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Hirten und Herden wieder daheim

Mellau. So schnell ihn die noch kurzen Füße tragen marschiert Jakob durch den feinen Nieselregen. Auf dem Kopf einen zünftigen Älplerhut und an der Hand ein Minipony, das den Buben durch den Sommer auf der Alpe „Falz“ oberhalb von Schoppernau begleitet hat. Im hinteren Bregenzerwald ging der Alpsommer heuer nass und kalt zu Ende.

Am Samstag ging es für Jakob, seine Familie und 75 Stück Vieh wieder zurück ins Tal. Alpmeister Ludwig Metzler resümiert dankbar: „Es war eine gute Zeit.“ Alpabtrieb im Bregenzerwald. Das hat noch etwas von Tradition. Zumindest, wenn das Wetter schlecht ist. „Da kommen die, die zu einem solchen Anlass passen“, meint eine resolute Mellauerin und deutet auf ein paar Bäuerinnen, die ihre Produkte verkaufen. Dazu noch ein paar Verpflegungsstände: mehr nicht. Kein lauter Marktrummel, keine aufgesetzte Fröhlichkeit. Stattdessen gespanntes Warten.

Eingefleischte Älpler

Schon um neun Uhr füllen sich die Gehsteige im Dorfzentrum. Immer wieder der Blick zur Kirchturmuhr. Kinder quengeln. Papas trösten: „Jetzt kommen sie dann bald.“ Es ist kurz vor zehn, als die regenschwere Luft blechernen Glockenklang durch das Dorf trägt. Die erste Partie hat ihr Ziel erreicht. Hirten und Tiere tragen kunstvoll arrangierte Blumenkränze. Ein gutes Zeichen. Der Alpsommer verlief unfallfrei. Die Herde wird zum Liftparkplatz gelotst. Dort warten schon die Besitzer. „Hin und wieder kommt es vor, dass ein Bauer die falsche Kuh erwischt, aber bis zum Schluss hat jeder die richtige“, erzählt Josef schmunzelnd und macht sich auf die Suche nach seiner „Schmelge“. Für rund 1500 Tiere ging an diesem nasskalten Samstag der Sommer zu Ende. Nicht zu früh, denn gestern fuhr der Winter schon seine weißen Krallen aus. Auch die „Falser“ packten aufgrund der schlechten Wetterprognose ein paar Tage eher ihre sieben Sachen. Kurz vor elf kommen sie in Mellau an. Um halb sieben haben sich Rosmarie Berchtold und ihre Buben Jakob, Clemens und Josef auf den Weg gemacht. Im Schlepptau 61 Rinder, elf Pferde und vier Ziegen. Die Berchtolds aus Andelsbuch sind eingefleischte Älpler. Einen Sommer im Tal könnten sie sich nur schwer vorstellen.

Langer Fußmarsch

Und ein Ende ohne traditionellen Abtrieb auch. Trotz eines komfortablen Güterweges, der bis vor die Alptüre führt. „Das gehört einfach dazu“, sagt Alpmeister Ludwig Metzler. Dafür nehmen Groß und Klein einen mehr als sechsstündigen Fußmarsch in Kauf. Denn die „Falzer“ müssen bis nach Andelsbuch. Die Polizei sorgt für Vorrang auf den Hauptstraßen. Gegen 13 Uhr sind Jakob, sein Pony und alle anderen wieder zu Hause. Durchnässt, aber glücklich. Und der nächste Alpsommer kommt bestimmt.

Marlies Mohr

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