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Hirscher reichte RTL-Rang sechs für 8. Gesamtweltcup-Sieg

Hirscher krönt Saison mit Gesamtwelcup-Sieg
Hirscher krönt Saison mit Gesamtwelcup-Sieg ©APA
Ski-Star Marcel Hirscher hat zum achten Mal in Folge den Gesamtweltcup geholt.

Dem 30-jährigen Salzburger reichte am Samstag im Riesentorlauf von Kranjska Gora ein sechster Platz, um sich die große Kristallkugel für den besten Athleten bereits fünf Rennen vor Schluss zu sichern. Die kleinen Kugeln für Slalom und Riesentorlauf hatte der zweifache Olympiasieger schon zuvor gewonnen.

Der Sieg am Samstag ging an den Norweger Henrik Kristoffersen, der vor seinem Landsmann Rasmus Windingstad (+0,24 Sekunden) und dem Schweizer Marco Odermatt (0,56) triumphierte. Hirschers letzter verbliebener Konkurrent im Kampf um den Gesamtweltcup, Alexis Pinturault, landete unmittelbar vor Hirscher, der in der Entscheidung vom vierten auf den sechsten Platz zurückfiel auf Rang fünf (0,87). Hirscher fehlten 0,92 Sekunden auf den Sieger.

Endstand in Kranjska Gora – Top 10

  • 1. Henrik Kristoffersen (NOR) 2:26,63 Min.
  • 2. Rasmus Windingstad (NOR) 2:26,87
  • 3. Marco Odermatt (SUI) 2:27,19
  • 4. Cedric Noger (SUI) 2:27,49
  • 5. Alexis Pinturault (FRA) 2:27,50
  • 6. Marcel Hirscher (AUT) 2:27,55
  • 7. Loic Meillard (SUI) 2:27,66
  • 8. Trevor Philp (CAN) 2:27,68
  • 9. Zan Kranjec (SLO) 2:27,77
  • 10. Manuel Feller (AUT) 2:27,85

Theoretisch könnte Pinturault in den ausstehenden Rennen noch 500 Punkte sammeln. Er hat allerdings angekündigt, beim Weltcup-Finale in Soldeu in der Abfahrt nicht anzutreten, weshalb Hirscher die 485 Punkte Vorsprung fix reichen werden. Hirscher hält nun bei insgesamt 20 Kristallkugeln, er stellte den Rekord der US-Amerikanerin Lindsey Vonn ein. Neben den acht großen, gewann Hirscher auch je sechs kleine Kristallkugeln in Riesentorlauf und Slalom. Zweitbester Österreicher am Samstag wurde Manuel Feller mit Rang zehn.

Bisherige Erfolge von Marcel Hirscher
Bisherige Erfolge von Marcel Hirscher ©APA

Reaktionen auf achten Gesamtweltcupsieg

Hirscher (Sechster in Kranjska Gora): “Es ist, soweit ich rechnen kann, mehr oder weniger alles entscheiden. Und trotzdem – ich bin Rennfahrer, und das mit Leidenschaft. Das heute war für meine Verhältnisse nichts, darum bin ich enttäuscht, das ist gar keine Frage. Aber hoffentlich kann ich es morgen besser machen. In zehn Minuten, glaube ich, ist die Freude dann riesengroß über eine gewaltige Saison, die schön langsam zu Ende geht. Das kann man eigentlich gar nicht in Worte fassen. Der Sport ist nach wie vor wahnsinnig faszinierend und spannend. Wenn ich mir vorstelle: Auf der einen Seite riesengroße Freude, auf der anderen Seite Mega-Enttäuschung, dass ich nicht performen habe können. Es bleibt und ist Lebensschule für immer.”

Alexander van der Bellen (Bundespräsident): “Marcel Hirscher ist ein sportlicher Teufelskerl! Acht Weltcupgesamtsiege hintereinander! Das ist ungeheuer beeindruckend und macht ihm wohl so bald niemand nach. Er ist damit ein wichtiger Botschafter Österreichs in der Welt und ein Vorbild für viele junge Menschen. Herzliche Gratulation zum achten Weltcupgesamtsieg.”

“Unfassbar, wie die Zeit vergeht”

Marcel Hirscher hievt sich in immer größere Höhen. Bei der WM in Aare krönte er sich mit Slalom-Gold zum erfolgreichsten Alpinskiläufer bei Welttitelkämpfen, in Kranjska Gora brachte er zum achten Mal den Gesamtweltcup auf die Habenseite. Im Slalom und Riesentorlauf hatte er bereits zuvor zum jeweils sechsten Mal zugeschlagen. Mit nun 20 Kugeln zog er mit Rekordhalterin Lindsey Vonn (USA) gleich.

Der letzte Gesamtweltcupsieger vor Hirscher war 2011 der Kroate Ivica Kostelic, daran konnte sich der Salzburger spontan überhaupt nicht mehr erinnern. “Volksschule und Hauptschule zusammen, das ist eine lange Zeit”, verdeutlichte Hirscher die Zeitspanne seiner Vormachtstellung. “Unfassbar, wie die Zeit vergeht.” Neben ihm ist mit dem Schweizer Carlo Janka (2010) nur noch ein weiterer Gesamtweltcupsieger aktiv.

“Zwei kleinen Kugeln extra”

Besonders freuen den 30-jährigen Hirscher auch “die zwei kleinen Kugeln extra”. Jene im Riesentorlauf ist ihm stets ein besonderes Anliegen. “Es sind heuer coole Rennen zustande gekommen. Alta Badia wird mir auf ewig in Erinnerung bleiben. Das war ein Wow-Erlebnis.” Es war sein sechster Sieg dort in Folge, er hatte den zweitplatzierten Franzosen Thomas Fanara um 2,53 Sekunden auf Distanz gehalten.

Dass sich seine Karriere jemals so entwickeln würde, hatte Hirscher nie für möglich gehalten, das hat er schon oft betont. Als sie dann im Laufen war, wagte aber auch der Annaberger Ausblicke. “Als ich fünfmal den Gesamtweltcup gewonnen habe, da habe ich mir gedacht, ja vielleicht geht es noch ein- oder zweimal. Ich bin mir von Jahr zu Jahr sicherer geworden, wie ich das Ganze bewältigen kann.”

Das erste Jahr habe sich ergeben, das zweite sei eine harte Aufgabe gewesen, das dritte mehr oder weniger erzwungen. “Und dann ist es wieder leichter geworden und bergauf gegangen, weil ich mich an das Ganze gewöhnt habe, auch an das ganze Drumherum. Diese Saison war vielleicht sogar besser als die letzte.”

“Talent allein reicht nicht”

Für solche Erfolge brauche es den familiären Background und ein wahnsinnig gutes Team, erklärte Hirscher. Seines sei so lange an seiner Seite, man kenne sich so gut, dass es oft keine Worte mehr brauche. Willen, Talent und Fleiß allein würden es nicht ausmachen, es brauche die Kombination. “Talent allein reicht nicht, und viel arbeiten ohne Talent bringt dir auch nicht viel.”

Die Zukunftsentscheidung wird Hirscher erst wieder in den wärmeren Monaten treffen. Er wolle jetzt auch noch nicht klarer sehen, denn die Vorstellung auf nur noch ein paar Rennen “sei arg”. Er brauche jetzt ein, zwei Monate: “Was außer Frage steht, ist die große Liebe zum Sport. Das wird auf ewig sein.”

Elf WM-Medaillen

Mit elf Medaillen bei Weltmeisterschaften zog Hirscher heuer mit dem Luxemburger Marc Girardelli und dem Norweger Lasse Kjus gleich, nur noch der Norweger Kjetil Andre Aamodt (12) liegt vor ihm. An den Farben der Medaillen gemessen, thront er mit sieben Goldmedaillen und vier Silbernen nun vor Toni Sailer (7/1/0). Auf Weltcupebene fehlen dem vierfachen Welt-Alpinskisportler des Jahres und fünffachen Sportler des Jahres in Österreich mit 68 Siegen noch 18 auf die Bestmarke des Schweden Ingemar Stenmark.

Bei den Winterspielen im Februar 2018 in Pyeongchang machte der Absolvent der Hotelfachschule Bad Hofgastein, der sein erstes Weltcuprennen am 17. März 2007 als Junioren-Weltmeister im Riesentorlauf in Lenzerheide fuhr, die Karriere mit zwei Goldmedaillen rundum perfekt. Es waren wichtige Mosaiksteinchen im Erfolgspuzzle des Atomic-Piloten, an dem er aber immer noch kräftig zubaut.

Karriere-Ende noch offen

Wie lange Hirscher noch weiterfährt, ist offen. Sein Leben hat sich im vergangenen Jahr stark verändert. Im Juni heiratete er seine Langzeitfreundin Laura, Anfang Oktober wurden sie Eltern eines Buben. Es gäbe jetzt “mehrere Prioritäten”, er wolle seine Rolle als Familienvater “sehr ernst nehmen”. Deshalb hält Hirscher das Rahmenprogramm rund um die Rennen sehr knapp, erfüllt nur die Pflicht.

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