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Hamburg: Motassadeq im inneren Zirkel von Atta

Der erste Zeuge im neu aufgerollten Hamburger Terrorprozess gegen den Marokkaner Mounir El Motassadeq hat den Angeklagten zum engeren Kreis der Gruppe um Todespilot Mohammed Atta gerechnet.

Allerdings sei Motassadeq keine Führungspersönlichkeit gewesen, sagte der 23 Jahre alte Student Shahid N. am Dienstag vor Gericht aus. Der Zeuge hatte von 1997 bis 1999 Kontakt zu der späteren Todespiloten vom 11. September 2001.

Shahid N. war damals als Oberschüler nach eigenen Angaben zufällig zu der Gruppe gestoßen, weil er als Sohn eines Deutschen und einer Moslemin mehr über den Islam erfahren wollte. Atta habe ihn und andere Islam-Neulinge unterrichtet. „Er war sehr strikt“, sagte der junge Mann.

Nach seinen Worten gehörte Motassadeq zwar zum inneren Kreis um Atta, wozu er auch Ramzi Binalshibh, Marwan al Shehhi und Said Bahaji zählte. Allerdings könne er sich an keine genauen Aussagen von Motassadeq zum Thema Dschihad erinnern. „Motassadeq war nicht die Führungspersönlichkeit“, sagte er. Er habe aber ähnlich gedacht wie die übrigen Männer des Kreises aus der Marienstraße in Hamburg-Harburg.

Die Gruppe habe sich im Lauf der Jahre „immer mehr abgekapselt“, sagte der Zeuge weiter. „Es ging nur noch um Dschihad“, erinnerte er sich. Er selbst habe sich schließlich abgewendet: „Ich konnte nicht mehr hören, dass die Juden immer Schuld sind“, sagte er.

Über die konkrete Anschlagspläne hat der Zeige nach eigenen Angaben nichts gewusst. Er berichtete aber über Pläne, in Tschetschenien oder dem Kosovo zu kämpfen, oder nach Afghanistan zur Waffenausbildung zu gehen: „Ich habe mitgekriegt, dass sie etwas in dem Bereich vorhatten“, sagte er.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Elektronikstudenten Motassadeq Beihilfe zum Mord in mehr als 3.000 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Er war bereits im Februar 2003 vom OLG zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil aufgehoben und zurückverwiesen. Die Obersten Richter bemängelten, dass dem OLG die wichtige Zeugenaussage des mutmaßlichen Drahtziehers Binalshibh nicht vorlag.

In der Anklage hieß es, Motassadeq habe die Ansichten der Atta-Gruppe geteilt und ihnen bei den Vorbereitungen für die Terroranschläge vom 11. September geholfen. „Der Angeklagte war von Beginn an in die Hamburger terroristische Vereinigung eingebunden“, erklärte Oberstaatsanwalt Matthias Krauß.

Der 30 Jahre alte Marokkaner sei einer der Statthalter der Todespiloten gewesen, sagte Krauß weiter. Motassadeq soll für die Todespiloten Überweisungen abgewickelt haben, während die späteren Täter in den USA ihre Pilotenausbildung bekamen. Der Angeklagte gibt zu, die Männer um Atta gekannt zu haben. Er sagt aber, er habe nichts über Anschlagspläne gewusst und nur aus Freundlichkeit geholfen.

N. gab am Dienstag an, Atta sei der Strengste und Entschiedenste in der Gruppe gewesen. In den Gesprächen sei es darum gegangen, „dass Selbstmordattentate legitim wären, und dass die Juden die Finanz- und Medienwelt unter Kontrolle hätten“, erinnerte sich der Zeuge. Ende 1999 trennte sich der Zeuge von der Gruppe, da er sich dort nach eigenen Angaben nicht mehr wohlfühlte.

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