"Hätte mir erwartet, dass man mir eine Chance gibt"

Der Noch-Bürgermeister in Lech Stefan Jochum sprach in "Vorarlberg LIVE" über die Hintergründe seines Rücktritts.

Am Montagabend gab Stefan Jochum überraschend seinen Rücktritt als Bürgermeister von Lech bekannt - nur ein Jahr nachdem er das Amt antrat. "Ich wusste, dass es keine einfache Aufgabe wird", sagt der Noch-Gemeindechef am Dienstag in "Vorarlberg LIVE".

Es seien viele Dinge, die noch nicht gelöst worden seien. Das aktuelle politische System in der Arlberggemeinde - es sind vier Parteien in der Gemeindevertretung - sei gewöhnungsbedürftig. Aufgrund der stark eingeschränkten Wintersaison und des Betretungsverbot für die Beherbergungsbetriebe hätten auch viele Mandatare nicht arbeiten können. "Sie hatten viel Zeit, sich mit der Politik zu beschäftigen." Es habe regelmäßig vier bis fünf Sitzungen pro Woche gegeben.

Video: Jochum über die Schuldfrage

Dass die Schuld immer zuerst beim Bürgermeister gesucht werden, sei nicht verwunderlich, schließlich sei dieser auch verantwortlich, so Jochum. "Ich halte das aus. Bis zu einem gewissen Grad geht das." Er habe die Arbeit im Gemeindeamt gekannt, Jochum arbeitete vor seinem Bürgermeister-Antritt im Standesamt. Es sei jedoch sehr viel Widerstand gegen seine Person gekommen. "Ich hätte mir zumindest erwartet, dass man mir eine Chance gibt." Er sei zwar als Bürgermeister gewählt worden, habe jedoch den Eindruck bekommen, dass dies einigen Gemeindevertretern ein Dorn im Auge war. Reibereien seien ein "normaler Prozess", Jochum habe aber immer mehr das Gefühl bekommen, dass seine Kollegen nicht an einer Lösung interessiert sein. Über Monate hinweg habe er eine Sieben-Tage-Woche gehabt, Unterstützung sei ausgeblieben. "Vielleicht bin ich nicht so belastbar, dass ich das alles aushalte."

Video: Jochum über seine Enttäuschung

Jochum sagt im Gespräch mit VN-Chefredakteur Gerold Riedmann, dass das Dorf bereits im Wahlkampf gespalten war. "Ich dachte, dass ich mich gut einbringen kann. Es war eine Herkules-Aufgabe." Immer wieder sei er aber auch mit Angriffen aus den eigenen Reihen konfrontiert gewesen. Ohne eine Mehrheit in der Gemeindevertretung sei er immer auf andere angewiesen gewesen. Die Pandemie habe die Situation noch verschärft. "Das Miteinander hat gefehlt." In den Jahren zuvor habe man sich nach den Sitzungen noch zusammengesetzt und etwaige Konflikte beseitigt, dies sei im vergangenen Jahr ausgeblieben.

Neben Stefan Jochum waren auch WKO-Präsident Harald Mahrer und Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher zu Gast in "Vorarlberg LIVE".

Die gesamte Sendung

(VOL.AT)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg LIVE
  • "Hätte mir erwartet, dass man mir eine Chance gibt"
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen