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Häftlinge organisierten aus Gefängnis heraus Drogenhandel

Zwei Häftlinge, die in der Justizanstalt Wien-Simmering langjährige Freiheitsstrafen verbüßen, sind am Donnerstag im Straflandesgericht wegen Suchtgifthandels zu jeweils 18 Monaten unbedingt verurteilt worden.

Die Männer hatten keine Schwierigkeiten, im Gefängnis Drogen “aufzustellen” und diese der Freundin des Jüngeren zukommen zu lassen. Die Frau ließ das erstklassige Heroin über einen Mittelsmann verkaufen, um damit ihre Schulden zu tilgen.

“Ich bin entsetzt, dass in einer österreichischen Justizanstalt so etwas überhaupt stattfinden kann. Dass das so einfach geht, ist schon sehr bemerkenswert”, stellte Richter Walter Stockhammer kopfschüttelnd fest.

Ausgangspunkt der Geschichte war die schwer kranke 26-jährige Frau, die an einer Niereninsuffizienz leidet und dreimal wöchentlich zur Dialyse muss. Mit ihrer geringen Pension fand sie nicht das Auslangen, zumal ihr Lebensgefährte 2008 wegen schweren Raubes eine sechsjährige Freiheitsstrafe aufgebrummt bekam und sie somit nicht mehr finanziell unterstützen konnte.

Als sie den 23-Jährigen im Gefängnis besuchte, klagte sie ihm immer wieder ihr Leid und schlug ihm schließlich vor, sie könne doch Drogen verkaufen. “Ich hab’s bei anderen gesehen und mir gedacht, ich probier’ es auch”, erläuterte sie nun auf der Anklagebank.

Ihr Lebensgefährte war zunächst alles andere als begeistert. Doch da sie nicht locker ließ, versprach er, sich umzuhören.

Dabei stieß er auf einen 33-jährigen Mithäftling, der in Simmering dreieinhalb Jahre wegen Suchtgifthandels “dunstet”. Der Profi ließ sich “aus Kumpanei” dazu überreden, dem Pärchen zu helfen, wie sein Verteidiger Rudolf Mayer darlegte.

Zunächst gelang es dem Dealer, aus dem Gefängnis heraus insgesamt 100 Gramm Heroin zu besorgen, wobei es sehr nützlich war, dass er in seiner Zelle verbotenerweise mit einem Mobiltelefon Ferngespräche führen konnte. Die erste Tranche übergab er der Frau sogar persönlich – er nützte einen Freigang, um sich an einer U-Bahn-Station mit der 26-Jährigen zu treffen und ihr 50 Gramm in die Hand zu drücken. Er legte ihr außerdem die “Rutsche” zu einem gewissen “Bobby”, der sich für die bisher gerichtlich völlig Unbescholtene als Verkäufer verdingte.

Der Freund der Frau erkundigte sich immer wieder telefonisch über den Fortgang der Geschäfte. Auch er verfügte hinter “schwedischen Gardinen” praktischerweise über ein Handy. “Es wäre wahrscheinlich sinnvoll, wenn sich die in Simmering einen Peilsender anschaffen würden”, witzelte der Richter.

“Ich hab’s nur aus Freundschaft zu ihr gemacht. Meine Freundin hatte wenig Geld, mir war wichtig, dass sie was hat”, gab der 23-Jährige zu Protokoll. In seinem Schlusswort ersuchte er um ein mildes Urteil für die Blondine.

Diese kam im Unterschied zu ihren mehrfach vorbestraften Mitangeklagten mit einer teilbedingten Haftstrafe von 14 Monaten, davon vier Monate unbedingt, vergleichsweise milde davon. Sämtliche Urteile sind bereits rechtskräftig.

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