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Guckkästen auf Stadt und See

©Wolfgang Schlocker
Als der erste Spatenstich der St. Gallener Wohnanlage Dreilindenhang gesetzt wurde, waren bereits 75 Prozent der von Dietrich | Untertrifaller | Stäheli Architekten eplanten 40 Wohnungen vergeben.
Guckkästen auf Stadt und See

Der St. Gallener Dreilindenhang ist eine feine Wohngegend. Ins Stadtzentrum sind es zu Fuß eine Viertelstunde und per Straßenbahn nur wenige Minuten, die Aussicht auf die Türme des alten Klosters auf der einen und bis zum Bodensee auf der anderen Seite ist großartig. Trotzdem breiteten sich hier bis vor wenigen Jahren Schrebergärten aus, bis die Ortsbürgergemeinde St. Gallen, der das Grundstück gehört, dieses im Baurecht zur Schaffung von Wohnraum freigegeben hat. Bedingung war die Ausschreibung eines Investorenwettbewerbs, den die ASGA Pensionskassa mit dem Entwurf von Dietrich | Untertrifaller | Stäheli Architekten gewonnen hat.Das war 2007 und da fünf Nachbarn anfangs gegen das Projekt ihr Veto einlegten, konnte der erste Spatenstich erst 2011 erfolgen. Obwohl sich die vier versetzt am Dreilindenhang stehenden Baukörper ganz selbstverständlich in die landschaftliche und städtebauliche Struktur einfügen. Bereits beim Spatenstich waren 75 Prozent der 40 Zweieinhalb-, Dreieinhalb- und Viereinhalb-Zimmer-Mietwohnungen vergeben. Eingezogen wurde vor zwei Jahren, u. a. Edith und Stefan Wunderlin. Sie sind begeistert von ihrem neuen Domizil im fünften Obergeschoß, von dem aus die Aussicht naturgemäß am besten ist.

Diese Aussicht genießen sie idealerweise von dem die ganze Breite ihrer knapp 100 Quadratmeter großen Wohnung einnehmenden Balkon mit seiner gläsernen Brüstung aus, der – wie bei allen Wohnungen – an der Kante des Hauses loggienartig in den Baukörper hineingeschnitten ist. Um mit dem großzügig dimensionierten Wohnraum dahinter durch die fast raumhohe Fensterfront zu einer Einheit zu verwachsen. Inklusive der geräumigen Küche, die von der Bauherrenschaft in allen Wohnungen gleich mit weißen Möbeln und einer Arbeitsplatte aus nobel schwarzem Naturstein ausgestattet ist. Die Böden in den Wohnräumen sind schwellenlos mit Eichenparkett belegt, die Küchen und Bäder – jedes von ihnen hat ein Fenster – sind mit Feinsteinzeug gefliest, die Wände und Türen weiß gestrichen. Und die Gänge in den Wohnungen in den obersten Geschoßen werden durch ein in die Flachdächer geschnittenes Bullauge belichtet. Auf das der Regen klopft oder der Schnee sich legt, – Signale der Natur, die Frau Wunderlin sehr mag.

Gebaut sind die vier per Gas beheizten Häuser aus Mauerwerk und Stahlbeton in Minergie-Standard. Zwei der Häuser stehen direkt an der Straße, die zwei dazwischen bzw. daneben dem Hang folgend höher und sie sind in ihrem Inneren anders strukturiert. In jedem der Häuser sind zehn Wohnungen, pro Geschoß zwei. Unterirdisch verbunden werden die vier Baukörper durch eine Tiefgarage mit 44 Stellplätzen bzw. durch Keller-, Wasch- und Trockenräume, oberirdisch mittig durch einen breiten betonierten Erschließungsweg. Gedacht nicht zuletzt als Ort der Begegnung der Bewohner. Was im Moment laut Stefan Wunderlin nach mehreren gemeinsamen Festen auch langsam zu funktionieren beginnt.

Erschließungsweg liegen auch die vier Haupteingänge. Flankiert in den zurückversetzten zwei Häusern durch jeweils ein ca. 50 Quadratmeter großes Atelier inklusive separatem Eingang. In einem von diesem hat Herr Wunderlin seine rund 4000 Filme, Bücher und Zeitschriften umfassende Luft-Raumfahrt-Datenbank eingerichtet und hier veranstaltet er auch jeden Monat einen Filmabend zu irgendeinem spannenden Thema der Fliegerei.

In die hellbeige verputzten Fassaden sind Holz-Alu-Fenster hineingeschnitten, die durch braune Metallpaneele zu Bändern zusammengebunden werden, während sich tal- bzw. bergwärts die straßenseitigen Häuser vorne und hinten durch durchgehende Balkone bzw. Terrassen öffnen, die hinteren nur talwärts. Im Gegensatz zu den kleineren Wohnungen in den unteren zwei Geschoßen sind die in den drei oberen durchgesteckt und bekommen auf diese Weise Licht aus drei Richtungen. Erschlossen werden alle Wohnungen barrierefrei durch in Sichtbeton gebaute Stiegenhäuser inklusive Lift. Ihre Rückwände hat dieselbe grüngelbe Farbe wie die Vorhänge auf den Balkonen. Was von den Architekten als ganz bewusstes gestalterisches Statement gedacht ist.

Daten & Fakten

Objekt Duo Dreilindenhang18–24, St. Gallen (CH)
Bauherr ASGA Pensionskasse Genossenschaft, St. Gallen (CH)
Architekten Dietrich | Untertrifaller | Stäheli Architekten, Höhenweg 33, St. Gallen (CH), www.dietrich.untertrifaller.com
Projektleitung Peter Nussbaumer
Statik Schällibaum AG Ingenieure und Architekten, Herisau (CH)
Planung & Ausführung Haustechnik: Enerop AG, Goldach (CH); Lüftung: Enerop AG, Goldach (CH); Elektro SE Schmidheiny Engineering AG, Widnau (CH); Bauphysik Stadlin Bautechnologie, Ingenieurbüro für Bauphysik, Buchs (CH); Bauleitung: Gantenbein + Partner AG, St. Gallen (CH)
Planungsdaten Wettbewerb: 2007; Planungsbeginn: 2/2011; Baubeginn: 11/2011; Fertigstellung: 1/2014
Objektdaten Grundstücksfläche 4584 m²; Bruttogeschoßfläche 7230 m²
Konstruktion Massivbau, Putzfassade, Holz-Alu-Fenster, Parkettboden, Gasfeuerung, natürliche Belüftung, Tiefgarage,
Technische Daten Ökologie: Minergiestandard
Kosten 12,5 Mill. CHF

Leben & Wohnen – Immobilienbeilage der VN

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
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