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"Hicke" will jeden Tag genießen

Er ist der Meistermacher des SK Rapid und jener Mann, der die Sterne der Champions League zurück nach Wien holte: Josef Hickersberger, der 57-jährige Cheftrainer des österreichischen Fußball-Rekordchampions.

Hickersberger sprach im Interview mit der APA vor dem Start der Millionenliga am Mittwoch gegen den FC Bayern im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion über seine Pläne, Erinnerungen und Ambitionen.

APA: Als Sie zu Rapid gekommen sind, hatte der Klub die schlechteste Platzierung der Vereinsgeschichte zu verkraften und jetzt stehen Meistertitel und Einzug in die Champions League zu Buche. Wie macht das der Josef Hickersberger?
Josef Hickersberger: “Es hat damals sehr vieles nicht gepasst. In der Mannschaft gab es Spieler aus verschiedenen Transferperioden und noch dazu musste das Budget des Spielerkaders im ersten Jahr um 20 Prozent reduziert werden, um nicht vielleicht das Schicksal des FC Tirol zu erleiden. Dass die finanzielle Sanierung und die sportliche Konsolidierung so schnell gehen, habe ich aber selber nicht erwartet. Umso schöner sind die jetzigen Erfolge.”

APA: Was sind die wichtigsten Gründe des Höhenflugs?
Hickersberger: “Das Präsidium und speziell Vereinschef Rudolf Edlinger haben mir das nötige Vertrauen entgegen gebracht. Auch in Phasen, als es für Rapid nicht so gut gelaufen ist. Noch dazu habe ich einige hochtalentierte sowie sehr intelligente Spieler bekommen, und gesehen welche Spieler von ihrer Einstellung her nicht für Rapid geeignet sind.”

APA: Haben sie bei ihrem Amtsantritt erahnen können, was mit Rapid passieren könnte?
Hickersberger: “Ich wollte unbedingt Rapid-Trainer werden. Die finanzielle Situation des Vereins ist mir erst nach nach einigen Wochen bzw. Monaten klar geworden. Aber ich habe mir vorgenommen, jeden Tag bei Rapid zu genießen, egal ob in schwierigen oder schönen Zeiten.”

APA: Was war der Tiefpunkt?
Hickersberger: “Als in einer schlechten Phase beim Abschlusstraining vor einer Partie gegen die Admira meine Spieler von den Fans bedroht wurden. Für den Fall einer Niederlage wurden ihnen Prügel in Aussicht gestellt.”

APA: Relativiert das die Begeisterung des Publikums rund um den Rekordmeister?
Hickersberger: “Die Fans haben einen ganz wichtigen Beitrag zum Titel geleistet. Der sportliche Erfolg und die finanzielle Gesundung wären ohne sie nie möglich gewesen. Ich kann das richtig einordnen, doch nicht alle Fans sind auch in schwierigen Zeiten hinter uns gestanden.”

APA: Wie sind die Erwartungen in der Champions League?
Hickersberger: “Wir sind krasser Außenseiter. Aber wir haben die Qualität, um auch auf höchster internationaler Ebene Spiele zu gewinnen. Die Zielsetzung ist aber sehr schwierig, weil die Gruppenphase fast drei Monate dauert und unsere Personalsituation schwer einzuschätzen ist. Wenn sich keine Stammspieler verletzen, dann bin ich überzeugt, dass wir mehrere Punkte machen werden. Ein Aufstieg erscheint genauso utopisch wie eine Qualifikation für die Champions League oder der Meistertitel.”

APA: Was machen sie wenn ÖFB-Präsident Friedrich Stickler sie anruft und bittet, Teamchef zu werden?
Hickersberger: “Ich rechne nicht mit seinem Anruf. Selbst wenn, er wird mich nicht erreichen. Qualtinger hätte gesagt ‘Ich habe Aufgaben zu erledigen’. Ein Teamchef-Wechsel wird die Quantität der zur Verfügung stehenden Spieler nicht erhöhen. Es ist aber seine Pflicht, sich ein Bild zu machen, wer mögliche Alternativen sind. Ivica Osim wäre für mich ein sehr guter Teamchef und auch Herbert Prohaska könnte ich mir sehr gut vorstellen. Angeblich bin ich auch einer der Kandidaten.”

APA: Können sie sich auch eine Variante, wie in anderen Ländern, mit mehreren Betreuern für das Nationalteam vorstellen?
Hickersberger: “Nur weil etwas in Schweden, Deutschland oder England gut funktioniert, heißt es nicht, dass es auch in Österreich funktionieren muss. Die handelnden Personen müssten bei einer solchen Denkvariante sehr gut zusammenpassen.”

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