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Himmelreich

Sei froh, wenn du nichts hast, sagt der Volk. Kann man denn froh sein, wenn man nichts hat? Nichts macht froh, wenn mit Nichts eine Krankheit oder ein Furunkel gemeint ist. Der Volk meint damit, dass der, der nichts hat, nicht krank ist, weil er, wenn er nichts hat, gesund sein und deshalb froh sein soll. Hauptsach gsund, sagt der Volk ja auch. Es kann aber jemand nichts haben und trotzdem nicht froh sein darüber, dass er nichts hat. Z.B. sind unsere BettlerInnen nicht froh darüber, dass sie nichts haben, sonst würden sie nicht immer die Hand aufhalten, obwohl die Dornbirner StadträtInnen in langen Sitzungen für Nichts & wider Nichts herausgekriegt haben, dass nichts haben, keinen Grund abgibt, auf städtischem Grund etwas auf die Hand haben zu wollen. Uiii! Bei diesem Tages-Ordnungspunkt liefen die StadträtInnen blau an, sogar der Rote. Das Thema hat die RathausvordenkerInnen so bewegt, dass sie beschlossen, vorsichtshalber selber die Hand aufzuhalten – im Gemeindeblatt, nicht am Bahnhof -, um, in vermeintlicher Schläue, beim Volk für Sozialprojekte zu werben, damit die, die hier nichts haben, wenigstens was in Rumänien haben. Kriegen tun sie‘s aber erst dort. So, dachten sie, kämen sie vor dem eigenen und dem Bettelvolk halbwegs gut heraus, wenn sie „die Vertreibung aus dem Bahnhof“ anordneten. Diese richtungsweisende, genauer Richtung Osten weisende, humane Gesinnung ersannen sie bei geistigem Selbstbehalt. Im Rathaus von Schilda oder Abdera hätten sie’s nicht anders gemacht. Als aber die, die nichts haben und nicht einmal krank sind, weiterhin die Hand aufhielten, befahlen sie den Stadtpolizisten, den Ungehörigen eine Fahrkarte nach Rumänien in die Hand zu drücken, damit sie dort das vom Stadtrat in seiner Güte erdachte Bettelprojekt antreten können, auf dass sie in Rumänien wenigstens arm werden und krank. Ein Armer hat nämlich nicht nichts sondern mehr als nichts. Arm aber, sagt die Statistik, bleibt krank und reich ist gesund. Je höher die Kaufkraft, desto mehr Ärzte. Wer arm ist, muss lange warten oder weit fahren. Eine schwierige Sache ist das „nichts haben“, da kann man schon vom Lesen arm & krank werden. Die StadtbettlerInnen sagten sich aber, „lieber in Dornbirn nichts haben als in Rumänien das Dornbirner Himmelreich“ und blieben hier – und gesund. So wurde aus dem strategischen Denken der Stadträte ein Kreisverkehr, aus dem sie nicht mehr herausfanden, sodass sie im Fasching rechte Narren abgaben. Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich, schreibt die Bibel und an Matthäi am Letzten protokollierte das brave Dornbirner Stadtkämmererpärchen, was unverstanden geblieben, um die Beratung zu vertagen. Da stand zu lesen: 1. Nichts ist gesund. 2. Selig ist nicht jeder der gibt. 3. Arm macht krank. 4. Reich ist man selbst. 5. Rathaus und Rumänien sind himmelweit auseinander. 6. Bahnhof.

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