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Haselsberger verpasste Finale

Österreichs erste Medaillen-Hoffnung bei Olympia in Athen hat sich Samstag-Vormittag früh zerschlagen - Luftgewehr-Schützin Monika Haselsberger verpasste den Einzug ins Finale knapp.

Nur Zehntel-Millimeter (!) fehlten bei vier der 40 Schüsse auf den Zehner, doch damit war der Traum von Edelmetall vorbei. Nach der Qualifikation war für drei von sechs Schützinnen mit je 396 Ringen Platz im Achter-Finale, doch die letzten Serien entschieden gegen die Tirolerin. Den Sieg in der ersten der insgesamt 301 Entscheidungen in Griechenland sicherte sich die Chinesin Du Li.

Haselsberger schoss vier Serien mit je 99 Ringen und erreichte damit vor den Augen von ÖOC-Präsident Leo Wallner und einiger mitgereister Fans ein gutes Ergebnis. Doch bei ihrem sechsten, 13., 25. sowie 38. Schuss leuchtete jeweils „nur“ die 9,9 auf der Anzeigetafel auf – das bedeutet im Vorkampf einen Neuner. Glück und Pech lagen dicht beisammen: Die Russin Tatjana Goldobina schoss zum Abschluss 10,2 und hatte damit ihren Finalplatz sicher. Doch Haselsberger gab sich nach außen hin keineswegs enttäuscht. „Es war cool, ich habe das Bestmögliche gegeben, andere waren eben besser.“ Es mache eben einen Unterschied, ob man Amateur oder so wie die meisten Konkurrentinnen Profi sei.

Immerhin übertraf die 27-jährige Scheffauerin das Vorrunden-Resultat von Sydney. „Ich habe 40 kontrollierte Schüsse abgegeben, habe mich sicher gefühlt“, erklärte die EM-Dritte. Wilhelm Schrempf, Betreuer der Athleten des Schützenbundes, bedauerte das knappe Scheitern. „Im April hat sie beim Weltrekord in Athen mit 400 Ringen Glück gehabt und dadurch erst die Wild Card für Olympia bekommen, diesmal hat ein Alzerl gefehlt.“ Während des Wettkampfes, der für Haselsberger knapp 40 Minuten dauerte, sind die Schützen „in einer anderen Welt“, wie es Schrempf ausdrückt. Der Puls steigt durch die mentale Belastung auf Werte bis 120, das Halten des 5,1 kg schweren Gewehrs erfordert viel Kraft.

Diese Belastung war Haselsberger beim drittletzten Schuss anzumerken. Sie setzte drei Mal ab, konzentrierte sich neu, doch das Ergebnis lautete auf 9,9. Ein Zehntelmillimeter weiter im Zentrum und der Finalplatz wäre ihr sicher gewesen. „Durch die psychische Anspannung ändert sich auch die Muskulatur“, meinte die junge Mutter und dankte allen Beteiligten für die Unterstützung.

Sie selbst könne mit dem Ergebnis gut leben, meinte sie. „Aber für mein Umfeld bin ich etwas traurig. Alle, die mich so stark unterstützt haben, tun mir Leid, weil ich es nicht geschafft habe.“ Der Olympia-Bewerb könnte der letzte wichtige in der Karriere der gelernten Zahntechnikerin gewesen sein. „Ich bin Mama und will mich auch voll um meinen Sohn Dominic kümmern. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel Energie in den Sport reinfließt“, erklärte Haselsberger, bei der auch nach dem Ausscheiden das Lächeln nicht verschwand. Die Schützin bleibt noch einige Tage in Athen: „Ich will das Leben im Dorf genießen, ich glaube, ich habe es mir verdient.“

Die Entscheidung um Gold fiel erst im allerletzten Durchgang des Finales. Während die 31-jährige Russin Ljubow Galkina, die bis zum letzten Schuss geführt hatte, Nerven zeigte und nur eine 9,7 verbuchte, schaffte die 22-jährige Weltrekordlerin Du eine 10,6 und eroberte damit noch Gold. „Das ist ein unglaubliches Gefühl und eine sehr große Ehre“, beschrieb die erste Olympiasiegerin von Athen ihre Emotionen nach dem Triumph. Bronze ging an die Tschechin Katerina Kurkova.

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