge über mehr als 20.000 Raketen. Hunderttausende Anhänger jubelten dem 46-jährigen Anführer der schiitischen Miliz zu.

Der Hisbollah-Führer war mit dem Ausbruch des militärischen Konfliktes mit Israel am 12. Juli in den Untergrund gegangen. Israel hatte angekündigt, Nasrallah trotz der seit dem 14. August geltenden Waffenruhe weiter zu jagen. Ein hochrangiger Israeli, der nicht genannt werden wollte, nannte die Äußerungen Nasrallahs „lächerlich“. Nasrallahs Vorgänger Abbas al-Moussawi war 1992 gemeinsam mit seiner Frau und seiner dreijährigen Tochter bei einer Hisbollah-Kundgebung durch einen israelischen Luftangriff getötet worden.

Der Hisbollah-Chef griff die deutsche Kanzlerin Merkel in seiner Rede scharf an. „Sie (Merkel) sagt, ihr Ziel sei es, Israel zu schützen“, donnerte Nasrallah in die Menge, die ihm bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem 12. Juli in Sprechchören zujubelte. „Aber ich sage ihr“, fuhr er fort, „selbst wenn sie die See, den Luftraum und das Land überwachen, unsere Bewegung wird dadurch nicht geschwächt.“

Die Deutschen sollen als Teil der UN-Friedenstruppe UNIFIL das Seegebiet vor der libanesischen Küste überwachen und den Waffenschmuggel in den Libanon verhindern.

An die Israelis gewandt, deren Militär angegeben hatte, den Großteil der weiterreichenden Raketen der Hisbollah zerstört zu haben, sagte er: „Ich kann ihnen versichern, dass wir unsere militärische Infrastruktur erneuert haben.“

Der Hisbollah-Führer war nach Ausbruch der Kampfhandlungen, die durch die Verschleppung zweier israelischer Soldaten durch Hisbollah-Kämpfer ausgelöst worden waren, in den Untergrund gegangen. Israel hatte ihm gedroht, auch ihn persönlich als militärisches Ziel zu betrachten. Seitdem hatte er sich in Fernseh-Botschaften an die libanesische und internationale Öffentlichkeit gewandt. Israel nahm die Warnung bisher nicht zurück.

„Sie haben uns gedroht, diese Tribüne zu bombardieren, und ihr habt euch als mutig erwiesen“, rief er seinen Anhängern zu. „Vor euch zu stehen, bedeutet eine große Gefahr für euch und für mich. Aber ich habe mich geweigert, diese Rede über den Fernsehschirm zu halten, und möchte trotz der Gefahr direkt zu euch sprechen.“

Die libanesische Regierung will indessen die Hisbollah-Miliz in eine Brigade der Streitkräfte integrieren und im Südlibanon einsetzen. Diese Brigade „könnte unter Kontrolle der Armee eine Rolle beim Schutz der Dörfer im Süden haben“, sagte Verteidigungsminister Elias Murr der Pariser Zeitung „Le Monde“ (Samstag). Er wolle Hisbollah-Führer Nasrallah glauben, dass die Waffen seiner Miliz dem Schutze des Libanons dienten und „keine Karte des Irans“ seien.

Die israelische Armee setzte ihren Rückzug aus dem Süden Libanons fort. Die Soldaten begannen mit der Räumung der Grenzstadt Nakura und der Region Mais al-Jabal an der libanesisch-israelischen Grenze, wie der Chef der UN-Truppen im Libanon, der französische General Alain Pellegrini, mitteilte.

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