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Handelsangestellte demonstrieren in Wien und Salzburg für mehr Gehalt

Gewerkschaft will Gehaltsplus von 11 Prozent.
Gewerkschaft will Gehaltsplus von 11 Prozent. ©APA
Die diesjährigen Kollektivvertragsverhandlungen bergen viel Zündstoff. Nach unterbrochenen Gesprächen bei den Metallern wird dort nun gestreikt. Im Handel demonstrierten am Dienstag über 1.500 Beschäftigte in Wien und Salzburg für mehr Gehalt.

Die Gewerkschaft ist mit der Forderung nach einem Gehaltsplus von 11 Prozent in den Ring gestiegen, von den Arbeitgebern im Handel liegt noch immer kein Angebot vor. Die nächste KV-Runde bei den Händlern ist am Donnerstag.

Gewerkschaft fordert 11 Prozent Gehaltsplus

"Hier geht es um Beschäftigte mit einem Bruttogehalt von 2.000 Euro bei Vollzeit, darunter sehr viele Frauen, die in Teilzeit arbeiten. Die Betroffenen brauchen eine Gehaltserhöhung, weil sie im Unterschied zu den Arbeitgebern keine Möglichkeit haben, die Kostensteigerung irgendjemandem weiterzugeben", sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft GPA, Barbara Teiber. Einmalzahlungen statt einer nachhaltigen Erhöhung wären in einem Jahr mit hoher Inflation ein sehr schlechtes Geschäft, weil ein Beschäftigter dadurch zehntausende Euro im Lebenseinkommen verlieren würde, so Teiber.

Rückläufige Umsätze, steigende Insolvenzen

Der Handel verweist auf rückläufige Umsätze, sinkende Beschäftigungszahlen und einen Anstieg der Pleiten. "Wir haben eine katastrophale Entwicklung im Handel, es zieht sich quer durch, auch wenn es gewisse Unterschiede nach Handelsbranchen gibt", sagte Arbeitgeber-Chefverhandler und Handelsobmann Rainer Trefelik am Dienstag bei einem Pressegespräch. "Defacto haben wir seit drei Jahren eine Krise im Handel."

Im ersten Halbjahr habe es im Handel 483 Insolvenzen gegeben, womit die Branche die Pleitenstatistik anführte, räumte Trefelik ein. Namhafte Händler wie Kika/Leiner, Forstinger, Gerry Weber, Reno oder die Sport-2000-Genossenschaft Zentrasport mussten heuer bereits Insolvenz anmelden. Von Jänner bis September verzeichnete der Einzelhandel in Österreich gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres ein reales Minus von 3,5 Prozent, gab die Statistik Austria kürzlich bekannt. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten habe sich im Vergleich zum Vorjahr um 1.700 verringert - "und wir befürchten, dass das noch nicht das Ende dieses Trends ist", so Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.

Einmalzahlungen statt Gehaltserhöhungen?

"Ich erwarte mir, dass die Gewerkschaft in der kommenden Verhandlungsrunde bereit ist, einen Schritt auf uns zuzugehen", sagte Trefelik. "Kreative Lösungen heißt natürlich auch Einmalzahlungen. Damit ist den Unternehmen in der aktuell sehr angespannten Ertragslage geholfen, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren", so der Arbeitgebervertreter. Die Gesamtforderung der Gewerkschaft belaufe sich heuer auf 14 Prozent, rechnete Trefelik vor. Er sprach von 11 Prozent als Basisforderung und addierte "Nebenforderungen" wie etwa plus 25 Prozent für Lehrlinge. Der kleine Händler am Eck könne die erhöhten Kosten nicht einfach weitergeben.

Gewerkschafterin Teiber sieht das anders. Die Arbeitgeber würden auch eine gesamtwirtschaftliche Verantwortung tragen. "Wenn es zu keinen realen Gehaltserhöhungen kommt, dann droht ein Einbruch der Inlandsnachfrage und es wird zu keiner Konjunkturerholung kommen, das wird wieder auf den Handel zurückfallen", so Teiber.

(APA)

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