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Heiligabend bei Bethlehem

Schwester Melitta und die behinderte Olah: Jede Betreuerin erwählt sich zu Beginn des Advents einen „Adventschützling“.
Schwester Melitta und die behinderte Olah: Jede Betreuerin erwählt sich zu Beginn des Advents einen „Adventschützling“. ©Haus Emmaus
Ganz nah am Ort der Weihnachtsgeschichte arbeitet eine Lochauer Missionarin.

Weit und breit ist das der einzige Weihnachtsbaum im Freien: Mit vielen bunten Kerzen geschmückt steht er vor dem „Haus Emmaus“ im Dorf Qubeibe in der von Israel besetzten Westbank. Hier betreuen Salvatorianerinnen alte, bettlägrige Frauen und körperlich und geistig Behinderte. Seit 2004 widmet sich auch die gebürtige Lochauerin Melitta Kaufmann dieser Aufgabe.

Das biblische Emmaus

Gelandet ist sie auf historischem Boden. Nimmt doch das kleine Palästinenserdorf für sich in Anspruch, das biblische Emmaus zu sein, wo dem Lukasevangelium zufolge der auferstandene Christus zwei Jüngern erschienen ist. Heute schließt die israelische Sicherheitsmauer Qubeibe und zehn weitere Dörfer vollständig ein. „30.000 Menschen sind davon betroffen“, erzählt die Lochauer Missionarin von der radikal eingeschränkten Bewegungsfreiheit. 1962 trat Melitta Kaufmann in Wien in den Orden ein und wurde berufsbegleitend zur Kindergärtnerin und Pastoralassistentin ausgebildet. „Mein Wunsch, in die Mission zu gehen, schlummerte schon lang“, aber erst 2004 sandten die Salvatorianerinnen Melitta Kaufmann nach Palästina. „Beim Dienst an den 32 arabischen Heimbewohnerinnen helfen uns Volontärinnen, die meist aus Deutschland kommen, aber auch arabische Mitarbeiterinnen aus der Umgebung.“ In dem Pflegeheim leben auch geistig und körperlich Behinderte, „die dankbar sind, wenn sie liebevoll in den Arm genommen werden“.

Ausbildungsschiene

Als zweites Projekt der Hoffnung bieten die Schwestern seit vier Jahren eine Ausbildung zur Krankenschwester an, denn in den Krankenhäusern der Region wird dringend fachlich geschultes Pflegepersonal benötigt. In Zusammenarbeit mit der Universität Bethlehem konnten die ersten 21 Studierenden ihre vierjährige akademische Pflegeausbildung an der Pflegeschule erfolgreich abschließen. Wichtig ist Schwester Melitta, das gute Miteinander mit den Menschen in der überwiegend muslimischen Umgebung zu unterstreichen. „Wir respektieren die Menschen mit ihrer Religion voll und ganz, darum werden auch wir von ihnen als Christen voll angenommen.“ Dass zu Weihnachten muslimische Nachbarn zu Besuch kommen und Geschenke bringen, ist ganz normal. Die Kinder begrüßen vergnügt den Christbaum am Vorplatz. Obwohl die meisten Heimbewohnerinnen Muslime sind, wird am Heiligabend gefeiert: „Auf ihre Art, mit lauter Musik, Tanz und gutem Essen.“ Im Advent wird übrigens „gewichtelt“. Die Schwestern nennen das nur anders, sie wählen sich jeweils einen „Adventschützling“ aus und begleiten ihn mit Gebeten und kleinen Geschenken. Am Heiligabend löst sich dann das Rätsel, wer wessen Schutzengel gewesen ist. „Wer besonderes Glück hatte, hält eine Platzkarte für die Christmette in Bethlehem in Händen.“

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