Hässliches Gesicht der Manipulation wird offenbart

Dass Fußball-Österreich in puncto Spielmanipulation keine Insel der Seligen ist, ist spätestens seit den Prozessen gegen den kroatischen Wettpaten Ante Sapina bekannt. Die offensichtliche Erpressung von Grödig-Kicker Dominique Taboga unter Androhung von Gewalt offenbart nun aber das besonders hässliche Gesicht der kriminellen Eingriffe in den Sport.


Noch sind die genauen Hintergründe der Erpressung unbekannt, dass damit im Zusammenhang auch tatsächliche Spielmanipulationen stehen, ist etwa keineswegs bekannt. Dass freilich erstmals ein aktueller Bundesligaakteur als Opfer involviert ist, dem – wie bisher nur aus anderen Ländern bekannt – auch Gewalt angedroht wurde, ist aufsehenerregend. Dass es sich beim Erpresser um Sanel Kuljic und damit einen ehemaligen ÖFB-Teamspieler handeln soll, verleiht der Angelegenheit eine noch größere Brisanz.

Bisher, nämlich in der Vorwoche, hat es lediglich einen ehemaligen Bundesligaspieler getroffen, der zuletzt bei einem burgenländischen Club (5. Leistungsstufe) unter Vertrag stand. Er gab einen Manipulationsversuch zu und wurde vom zuständigen burgenländischen Landesverband unbeschadet eines zusätzlich möglichen strafrechtlichen Verfahrens gesperrt – aufgrund des Geständnisses für reduzierte sechs Monate. Gegen einen weiteren Ex-Profi läuft derzeit noch ein Verfahren in der Steiermark.

Sowohl Ermittlung als auch Beweisführung sind in Verdachtsfällen denkbar schwer. “Dass nach Jahren umfassendster polizeilicher Ermittlungsarbeit letztendlich vom ÖFB nur zwei konkrete Fälle verfolgt werden können, zeigt die Schwierigkeit und Komplexität der Materie”, meinte dazu etwa Thomas Hollerer, Direktor für Recht und Administration beim ÖFB.

Viel Verdächtiges, aber wenig Greifbares hatten in Bezug auf Österreich zuvor schon die Sapina-Enthüllungen gebracht, bei denen die Namen von Kapfenberg, Vienna und Hartberg mehrfache Erwähnung fanden. Im Februar 2012 war es dann der Aufschrei der europäischen Polizeibehörde Europol, die auch hierzulande die Aufmerksamkeit für das Thema Matchfixing schärfte. Ein für zumeist in Asien beheimatete Wettpaten samt europäischen Mittelsmännern ebenso lukratives wie vergleichsweise ungefährliches Geschäftsfeld.

Das Urteil gegen den nunmehrigen Amateurkicker von vergangener Woche war die erste Verurteilung in Österreich, wo lange Zeit – wie in vielen anderen Ländern – das Problem der Spielmanipulation nicht als solches identifiziert wurde. Das hat sich inzwischen geändert. Von Weltverbandspräsident Sepp Blatter (“größte Gefahr und größte Geisel für den Fußball”) bis zu ÖFB-Präsident Leo Windtner (“Spielmanipulation ist ein Übel, das den Sport in seinen Grundfesten zu erschüttern droht”) haben die führenden Sportfunktionäre dem Matchfixing den Kampf angesagt.

In welchem Umfang die ergriffenen Maßnahmen greifen, bleibt freilich abzuwarten. 2012 wurde im Bundeskriminalamt eine Task Force “Matchfixing”eingerichtet. Auf ermittlungstechnischer und rechtlicher Ebene wünschen sich die Ermittler jedenfalls nach wie vor Verbesserungen, betroffene Verbände wiederum klagen über die schwierige Zusammenarbeit mit den Behörden.

Als präventive Maßnahme wurde von ÖFB, Bundesliga und Sportministerium ebenfalls 2012 der Verein “Play Fair Code” gegründet. Er soll mit eigenen Schulungsprogrammen den Spielern vermitteln, dass Matchfixing kein Kavaliersdelikt ist. Für Sanel Kuljic kommt das freilich zu spät.

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