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Gwyneth Paltrow ist "Besessen"

In ihrem neuen Film "Besessen" begibt sich Gwyneth Paltrow als Literaturwissenschaftlerin auf die Suche nach der Wahrheit über ein englisches Liebespaar des 19. Jahrhunderts.

Wenn ein Film den Titel „Besessen“ (ab 29. November in den österreichischen Kinos) trägt, könnte man einen erotischen Thriller erwarten. Tatsächlich handelt er jedoch von der Leidenschaft für die Literatur. Die Verfilmung des Romans von Antonia S. Byatt, zu Beginn der 90er Jahre ein Bestseller, zeigt zwei miteinander verknüpfte, zeitlich aber weit voneinander getrennte Liebesgeschichten. Gemeinsames Band aller vier Hauptpersonen ist das Faible für Literatur.

Da ist einmal die britische Literaturwissenschafterin Maud Bailey, die ihrem amerikanischen Kollegen Roland Michell begegnet. Und da ist Queen Victorias hoch gerühmter Hofpoet Randolph Henry Ash, der im 19. Jahrhundert eine lange verborgen gebliebene Affäre mit der emanzipierten Dichterin Christabel LaMotte hatte. Michell entdeckt zufällig einen bis dahin völlig unbekannten Liebesbrief des verheirateten Ash an die mit einer Malerin zusammenlebende LaMotte. Der ebenso ehrgeizige wie ruppige Amerikaner wittert eine große berufliche Profilierungschance und begibt sich auf die Spur der Beziehung zwischen Ash und LaMotte.

Dabei macht der Assistent des überaus kauzigen Professors Blackladder bald die Bekanntschaft der hübschen, aber verschlossenen Maud Bailey. Die arbeitet an einem Buch über LaMotte. Nur schwer lässt sich Bailey von Michell überzeugen, dass an der Poetenaffäre vor über 100 Jahren etwas dran sein könnte. Dann aber ergreift beide das Jagdfieber, und auch sie kommen einander immer näher. Die Szenen des Films wechseln immer wieder zwischen der Ash-LaMotte-Affäre und der Roland-Maude-Beziehung. Der junge amerikanische Regisseur Neil LaBute hat dieses kontrastreiche Wechselspiel gekonnt, aber zu brav und schematisch inszeniert.

Auch die Hauptdarsteller des modernen Paares, Gwyneth Paltrow als Maude und Aaron Eckhart als Roland, bleiben blass. Besser hingegen ist der britische Bühnen- und Filmstar Jeremy Northam als Ash, herausragend aber Jennifer Ehle als LaMotte. Die knapp 33-jährige Schauspielertochter, die schon in Istvan Szabos Drama „Ein Hauch von Sonnenschein“ positiv auffiel, ist mit ihrem beseelten Spiel die eigentliche Hauptfigur des Films, obwohl sie deutlich weniger Auftritte hat als Oscar-Preisträgerin Paltrow, die man schon überzeugender gesehen hat.

Eckhart bietet rauen Charme, aber als von Leidenschaft ergriffenen Literaturwissenschafter kann man sich diesen durchaus sympathischen Amerikaner einfach nicht vorstellen. So schaut man dem Treiben der Paare des am Schluss noch etwas krimihaft werdenden Films doch recht distanziert zu. Es mag sein, das „Besessen“ in der englischsprachigen Welt ein anderes Vorverständnis und deshalb auch ein anderes Interesse erwarten kann, denn wer kennt hier zu Lande schon Ash und LaMotte? Aber auch das ändert nichts an der flauen Machart dieser überflüssigen Romanverfilmung.

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