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Haute Couture Schauen in Paris

Die Couture lebt: So lautet die Botschaft am Ende der Pariser Schauen der Hohen Schneiderkunst für Herbst/Winter 2007/8 am Donnerstag.   

Viele haben die Haute Couture in den vergangenen Jahren totgesagt. Sie als Relikt seltsamer Zeiten gesehen, als die Reichsten der Reichen zwei Mal im Jahr nach Paris flogen, um sich selbst die Unterwäsche auf Maß schneidern zu lassen.

Doch vier Tage Schauen mit eindrucksvollen Vorstellungen von Chanel, Givenchy oder Gaultier belegen das Gegenteil: Auch kostbare und aufwendige Couture-Modelle können modernen Frauen Spaß machen. Der Medienauftrieb war gewaltig, in den Sitzreihen saßen mehr Schauspielerinnen als jüngst bei den sonst populäreren Pret-a-Porter-Schauen, glanzvolle Feste und Cocktails im Rahmenprogramm taten das Ihrige.

„Die Haute Couture ist an einen Wendepunkt gelangt“, sagte Giorgio Armani vor seiner Schau am Mittwoch. Die Käuferinnen seien Frauen von heute. „Sie leben nicht mit Limousine und 5.000 Angestellten. Auch die Reichen sind heute anders.“ Der wohl berühmteste unter Italiens Designern hat sich deswegen eine zeitgemäße junge Couture als Ziel gesetzt. Armani hatte sich das Thema „Rockmusik“ vorgenommen – mit Rückgriffen auf die siebziger Jahre und David-Bowie-Glamour. Er selbst allerdings, räumte der 72-Jährige ein, habe diese unkonventionelle Zeit nicht wirklich mit gemacht. „Ich habe da schon wie ein Verrückter gearbeitet. Eigentlich schade!“

Allzu wild wurde es dann auch gar nicht in der Kollektion, die am Abend als letzter Höhepunkt mit großem Aufgebot gefeiert wurde. Schauspielerin Cate Blanchett saß neben einigen französischen Kolleginnen im Publikum. Rockige Glitzerhandschuhe, schillernde Stiefel, Neonfarben und bunte Feder-Umhänge mischten sich unerwartet harmonisch mit einer klassisch-eleganten Basis. Der Abend-Smoking mit hoch geschnittener schmaler Hose wird mit einer pinkfarbenen Bluse aufgepeppt, zur schwarzen Samtcorsage gibt es einen weiten, asymmetrisch geschnittenen Kuppelrock, glitzernd wie eine Disco- Kugel. Für den Tag zeigte Armani Ensembles mit Tulpen- oder Glockenröcken in verwischtem Paisley-Muster auf Kiwi-farbigem Grund, kombiniert zu Schwarz. Glänzende Echsenjacken komplettierten das Ganze.

Zuvor hatte Jean Paul Gaultier seine Entwürfe vorgestellt, mit Regisseur Pedro Almodovar und Schauspielerin Catherine Deneuve als Gästen. Dank des Themas „Prinzen und Maharadschas“ konnte Gaultier in üppigen Verzierungen schwelgen. Basis war ein auf Figur geschnittener Offizierslook, der auf fernöstliche und mitteleuropäische, schottische, bayerische oder urfranzösische Weise variiert wurde. Goldene Kordeln, glänzende Lamestoffe, Stickereien und wehende Leopardenumhänge verliehen dem Ganzen Pfiff.

Selbst Gaultiers fließende Seidenroben trugen Epauletten. Seine Braut am Schluss war ein Mann, ein orientalischer Prinz mit silbernem Turban, dem ein schönes Model im androgynen Gold-Anzug galant die Hand küsste. Das virtuose Spiel mit Gaultiers Lieblingsthema „Maskulin-Feminin“ riss nicht nur eine Gruppe eleganter Transvestiten im Publikum zu Schreien des Entzückens hin.

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